Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- Seite 58 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Das Jüdische Echo Nr. 4 Religionsgesellschaften mit den Rechten -und Pflichten des öffentlichen Rechtes die Evangelische Landeskirche, die Römisch-katholische Kirche, die Evangelisch-reformierte Gemeinde, die Freireligiöse Gemeinschaft, die Evangelische Bruder-Unität, die Evangelisch-lutherische Freikirche, die Bischöfliche Methodistenkirche, die Vereinigung der Baptisten, der Sächsische israelitische Gemeindeverband, endlich die Religionsgemeinschaften, denen das Gesamtmlnisterium die Rechte der Körperschaften des öffentlichen Rechts verleiht. Die Religionsgesellschaften haben auf Verlangen dem Staat jederzeit Auskunft zu geben und Nachweise zu erbringen. Die Geistlichen und Beamten der Religionsgesellschaften müssen deutsche Reichsangehörige soin, doch können Ausnahmen bewilligt werden. Die Verfassungen der Religionsgesellschaften müssen über den Beginn der Mitgliedschaft Vorschriften enthalten, die jedoch die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht beeinträchtigen dürfen. Der Austritt steht jedem frei, der in Sachsen seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat. Weitere Bestimmungen regeln das Steuerrecht der Religionsgesellschaften und die staatlichen Zwangsmittel, die gegebenenfalls angewendet werden können. Das Ergebnis der Wahlen in der Dresdner jüdischen Gemeinde Dresden, 21. Januar. (JTA.) In der jüdischen Gemeinde zu Dresden fanden die Wahlen zum Gemeinderat, der sich Ende 1928 auflöste, am Sonntag, dem 20. Januar, unter außerordentlicher Beteiligung statt. Es war der erste wirkliche Wahlkampf seit 1912, da die Ergänzungswahlen in den nachfolgenden Jahren in der Hauptsache auf Grund von Kompromissen zustandekamen. Noch am Abend vor der Wahl hielt die Jüdische Volkspartei eine Massenversammlung ab, in der Herr Ministerialrat Hans Goslar aus Berlin der Hauptredner war. Abgegeben wurden insgesamt 920 Stimmen, wahlberechtigt waren 1160 Gemeindemitglieder, so daß eine Wahlbeteiligung von 80 Prozent zu verzeichnen ist. Ungültig waren 39 für den Gemeinderat und 15 für den Gemeindevorstand abgegebene Stimmen. In den Vorstand sind gewählt drei Liberale (415 Stimmen), zwei Mitglieder der Jüdischen Volkspartei (360 Stimmen). Auf die 122 Stimmen der Volksvereinigung für jüdische Interessen entfällt kein Vorstandssitz. Hingegen verhalten die für die Vereinigung abgegebenen 122 Stimmen zuzüglich der 55 Reststimmen der Liberalen auf Grund der zwischen diesen beiden Parteien erfolgten Listenverbindung den Liberalen zum dritten Vorstandssitz. In den Gemeinderat wurden gewählt 7 Liberale, 6 Volksparteiler und zwei Mitglieder der Volksvereinigung für jüdische Interessen. Die mit den Liberalen eingegangene Listenverbindung der Volksvereinigung brachte auch im Gemeinderat den Liberalen einen Sitz mehr. Insgesamt gehören dem Vorstand und Gemeinderat 10 Liberale, 8 Volksparteiler und 2 Mitglieder der Volksvereinigung an. Die Liberalen verlieren einen Vorstandssitz zugunsten der Volkspartei, die neben Dr. John Levy neu den Kaufmann Samuel Weiger in den Vorstand entsendet. Der Liberale Max Levi scheidet aus dem Vorstand aus. Dr. Julius Moses 60 Jahre Mannheim, 18. Januar. (JTA.) Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mannheim und Mitglied des badischen Oberrates Dr. Julius Moses, ein führender Zionist, feiert am 22. Januar seinen 60. Geburtstag. Es werden aus diesem Anlaß innerhalb der Großgemeinde Mannheim verschiedene Veranstaltungen geplant. Die Zionistische Ortsgruppe hat an alle .Gemeindemitglieder einen Aufruf für eine Stiftung zugunsten des Mikrobiologischen Instituts in Jerusalem versandt: „Dr.-Julius-Moses-Stiftung.“ Bestrafter Ritalmordhetzer Breslau, 13. Januar. (JTA.) Wolffs Telegraphenbüro teilt mit: Der verantwortliche Redakteur Hans Kurth von der „Schlesischen Volksstimme“, einer völkischen Wochenschrift, der bereits wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz verurteilt ist, hatte sich heute wegen öffentlicher Beleidigung des Judentums vor dem Schöffengericht zu verantworten. In einem Artikel hatte Kurth behauptet, daß die meisten Kindermorde vor dem Passah-Fest stattfänden und daß diese auf das Konto der Juden kämen, die Christenblut benötigten. Als der Staatsanwalt drei Monate Gefängnis beantragte, wurde er von dem Angeklagten der Unverfrorenheit bezichtigt. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis wegen Beleidigung und RM. 15.— Geldstrafe wegen Ungebühr vor Gericht oder fünf Tage Haft. Bündnis Hugenberg-Hitler? Berlin, 22. Januar. (JTA.) Wie die „Münchner Post“ mitteilt, hat der deutschnationale Abgeordnete und Zeitungskönig Hugenberg ein geschäftliches u*nd politisches Bündnis mit Hitler abgeschlossen. Sie gründeten gemeinsam den „Deutschen Volksverlag, eine Arbeitsgemeinschaft zur praktischen Volksaufklärung“, die durch Flugschriften im neutralen Gewände den Marxismus bekämpfen sollen. Der Ankündigungsprospekt enthält den folgenden Satz: „Das Wort Juden wird im allgemeinen vermieden, der Leser soll vielmehr am Ende der Schrift von selbst zu den richtigen Schlüssen kommen.“ Schwere Ausschreitungen der Hitlerleute in Cleve Berlin, 17. Januar. (JTA.) Die Zeitung „Tempo“ meldet aus Cleve: In einer nationalsozialistischen Versammlung, zu der die Clever Stadtverwaltung ihren Rathaussaal gegeben hatte, unter der Bedingung, daß der Satz der Einladung: „Juden haben keinen Zutritt“, verschwinden müsse, kam es zu Ausschreitungen unter dem äußeren Kennzeichen eines Judenpogroms. Zwei Hitlertrupps untersuchten während des Vortrags alle schwarzhaarigen Anwesenden auf „Judenähnlichkeit“ und setzten eine Reihe von Teilnehmern, Juden und Nichtjuden, vor die Tür, darunter angesehene Bürger der Stadt. Dabei kam es zu Mißhandlungen. Merkwürdigerweise schritt die Polizei nicht ein. Antisemitische Hetze des französischen Parfümfabrikanten und Zeitungsbesitzers Coty Paris, 13. Januar. (JTA.) Der bekannte Parfümfabrikant und Zeitungsbesitzer Francois Coty hat in der von ihm erworbenen Zeitung „Ami du Peuple“ eine antisemitische Hetze im Zusammenhang mit dem Skandal der „Gazette de France“ Deutsche Neuwäscherei G. m.b. H. FELIX BRÄ\i)\RR * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 237OS Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8 Tage