Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 69 Preußen stammen und ein noch viel höherer Prozentsatz ausgebildeter Lehrer der bayerischen Anstalten von Preußen absorbiert wird. Die Ursache für diesen Zustand bilden die oben erwähnten besonderen Ausbildungsverhältnisse Bayerns. Mithin wird der Preußische Landesverband und rnit ihm -alle anderen jüdischen Landesverbände Deutschlands nach wie vor an der bayerischen Ausbildung in hohem Maße interessiert sein müssen. In Zeitungsäußerungen aus der jüngsten Zeit ist der Gedanke aufgetaucht, die bisher an zwei Stellen erfolgende orthodoxe Lehrerausbildung an einer Stelle zu zentralisieren. Beide Anstalten haben aber durch ihre Schülerzahl ihre Existenzberechtigung erwiesen; die bayerische Anstalt allein zählt schon jetzt für das Schuljahr 1929/30 weit über 100 Schüler, so daß von einer Zwerganstalt keine Rede sein kann. Eine einzige Anstalt wird aus rein geographischen Gesichtspunkten nicht die gleiche Anzahl von Absolventen erstellen können. Dabei ist besonders zu erwägen, daß die relativ hohe Absolventenziffer der letzten Jahre bei weitem nicht ausreicht, den in Deutschland herrschenden Lehrerbedarf auszugleichen. In Bayern allein sind trotz wirtschaftlicher Fundierung durch den Landesverband mindestens ein Dutzend Stellen unbesetzt. Ähnliche Klagen kommen aus Hessen, Schlesien, Ostpreußen. In geistig-kultureller Beziehung hat sich Dezentralisation immer als kulturfördernd erwiesen. Die Frage der jüdischen Lehrerbildung geht weit über den Rahmen einer Fachfrage hinaus, sie berührt vielmehr die gesamte Einstellung der Juden Deutschlands zu den Fragen ihres Judentums. Seit dem Kriege ist eine Reihe von jüdischen Volksschulen in Großstädten neu gegründet worden, ein Zeichen für die wachsende Intensivierung des jüdischen Lebens in Deutschland. Diese Bewegung ist noch lange nicht zum Abschluß gekommen und bedingt einen neuen Mehrbedarf an jüdischen Lehrkräften. Intensivierung des jüdischen Lebens und Intensivierung der jüdischen Lehrerbildung werden stets parallel laufen. Politische Erziehung (Berliner Brief) Demokratie und Formaldemokratie sind zwei grundverschiedene Dinge. Diese Erfahrungstatsache gilt nicht nur für die großen allgemein-politischen Körperschaften im Staate, sondern auch für Gremien, die weit bescheidenere Arbeitsgebiete wahrzunehmen haben. Zur Demokratie muß man erst auf Grund langwieriger Erfahrungen erzogen werden. Der Weg hierzu ist allerdings die Formaldemokratie. Durch sie muß eine Gemeinschaft lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu scheiden, das Allgemeininteresse in den Vordergrund zu stellen und die jeweilig herrschende Parteigruppe als Vollstreckerin des Gesamtheitswillens gelten zulassen. So aufgefaßt wird die wahre Demokratie auch die jeweilige Opposition dazu bestimmen, sich in gleichem Maße wie die Regierung für die Grundaufgaben der Gemeinschaft verantwortlich zu fühlen, den sowohl Regierung wie Opposition sind Partner gemeinsamen Gutes: des ihnen anvertrauten Wohles der Gemeinschaft. Das sind für Länder mit alter Demokratie, wie z. B. für England, Selbstverständlichkeiten, über die man nicht viel Worte verliert. Dort ist es feststehender Brauch, daß sich Regierung und Opposition jeweilig über die dringendsten Notwendigkeiten des Staates verständigen und von Zeit zu Zeit betreffs eines bestimmten Arbeitsprogrammes einigen, wodurch jedoch die grundsätzlichen Differenzen in den Auffassungen nicht tangiert werden. In Ländern, wo das Stadium der Entwicklung sich bei der Formaldemokratie hält, hat man für ein derartiges Vorgehen kein Verständnis. Daraus folgt dann so manche Misere und so manche überflüssige, für Nationen mit echter Demokratie unbegreifliche Krise. Diese Erscheinung im öffentlichen Leben des Gesamtstaates findet ihr Spiegelbild in Körperschaften, die, parlamentarisch aufgezogen, Spezialaufgaben zu erledigen haben. So erklärt es sich, daß auch in der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Berlins Methoden üblich waren, die diesem Gremium nicht gut anstehen und die eine Kopie von Vorgängen aus großen Parlamenten Deutschlands sind. Und wenn gar die jüdische Gemeinderepräsentanz durch eine Maßnahme den Versuch unternimmt, das Gebiet der Formaldemokratie zu verlassen und sich wahrer Demokratie zu nähern, so findet ein derartiges, im Grunde durchaus leibliches Vorgehen, auf verschiedenen, allerdings politisch noch nicht ganz reifen Seiten herbe Kritik, Spott, Verhöhnung und wütendes Störungsbemühen. Wie männiglich bekannt, besteht in der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Mehrheit von 11 Mitgliedern, zusammengesetzt aus jüdischer Volkspartei, Mittelpartei und Konservativen, gegenüber einer Minderheit aus 10 liberalen Mitgliedern. Vor kurzer Zeit hat nun die Volkspartei, die die Mehrheit führt, bei fortlaufender Informierung ihrer Ver- Länge ca. 133 cm Alleinige Niederlage: Pianohaus Hirsch am Sendlingcrtorplatz MÜNCHEN / Lindwurmstrafce 1