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Das jüdische Echo · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. Seite 53

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 53 ihnen anscheinend sehr gelegen kommt, wenn sie nicht gar von ihnen selbst provoziert wurde. Die Entwicklung zu einer freieren und einheitlichen Gestaltung des jüdischen Gemeinderechts wird sich auf die Dauer weder in den bayerischen noch in den sächsischen Gemeinden hintanhalten lassen; Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die „Jüdische Volkspartei“ mit ihren Anstrengungen nicht locker läßt und daß sie alle Kräfte sammelt, um in jeder Position, in Gemeinde und Verband, energisch und zielbewußt den Kampf um die jüdische Gleichberechtigung in den jüdischen Gemeinden weiter zu führen. Ein agudistischer Index? Die Hamburger Keren-Hatorah-Konferenz vom Jahre 1926 hatte in der Erkenntnis von der Wichtigkeit der jüdischen Jugendlektüre eine Kommission zur Ausarbeitung eines Jugendschriftenverzeichnisses eingesetzt und diese Kommission — man höre und staune — nahm in die von ihr hergestellte Liste empfehlenswerter Bücher auch Schriften von Calvary, Bialik, Bin Gorion, Herzl und Klötzl auf. Darob großes Entsetzen beim „Israelit“. „Es ist einfach unfaßbar, wie zwei jüdische Lehrerinnen und ein Lehrer — alle drei sind uns persönlich ganz unbekannt —, die doch selber zweifellos auf gesetzestreuem Standpunkte stehen, die Verantwortung dafür übernehmen können,, den unreifen, religiös zu erziehenden Dreizehnjährigen beispielsweise Bücher von Calvary, Bialik, bin Gorion, Herzl, Klötzl (oder z. B. ein Werk wie Adler, Von Ghetto zu Ghetto) in die Hand zu geben und den Kindern damit selbstverständlich die Ehrfurcht vor der gesamten, die jüdische Tradition zum Teil untergrabenden Persönlichkeit und literarischen Tätigkeit der zuerstgenannten Autoren beizubringen. Das ist das Gegenteil gesunder jüdischer Pädagogik. Ist der Junge oder das Mädel einmal für bin Gorion oder Bialik begeistert, so wird keine geistige Bevormundung es hindern, den ganzen bin Gorion oder den ganzen Bialik mit Haut und Haaren zu verschlingen und ihre unjüdischen Ideen als amtlich legitimiertes Judentum“ in sich aufzunehmen.“ Es ist wirklich einfach unfaßbar, was hier vor sich geht; ganz unfaßbar, daß ein gesetzestreuer Lehrer seinen Schülern Achtung vor nicht unbedingt gesetzestreuen Personen beibringen könnte. Mag das einzelne Buch, das empfohlen wurde, noch so gut und jüdisch und jugendgemäß sein; tut nichts, der Autor paßt den Herren aus Frankfurt nicht und darf darum weder gelesen noch geachtet werden. Mag der Verfasser selbst sein ganzes Leben in den Dienst des Judentums gestellt haben, mag er der größte hebräische Dichter der Gegenwart sein, tut nichts — er ist nicht orthodox und muß deshalb für die Jugend verboten werden. Der päpstliche Index verbietet ein bestimmtes Buch irgendeines Autors als gefährlich, andere Bücher des gleichen Autors werden von dem Verbot nicht berührt; der Frankfurter agudistische Index verbietet offenbar das ganze Lebenswerk all der Männer, die nicht gerade Agudisten strengster Observanz sind und er will nicht einmal solche Werke gelten lassen, die nach dem Urteil anderer orthodoxer Männer der Jugend sogar jüdische Werte zu vermitteln vermögen; kein Wunder, daß keine „geistige Bevormundung“ die Verbreitung und die Lektüre dieser Schriften hindern wird, kein Wunder auch, daß eine solche geistige Enge und Verknöcherung, die nur zu erklären ist durch innere Unsicherheit, den jungen Menschen selbst lächerlich erscheint und daß die Jugend, sobald sie einmal selbständig denken und handeln kann, ihre Erzieher anderswo zu suchen weiß. I. E. Reichskonferenz des Verbandes osljüdischer Organisationen Die am 13. und 14. Januar abgehaltene Konferenz des Verbandes der in Deutschland bestehenden ostjüdischen Organisationen war sehr stark besucht und bot ein Bild zunehmender politischer Reife und starken/' jüdischen Selbstbewußtseins der in Deutschland lebenden Ostjuden. Charakteristisch war, daß alle führenden jüdischen Organisationen in Deutschland, darunter auch solche, deren führende Mitglieder mit aller Kraft die Gleichberechtigung der Ostjuden in ihren Gemeinden bekämpfen, sich beeilten, die Konferenz der Ostjuden zu begrüßen und zum Ausdruck zu bringen, daß es für Juden in Deutschland keinen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden gebe. Das ist zweifellos als Fortschritt zu bezeichnen, denn in den ersten Nachkriegsjahren sah man vielfach auf deutsch-jüdischer Seite die Anwesenheit der neu hinzugezogenen ostjüdischen Elemente innerhalb der deutschen Reichsgrenzen nicht allzu gern. Noch heute muß man, z. B. angesichts der Vorgänge in den sächsischen Gemeinden, bezweifeln, ob die Gesinnung, die sich in den Begrüßungsansprachen ausdrückte, mehr als taktische Gelegenheitsphraseologie ist. Daß man aber allgemach einzusehen beginnt, welche Bedeutung die Ostjuden für die Gesamtheit der deutschen Judenheit besitzen, ist zwei Umständen zuzuschreiben: der Tatsache, daß sich die Ostjuden zu einer zentralen Organisation zusammengeschlossen haben und daß die Zionistische Organisation, was selbstverständlich ist, mit aller Energie für die Gleichberechtigung und Gleichgeltung der ostjüdischen Elemente im jüdischen Leben Deutschlands gekämpft hat. Die Hauptbedeutung des Verbandes der ostjüdischen Organisationen liegt in dem von ihm vertretenen Prinzip der Selbsthilfe. Ostjudentum an und für sich ist ja kein Programm und kann auch keines sein. Programm jedes Ostjuden und jedes bewußten Juden überhaupt ist ein selbstbewußtes volksbejahendes Judentum. Die Ostjuden sind ihrer Erziehung nach Juden, denen bewußtes Judentum naturgemäß und selbstverständlich ist. Darum ist ihr Platz an der Seite der nationalen Richtungen im deutschen Judentum, der Zionistischen Organisation und der Jüdischen Volkspartei. Die Ostjuden sollten in ihrer Organisation in stärkster Weise alle diejenigen Forderungen vertreten, die im Interesse der Stärkung und Erhaltung ihres bewußten Judentums liegen. Die Durchführung dieser Forderungen aber ist Aufgabe der jüdischen Gemeinden in Deutschland, in denen die Ostjuden ein integraler und wertvoller Teil sind. Es wäre eine Ungerechtigkeit, wenn die Ostjuden, welche Gemeindesteuern entrichten, noch besondere Abga- I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRÄNZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, KostUmstickereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22976

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