Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 71 walt Dr. Klee die Namen Professor Dr. Elbogen, Dr. Kollenscher, Professor Türk, Rechtsanwalt Dr. Stern genannt — eingesetzt werden, das in Verbindung mit dem Council der Universität alle weiteren Fragen regeln, den Lehrstuhl auch weiter betreuen, so namentlich für eine Seminar-Bibliothek und andere mit dem Lehrstuhl in Verbindung stehende notwendige Aufgaben Sorge tragen soll. Mit der Schaffung dieses Katheders verbindet sich zum ersten Male eine führende westeuropäische Gemeinde durch eine Spezial-Institution dauernd mit dem Aufbau des neuen Palästina. Der verschobene Prozeß oder Judenmord ist straffrei Wir entnehmen der Wiener „Stimme“ folgende Bemerkung zu dem sensationellen Freispruch des Journalistenmörders Pöffl: Ein korrupter Journalist, Unzier seines (in Wien ohnedies nicht allzu hochstehenden) Standes, schießt einen anderen Journalisten im Gerichtssaal nieder, wie aus einer früheren Äußerung hervorgeht, mit Vorbedacht, unter Verwendung einer Präzisionswaffe. Der Mörder wird freigesprochen, die Geschwornen bejahen mit neun Stimmen die ihnen vorgelegte Frage auf Sinnesverwirrung, obwohl kein psychiatrisches Gutachten diese eindeutig festgestellt hat; sie bejahen diese Frage im zugegeben vollen Bewußtsein, daß daraufhin der Mörder freigesprochen werden muß. Der Mord wird eben als „Affekthandlung“ hingestellt (was beinahe jeder Mord ist). Wie ist ein solches Urteil zustande gekommen? Der Ermordete war Bruno Wolf, ein jüdischer Journalist, der Mörder Pöffl ist Hakenkreuzler. Daß er jüdischer Abstammung ist, mag für seinen Anwalt, Dr. Riehl, ein pikantes Verteidigungsmoment sein, das er den Geschworenen aus dem Burgenlande so verhüllt vorsetzte, daß sie es wohl nicht verstanden haben dürften, für den Betrachter ist es ein Schulbeispiel der Abreaktion des Minderwertigkeitsgefühles, die sich von Pfefferkorn bis Trebitsch vielfach belegen läßt. Daß es burgenländische Geschworene waren, die zu urteilen hatten und so geurteilt haben, ist nicht von Belang; Wiener Geschworene treffen solche „Urteile“ auch; wir erinnern nur an die Ermordung des jüdischen Ratenhändlers, dessen Mörder von Wiener Geschworenen freigesprochen wurde. Mord an einem Juden als straffrei anzusehen, scheint in allen Gegenden des Bundesgebietes Volksmeinung zu sein; kein Wunder in einem Staate, in dem aller politischen Weisheit letzter Schluß „dar Jud“ ist. Den Geschworenen wurde es auch leicht gemacht. Aus einem Mordprozeß wurde ein Prozeß um journalistische Methoden, um politisierte oder politische Organisationen gemacht. Durch diese Verschiebung des Prozeßfaktums sollte gezeigt werden, daß Journalismus in seiner schlechten Form und Judentum identisch seien und daß es letzten Endes um den ermordeten Juden-Journalisten „eh nicht schad“ war. Und das Argument „eh nicht schad“ verfängt leicht. So kam es, daß der Mörder Pöffl rechtskräftig freigesprochen wurde. Der jüdische Student Halsmann wurde vor wenigen Wochen von den Geschworenen aus dem Burgenlande auf Grund von mehr als unzulänglichen Indizien als Mörder gebrandmarkt, der offen verübte und einbekannte Mord an dem jüdischen Journalisten wurde von den burgenländischen Geschworenen als straffrei sanktioniert; ist man in Österreich als Jude seines Lebens sicher? Errichtung einer Dozentur für die Wissenschaft vom Judentum an der Universität München Auf Veranlassung des Ordinarius für semitische Philologie, Prof. Dr. G. Bergsträßer, wurde an der Münchener Universität eine Dozentur für die Wissenschaft errichtet und zum Dozenten Dr. P r y s ernannt. Damit erhält die Wissenschaft vom Judentum erstmals eine offizielle Vertretung an der Universität München. Aus der jüdischen Welt Die erste Kundgebung der Schule der jüdischen Jugend Berlin, 25. Januar. (JTA.) Am Montag, dein 21. Januar, fand eine öffentliche Jugendkundgebung anläßlich des Beginns der Schule der jüdischen Jugend statt. Schon die starke Beteiligung seitens der Jugendbünde aller Richtungen und Parteien — der große Saal des Brüdervereinshauses war fast restlos gefüllt —■ bewies, welches rege Interesse für diese neue Kulturposition im jüdischen Leben Berlins vorhanden ist. Herr Dr. Tietz eröffnete die Versammlung und dankte besonders Herrn Eugen Casparv, Vorsitzenden des Wohlfahrts- und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, für die tatkräftige Förderung des jungen Werkes. Sodann gaben die Vertreter der vier großen Organisationen (Liberaler Verein, Berliner Zionistische Vereinigung, CentraJ- Verein, Zeire Misrachi) ihre zustimmenden Erklärungen ab. Herr Dr. Ernst Heinz Seligsohn referierte über die Ziel der Schule, deren Hauptaufgabe die Verbindung von Lehre und Leben sei. Kein Hochschulbetrieb, sondern ein Lernbetrieb in gemeinsamer Gestaltung von Gebenden und Nehmenden, das isL die Zielsetzung dieser Neugründung. Nachdem auch noch die Vertreter der Jugendbünde bejahend zum Gedanken der Schule Stellung genommen hatten, hielt Herr Dr. Max Mayer einen Festvortrag über das Bildungsproblem der jüdischen Jugend. — Die Veranstaltung war ein verheißungsvoller Auftakt für die weitere Entwicklung der Schule. Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUEDLE Landwehrstr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. 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