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Das jüdische Echo · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. Seite 56

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Das Jüdische Echo Nr. 4 gesprochen worden. Der Hauptbeschuldigte, der Werkmeister Tochilin, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wobei das Gericht ausdrücklich betonte, daß auf seinen Fall die Oktober-Amnestie keine Anwendung findet. Die drei Angeklagten Gruzdijew, Tuliakow und Kraßnijansky wurden zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt; gemäß der Oktober-Amnestie vermindert sich ihre Strafe auf je ein Jahr. Von der zweiten Gruppe der Beschuldigten wurden Ptscholkin zu einem Jahre, die Arbeiterin Nitschajewskaja zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Diesen beiden wurde dem Amnestie-Erlaß zufolge die gesamte Strafe erlassen. In Briansk wurden wegen systematischer Verfolgung des Juden Berelson drei antisemitische Huligans zu je zwei Jahren, sechs andere zu kürzeren Gefängnisstrafen verurteilt. Das Abkommen zwischen Sowjetrußland und dem Joint Scharfe Angriffe Mereschins gegen den Joint Moskau, 12. Januar. (JTA.) In der Plenarsitzung der unabhängigen Gesellschaft für jüdische Kolonisation OZET teilte Herrn Mereschin, der bekanntlich Vizepräsident der Regierungskommission für jüdische Landansiedlung KOMZET ist, mit, daß ein neues Abkommen zwischen der amerikanisch-jüdischen Gesellschaft Agro-Joint und der Sowjetregierung demnächst unterzeichnet werden wird, dessen Grundlinien die folgenden sind: Agro-Joint gewährt der Sowjetregierung im Wege durch KOMZET eine Anleihe in Höhe von acht Millionen Dollar zur Verwendung für das jüdische Landansiedlungswerk in einer Zeitdauer von acht Jahren. Die Sowjetregierung garantiert die Rückzahlung des Kapitals nebst fünf Prozent Zinsen jährlich. Im weiteren Verlauf seiner Rede übte Mereschin Kritik an dem Joint Distribution Committee und sagte, die Sowjetkreise seien ungehalten darüber, daß Joint nur die Hälfte der infolge der Mißernte notwendig gewordenen Summen zur Verfügung gestellt hat. Ferner besteht in Sowjetkreisen eine Mißstimmung darüber, daß die Herren vom American Joint Distribution Committee Verhandlungen mit den Zionisten führen, die auf eine Stärkung der Arbeit in Palästina hinausgehen, wo doch nach der Meinung der Sowjetkreise die in Palästina bestehenden Perspektiven und Möglichkeiten eine solche Unterstützung weit weniger gerechtfertigt erscheinen lassen als die Förderung des aussichtsreichen jüdischen Kolonisationswerkes in den Ländern der Sowjetunion. Mereschin übte auch Kritik an der Art, wie die amerikanisch - jüdische Kolonisationsgesellschaft Agro-Joint bei der Aufbringung der Gelder für MAX WITTKOP ©pe$ialgefcbaft fetner 5letfct)t*>areti München / Rathaus / Weinstraße Zweiggesch.: Bogenhausen, Ismaninger Str. 78 Dilles für 2*ucbe unfc> Heller £>ie bekannten $immermann=©pe$ialitäten <5en>orragetifc>e Qualität 33UUgfte 33erectmung _CTnfrtmtmeHe43et>temmg!_ das jüdische Kolonisationswerk in Rußland zu Werke geht. Agro-Joint, sagte Mereschin, konzentriert seine Arbeit auf eine kleine Gruppe amerikanischer Kapitalisten wie Julius Rosenwald, John Rockefeller, Felix M. Warburg usw. und hält auf diese Weise die jüdischen Massen in Amerika von seiner Beteiligung an dem jüdischen Kolonisationswerk in Rußland zurück. Die Rede Mereschins klang in eine Apotheose auf den Plan der Schaffung eines jüdischen Landes im fernen Osten aus. „Biro-Bidschan muß ein jüdisches Land werden!“ rief Mereschin in den Saal. „Das Hauptziel der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei ist es, nicht einen jüdischen Siedlungsrayon ähnlich dem im Distrikt Cherson bereits bestehenden Kalinin-Dorf-Rayon zu schaffen, sondern ein großes autonomes jüdisches Territorium erstehen zu lassen. Für die Sowjetbeamten, die jüdischen Siedler und alle in Betracht kommenden Kreise im fernen Osten versteht sich die Errichtung eines jüdischen Landes von selbst. Alle glauben an die Verwirklichung der Ide von Biro-Bidschan.“ „Es ist aber notwendig,“ schloß Mereschin, „diese Parole als einen weithin hörbaren Schlachtruf ,Auf in das jüdische Land!1 ertönen zu lassen. Es ist zu bezweifeln, ob ohne eine solche Parole die bisherigen Biro-Bidschan-Siedler in dieses Land gegangen und dort geblieben wären. Mit dem Aufbau von Biro-Bidschan als jüdischem Land bauen wir mit an unserem großen sozialistischen Vaterland.“ Brief aus Palästina Jerusalem, Anfang Januar 1929. Die stärkste Opposition gegen die Vorschläge der Palestine- Joint-Survey-Commission in der Frage der Bodenpolitik war aus Palästina gekommen. Ebenso ist wohl nirgends die Befriedigung über die Änderung in der Haltung der Kommission größer als hier. Der Umschwung bei den Nichtzionisten ist sehr bemerkenswert. Herr Marshall und seine Freunde haben erklärt, daß sie die Politik des Keren Kajemeth in dieser Beziehung für „in ihren Grundlagen gesund“ halten, und daß sie den Beschlüssen des Zionistischen Aktions-Komitees vom Juli zustimmen, daß nur ein einziger Fonds für Bodenkäufe aus öffentlichen Mitteln bestehen und daß alles so erworbene Land Eigentum des Keren Kajemeth werden soll. Die schnell erzielte Einigung in bezug auf den Keren Kajemeth, den Kern der zionistischen Auffassung über den Aufbau Palästinas, beweist die Bereitwilligkeit der Nichtzionisten, die Faktoren anzuerkennen, welche aus der zionistischen Ideologie heraus die praktische Arbeit leisten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Haltung der Nichtzionisten in der Bodenfrage eine frische Triebkraft für die Tätigkeit des Keren Kajemeth und die Arbeit zu seinen Gunsten bedeutet, und daß er bei den neuen Partnern sicherlich die gleiche Popularität erlangen wird, die er sich in einem Vierteljahrhundert in der zionistischen Geschichte errungen hat. Der Festvorstellung, die anläßlich des zehnjährigen Bestehens der „Habimah“ in Jerusalem veranstaltet wurde, wohnte auch der neue High Commissioner, Sir John Chancellor, bei. Das dicht besetzte Haus erhob sich, um ihn zu begrüßen, und Herr Ussischkin, der der hebräischen Theatergruppe Glückwünsche aussprach, verband damit auch gute Wünsche für das neue Regierungsoberhaupt. Die „Habimah“ führte bei dieser Gelegen-

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