Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 55 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle bei allen Bezirksorganisationen Beratungsstellen für rechtliche und berufliche Fragen geschaffen werden sollen. Eine Resolution lautet: „Die Reichskonferenz erinnert an die Pflicht aller Richtungen des Ostjudentums, an dem Aufbau des jüdischen Palästina mitzuarbeiten.“ Eine Reihe weiterer Resolutionen betreffen Organisationsfragen, Presse und Versicherungsangelegenheiten. Das neue Präsidium des Ostjudenverbandes besteht aus den Elerren Haarpuder, Benzion Fett und Leser. In die Exekutive wurden nachstehende Mitglieder gewählt: Dr. Altschul, Moses Goldmann, Salo Langermann, Arthur Rottenberg, alle in Berlin; ferner Dr. Büschel (Rheinland), Dr. Koref (Hamburg), Stecke! (Breslau) und Time (Nürnberg). Die Vertreter des Verbandes der russischen Juden bzw. der Jugendverbände werden noch benannt werden. Der Antisemitismus in Rußland Berlin, 13. Januar. (JTA.) Herr Dr. Ismar Freund, der im Spätsommer 1928 mehrere Wochen in verschiedenen Gegenden Rußlands zubrachte und das russische Judenproblem studierte, setzt seine Aufsatzserie im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin fort. Der dritte Aufsatz ist den Erscheinungen des Antisemitismus in Rußland gewidmet. Dr. Freund hat mit jüdischen Bauern in verschiedenen Gegenden gesprochen, die ihm über individuelle antisemitische Ausbrüche unter der russischen Bauernschaft berichteten und ihrem Gefühl der Unsicherheit Ausdruck gaben. Er sprach hierüber mit dem Präsidenten des KOMZET, Herrn Smidowitsch, und dem Vizepräsidenten, Herrn Mereschin. Smidowitsch hielt die Besorgnis, daß Ausbrüche des Hasses bei den Bauern eine Gefahr für die jüdischen Kolonisten bedeuten, für unbegründet. Der frühere Haß des russischen Bauern gegen die Juden habe seinen Grund darin gehabt, daß der Bauer in dem Juden den Händler und Ausbeuter gesehen habe. Mit dem Augenblick, wo der Russe sehe, daß der Jude Bauer sei wie er selbst, daß er sich quälen müsse wie er selbst, daß er unter gleichen Bedingungen wie er im Schweiße seines Angesichts sein Brot sich verdienen müsse, werde auch der Haß von selbst sich verlieren. Im übrigen wisse der Bauer ganz genau, daß die Erde der Krim, die man den Juden überlassen habe, alles andere als besonders gut sei. Wäre sie das gewesen, so hätte sie schon längst Liebhaber gefunden. Mereschin wollte das Vorhandensein eines Gegensatzes zwischen jüdischen und russischen Bauern nicht leugnen. Aber auch er beurteilte die Lage mit einem gewissen Optimismus: „Der einzelne Bauer weiß ganz genau, daß er mehr Land als ihm nach der ,Norm‘ zusteht, nicht zu erwarten habe.“ Er sei also persönlich uninteressiert, und für eine Begehrlichkeit, aus der das Haßgefühl gegenüber den Juden erwachsen könnte, fehlt es am Grunde. Dazu komme, daß die Partei mit allem Nachdruck jeder antisemitischen Regung entgegentrete. Mereschin erwartet, daß es allmählich gelingen werde, das Verhältnis zwischen Russen und Juden zu entgiften. Dr. Freund stellt fest, daß Sowjetrußland einen offiziellen Judenhaß, einen Staatsantisemitismus nicht kennt. Diese Tatsache geht weiter als in irgendeinem anderen Lande. Sowjetrußland duldet tatsächlich keinen Antisemitismus und unterdrückt ihn mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Für die Sowjetregierung ist Antisemitismus Konterrevolution, und er wird genau so geahndet, wie jeder konterrevolutionäre Akt. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Lage der Juden, unter dem Gesichtspunkt des Antisemitismus betrachtet, außerordentlich ernst ist. Keine Bevölkerungsschicht in Rußland ist von dem Judenhasse frei. Dr. Freund berichtet über die Folgen des Antisemitismus in den verschiedenen Gesellschaftsklassen, den sowjetfeindlichen, bürgerlichen und intellektuellen Kreisen, den Bauern und Arbeitern, und schließt: „Verfassungsmäßig haben die Juden völlige Gleichberechtigung. Der Regierung fehlt es nicht an dem ernstesten Willen, diesen Grundsatz auch in der Praxis umzusetzen. Solange das Sowjetregiment sich hält und in der Roten Armee ein starkes Instrument hat, besteht für die Juden in Sowjetrußland kaum eine Gefahr antisemitischer Exzesse. Was aber wird, wenn einmal die Dinge sich ändern, vermag kein Sterblicher vorauszusagen.“ Schließung einer Jeschiwah, Beschlagnahme von drei Synagogen, Verhaftung von Rabbinern Riga, 18. Januar. (JTA.) Die Zeitung „Frimorgn“ erfährt, daß die Sowjetbehörden die bekannte Jeschiwah in Nevel geschlossen und drei Synagogen der Stadt beschlagnahmt haben. Hunderte von Bachurim (Jeschiwah-Jiinger) mußten die Stadt verlassen. Die Rabbiner Samuel Levitin, Zewi Astronower, Elia Woltscholnik, Salman Uschischkin und Elchanan Maharak wurden verhaftet und ins Gefängnis von Velikiluki gebracht. Der Prozeß gegen sie soll in kurzem stattfinden. Der 80 Jahre alte Rabbiner Isaac Mizrachi und sein Sohn wurden aus Cuba, Distrikt Reginistangub, ausgewiesen unter der Beschuldigung, daß sie für die Unterstützung von Jeschiwoth und Chedarim Propaganda machten und solche Anstalten auch selbst unterstützten. Eine Synagoge in einen Arbeiterklub umgewandelt Moskau, 19. Januar. (JTA.) Die Synagoge Esrath Israel in Briansk ist auf Verlangen der lokalen jüdischen Arbeiterorganisation beschlagnahmt und in einen jüdischen Arbeiterklub umgewandelt worden. Schwere Kerkerstrafen gegen die Peiniger der Arbeiterin Barschay Minsk, 21. Januar. (JTA.) Das Urteil gegen die Arbeiterhuligans, die in einer Fabrik bei Minsk die jüdische Arbeiterin Dreise Barschay lange Zeit hindurch aus antisemitischen Motiven in raffinierter Weise gequält haben, ist am 20. Januar