Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Das Jüdische Echo Nr. 5 bündeten, ein Übereinkommen mit der Minderheit bezüglich eines Arbeitsprogramnies abgeschlossen. Auf den Inhalt der Abmachung kommt es in dieser Betrachtung nicht an. Es genüge die Feststellung, daß dieses Übereinkommen unter gegenseitiger Respektierung der differenten Weltanschauungen und bei voller Wahrung der beiderseitigen Programme getroffen wurde. Also ein sogenanntes „gentlemens agreement“. Dieses Vorkommnis ist tatsächlich ein Schulbeispiel echter Demokratie gewesen, bei der die Bedeutung der Opposition als eines mitschaffenden und aufbauenden Faktors gewürdigt und diese als voll mitverantwortlicher Träger der gemeinsamen Interessen in den Kreis aktiver, positiver Mitarbeit gezogen wurde. Als das geschehen war, begannen sofort die Quertreibereien. Die „Jüdisch-Liberale Zeitung“, die innerhalb des Liberalismus ein eigenwilliges Dasein führt und nicht, wie seitens der liberalen Mandatare in der Gemeinde ausdrücklich erklärt wurde, das Sprachrohr dieser Mandatare ist, schrieb einen Aufsatz, der als „Enthüllung“ gedacht war und aus einer Auffassung geboren wurde, die in dem Abkommen zwischen Volkspartei und Liberalen geradezu einen „Verrat“ heiliger Überzeugungen erblickt. Der Aufsatz war als Knüppel gedacht, der den zu einem modus vivendi gelangten Parteien zwischen die Beine geworfen, das Übereinkommen bezüglich des gemeinsamen Arbeitsprogrammes stören sollte. Diese Haltung der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“ ist nicht ein Produkt der Böswilligkeit, sondern nur ein Zeichen der politischen Unreife. Sie ist ein Beweis, wie weit entfernt die in jener Zeitung sich manifestierende Geistesrichtung noch von dem Sinn für echte Demokratie entfernt ist. Sie ist ferner ein Beweis dafür, wie wenig man dort der eigenen Überzeugung traut und für wie brüchig man die eigenen Wahrheiten hält, wenn man befürchtet, daß die Berührung mit dem Gegner zu einer ireparablen Schädigung der eigenen Anschauung führen muß. Welche Unsicherheit drückt sich in einer derartigen Auffassung aus! Es ist eine Erscheinung, wie man sie in der Frühzeit mancher radikalen Parteien in Deutschland beobachten konnte. Aber auch dort war sie nur ein Symptom mangelnder politischer Erziehung. Wir haben diesen Vorfall behandelt, um darzutun, wie weit wir auch im jüdischen Leben noch von wahrem Gefühl für das Wesentliche sind. Formaldemokratie, die nur intransigente Mehrheit und faktiöse Opposition kennt, ist barer Unsinn und ziemt den Juden nicht. Wir müssen lernen, wahre Demokratie zu pflegen und jenseits des uns Scheidenden die Gesamtaufgaben zu sehen, für deren Durchführung Regierung und Opposition in gleicher Weise verantwortlich sind. m. w. Ein Katheder der Berliner jüdischen Gemeinde an der hebräischen Universität zu Jerusalem Berlin, 22. Januar. (JTA.) Wie der JTA. mitgeteilt wird, haben in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen den großen Fraktionen der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde, der Fraktion der Jüdischen Volkspart.ei und der liberalen Fraktion stattgefunden, bei denen die Fraktion der Jüdischen Volkspartei in Übereinstimmung und unter Unterrichtung der konservativen und mittelparteilichen Gruppe, außer den Forderungen, die sie auf dem Gebiete der Schulpolitik hat, die Forderung nach einer sichtbaren Beteiligung der Berliner jüdischen Gemeinde am Aufbau Palästinas stellte. Der Vorsitzende der Jüdischen Volkspartei, Rechtsanwalt Dr. Klee machte den Vorschlag, die Berliner jüdische Gemeinde möge an der Universität Jerusalem einen Lehrstuhl als dauernde Einrichtung schaffen, der, um auch äußerlich die Verbundenheit des deutschen Judentums mit Palästina zu zeigen, die Bezeichnung „Lehrstuhl der Berliner jüdischen Gemeinde“ tragen soll. Eine bestimmte Forderung, welcher Wissenschaft dieser Lehrstuhl dienen soll, wurde nicht gestellt. Dr. Klee regte zunächst an, daß dieses Katheder für deutsche Philosophie und Literatur geschaffen werden soll, damit analog in England und Amerika ein Katheder für englische Philosophie und Literatur, in Frankreich für französische Kultur und Sprache, von den italienischen Gemeinden für italienische Literatur und Sprache geschaffen werden könne. Er fügte aber ausdrücklich hinzu, daß die Entscheidung, welches Katheder von Berlin errichtet werden soll, den augenblicklichen Lehr- und Studienbedürfnissen Palästinas angepaßt werden müsse, so daß vielleicht eine andere Wissenschaft, etwa Nationalökonomie oder, in Verbindung mit dem Völkerbund, Völkerrecht und Völkerbundspolitik, vielleicht auch eine naturwissenschaftliche Disziplin, in Frage käme. Diese Forderung der jüdischen Volkspartei wurde im Prinzip angenommen. Es ist damit zu rechnen, daß schon in allernächster Zeit die Verwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde die von derVolkspartei geforderte Palästina-Institution in Gestalt dieses Berliner Lehrstuhls errichten wird. Gedacht ist an einen jährlich in das Budget der Berliner jüdischen Gemeinde einzusetzenden Betrag von etwa 15 000 Reichsmark für diesen Zweck. Voraussichtlich wird ein Spezial-Komitee — wie der JTA-Vertreter erfährt, werden außer Rechtsan- D e r neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder, 12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19