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Das jüdische Echo · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Das Jüdische Echo Nr. 4 Soeben erschienen: Gedenkbuch für die im Weltkrieg gefallenen Münchener Juden Herausgegeben von der Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten im Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Str. 4 Es enthält die Biographien und Bilder aller gefallenen Münchener Juden Geleitwort von Dr. L. Baerwald Preis gebunden RM. 5.— Vorzugsausgabe RM. 15.— Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch den Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Straße 4 gegen Voreinsendung d. Betrages o. gegen Nachnahme ben leisten müßten, um z. B. jüdische Schulen oder Talmud Thoras zu unterhalten. Der Verband der Ostjuden sollte sich mit spezifisch ostjüdischen Angelegenheiten befassen, wie Vertretung vor ihren heimatlichen Konsulaten, juristischer Hilfe usw. Die Wahrnehmung der allgemein jüdischen Interessen d er 0 s t j u d e n ist eine Aufgabe der Gesamtjudenheit in Deutschland, ebenso wie die Organisation der ostjüdischen Jugend nicht in besonderen ostjüdischen Organisationen, sondern in allgemeinen jüdisch bewußten Jugendverbänden am besten zu bewerkstelligen ist. Westjudentum ist kein Ideal, Ostjudentum ist kein Ideal; das zu •erstrebende Ziel heißt bewußtes, hundertprozentiges, modernes, einigendes Judentum. m. w. * * * * Am 13. Januar wurde die vierte Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Verbandes, Samuel Haarpuder, eröffnet. Es folgten Begrüßungen der Vertreter der jüdischen Organisationen Deutschlands, und zwar des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Großloge Deutschlands des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, der Gesellschaft ORT, ehemalige deutsche Juden, des Verbandes russischer Juden in Deutschland, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, des Vereins der Kinderfreunde, der Jüdischen Volkspartei, der Gesellschaft OSE und der ZVfD. Für die Jüdische Volkspartei führte Prof. Heinr. Löwe aus, zwischen der Jüdischen Volkspartei und den jüdischen Brüdern aus dem Osten bestehe ein menschlich nahes und tiefes Verhältnis. Es gibt kein Ost- oder Westjudentum, sondern einzig und allein „Achenu bne Jisrae 1“, die eine gleiche Vergangenheit und eine gleiche Zukunft haben. Im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland würdigte Dr. Kanowitz die Arbeit des Ostjudentums für Palästina. Das deutsche Judentum befindet sich im Stadium des Abstiegs. Unsere große Sorge und Hoffnung ist es, daß das Ostjudentum in Deutschland nicht ebenfalls von diesem traurigen Schicksal ergriffen werde, sondern daß es dem deutschen Judentum frisches Blut zuführe. Wenn heute jüdische G e me inden die 0 s t j u d e n als Bürger zweiter Klasse behandeln, so mißverstehen sie den Gedanken ihrer eigenen Emanzipation. In das Präsidium wurden gewählt die Herren S. Haarpuder, Benzion Fett und Fuchs. Es folgte das Referat von Dr. I. Taubes über „Die allgemeine Lage der Ostjuden“. Er behandelte den ganzen Komplex der ökonomischen, sozialen und kulturellen Fragen der Juden in Osteuropa und der osteuropäischen Juden im Westen, insbesondere die Frage der jüdischen Wanderung, und berichtete über die Zahl der Ostjuden in den einzelnen Gemeinden Deutschlands. Der vom Vorsitzenden, Samuel Haarpuder, erstattete Rechenschaftsbericht sowie das Referat Benzion Fetts über „Die Aufgaben des Verbandes“ bildeten den Gegenstand einer ausführlichen Generaldebatte. Über „O stjudentum und jüdische Gern e i n d e“ bzw. über „,0 stjudentum und Landesverbände der jüdischen Gemeinden“ referierten der Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde, Georg K a r e s k i, und Markus Hornstein, Repräsentant der Berliner Gemeinde. Über „Jugendarbeit und Erziehung“ sprach Dr. Wilhelm L e v y , und über „Kulturelle Aufgaben“ Bibliothekar Josef L i n. Die Referate Kareskis, Hornsteins, Dr. Levys und Lins wurden mit großer Aufmerksamkeit angehört und stellten im allgemeinen eine erfreuliche Entwicklung der Bestrebungen und Arbeiten der Ostjuden auf den genannten Gebieten fest. In allen Referaten drückte sich die bewußt-nationale Einstellung der Referenten aus, die bei den Zuhörern und den an der Debatte Beteiligten zustimmenden Widerhall fand. Von den gefaßten Resolutionen verdient Erwähnung ein Protest gegen die Bemerkungen Jakob Wassermanns über das Ostjudentum in seinem bekannten Vortrage. Die Reichskonferenz erklärte die systematische Kulturarbeit für eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes, und zwar insbesondere Errichtung hebräischer und jiddischer Unterrichtskurse, Veranstaltung von Vorträgen, Errichtung jüdischer Lesehallen und Bibliotheken und Verbreitung jüdischer Bücher zu ermäßigten Preisen. Ferner richtet die Konferenz an die jüdischen Gemeinden den Appell, die bestehenden Talmud Thora zu unterstützen. Als eine der nächsten Aufgaben wird die Organisierung der ostjüdischen Jugend in Aussicht genommen. Lehrerbildungskurse sollen eingerichtet werden. Eine zweite Gruppe von Resolutionen befaßt sich mit der sozialen Arbeit. Außer der Fühlungnahme mit den Wohlfahrtsämtern der jüdischen Gemeinden wird die Gründung von Kreditgenossenschaften im Einvernehmen mit der in Berlin bestehenden Genossenschaftsbank „Iwria“ empfohlen. Das Referat von K a r e s k i „Ostjudentum und Landesverbände der jüdischen Gemeinden“ wurde zur Kenntnis genommen und erklärt, daß der Verband die völlige Gleichberechtigung des Ostjudentums fordert und daher gegen jede antidemokratische Form eines Reichsverbandes sich wendet. Ferner wurde beschlossen, daß

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