Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Das Jüdische Echo Nr. 3 Kolonisten, die mein* nach einer bescheidenen, gesicherten Existenz strebten. Diese Vermischung verschiedener Motive macht sich in der Erscheinung von Ein Ganim geltend, in dem die Orangengärlen überwiegen, aber daneben auch Raum für etwas Gemüsezucht und Hühnerzucht sowie Milchwirtschaft bleibt, wofür einer Anzahl von Siedlern der Keren Hajessod die Mittel zur Verfügung gestellt hat. Kommt man ein paar Minuten hinter Ein Ganim — zu der Siedlung Machneh Jehudah, so erschließt sieh dem Wanderer wieder eine andere Phase der Palästinakolonisation. Machneh Jehudah, die vom Keren Hajessod angelegte Jemenilensiedlung, ist ein charakteristischer Versuch der Zionistischen Organisation, auch die orientalischen Juden an den palästinensischen Roden zu fesseln. Es ist schwer, die Anziehungskraft zu analysieren, die Palästina auf die Juden des Orients ausübt. Neben der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen als in ihrem Heimallande (die sich oft auf übertriebene und falsche Gerüchte stützt) und neben dem Willen, nationalen und religiösen Verfolgungen zu entgehen, lebt in ihnen irgendein mystisches Vertrauen auf ein spirituelles Glück in Erez Israel. In diesen Hoffnungen werden Tausende enttäuscht, die in Palästina keine Möglichkeit zur Erhebung aus einer kümmerlichen Kleinhändler- und Bettlerexistenz finden. Der zähe, an Arbeit gewohnte Jemenite fand leichter als andere Orientalen den Weg zum Erwerb, denn die der jüdischen Arbeit im allgemeinen abgeneigten Kolonisten gewöhnten sich schnell an die jemenitischen Arbeiter, die ebenso geschickt und anspruchslos sind wie die Araber. Die kleinen Häuser und Gemüsegärten, in denen die schwarzbraunen, grell gekleideten Jemenitenfrauen arbeiten, während die Männer in den Pflanzungen von Petach Tikwah tätig sind, bringen einen ganz neuen Zug in das wechselnde Gesicht palästinensischer Siedlungen. Ein Weg von einigen weiteren Minuten bringt uns wiederum in eine Siedlung ganz anderen Charakters. Auf dem Hügel, hinausblickend über das sorgfältig bestellte weite Land, liegt Giwalh Haschloschah, eine reine Arbeitersiedlung des Keren Hajessod. Zwei regelmäßige Reihen von Holzhäusern beherbergen drei Kibbuzim, deren Mitglieder teils als Lohnarbeiter — zum Teil in qualifizierter Facharbeit — in Petach Tikwah tätig sind, teils in ihrem großen Kuhslall und auf den Feldern die Produkte ziehen, die sie selbst brauchen und auf den Markt der Kolonie bringen. Es ist eine jener typischen Arbeiterkolonien, in denen gar kein Gedanke an andere als reine jüdische, von den Genossen selbst besorgte Arbeit aufkommen kann und in denen die Landarbeit nicht ein Mittel zum Reichwerden ist und auch nicht nur ein Mittel zur Erschließung des Landes, sondern in erster Linie das Mittel zur Erlösung des Volkes von bürgerlichem Egoismus und sozialer Ungerechtigkeit. Das Bewußtsein dieses opfervollen Dienstes am Volke läßt die Arbeiter des noch armen Giwat Haschloschah mit Überlegenheit auf das reiche Petach Tikwah herabblicken, das — im Banne der goldenen Orange — die jüdischen Arbeiter um ihrer höheren Lohnansprüche und stolzen Psychologie willen fernzuhalten sucht und sie alljährlich zur Erntezeit durch ein Heer billiger arabischer Arbeitskräfte ersetzt. Kommt man mitten aus dem unerfreulichen Kampfe, der in Petach Tikwah zwischen den arbeilgebenden Kolonisten und den arbeitnehmenden Tagelöhnern wogt, auf die freie Höhe von Giwat Haschloschah herauf, so versteht man, daß in der Schaffung solcher Arbeitersiedlungen durch rein jüdische Arbeit, durch die der Gegensatz von Herr und Knecht aus der Welt geschafft ist, die vornehmste, am unmittelbarsten dem Aufbau des Landes und Volkes dienende Aufgabe des Keren Hajessod liegt. Gemeinden-u. Vereins-Echo Vorläufiges Ergebnis der Schuleinschreibung. Bis zum Mittwoch nachmittag wurden für die I. Klasse 34 Schüler eingeschrieben; insgesamt zählt die Israelitische Volksschule nunmehr 132 Schüler. Dabei sind Anmeldungen, die direkt bei der Schulbehörde erfolgt sein können, nicht berücksichtigt; unter Umständen kann sich also die angegebene Zahl noch erhöhen. Das Palästina-Amt München teilt uns mit, daß diese Wochen zwei Gruppen von insgesamt 27 Chaluzim auf der Durchreise nach Palästina München passierten. Besonderer Dank gebührt einer Anzahl von Angehörigen V. J. St. „Jordania“ für die Mithilfe bei der Betreuung des Transports. Hebräischer Theater-Abend. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Samstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Steinickesaal ein sehr interessanter hebräischer Theater-Abend stattfindet. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten zu RM. 3.30, 2.20, 1.60, 1.10 im Vorverkauf bei Ewer- Buchhandlung, Ottostraße 2, Telephon 52 4 07; D. Goldberg, Schwanthalerstr. 24, Telephon 5 96 7 19; A. Gidalewitsch, Müllerstraße 42, Telephon 22 9 74; S. Orljansky, Neuhauser Straße 29, Telephon 90 5 61; Zionistische Ortsgruppe, Herzog-Rudolf- Straße 1, Telephon 2 97 4 49. Kategoriekarten zu RM. —'.60 nur an der Abendkasse. Bar-Kochba, Sportabteilung. Nach einer längeren spielfreien Pause beginnen wieder harte Kämpfe. Wir haben unsere 1. Mannschaft zur Teilnahme an den Spielen um den Süddeutschen Handballpokal gemeldet, welche an unsere Spieler die größten Anforderungen stellen. Um nicht gegen spielstarke Gegner untrainiert antreten zu müssen, findet morgen vormittags 10 Uhr auf dem Sportplatz an der Säbener Straße ein Trainingsspiel von zwei Mannschaften statt, an dem alle Aufgestellten teilnehmen müssen. Die Spieler haben sowohl ihren blauen, als auch weißen Dreß mitzubringen. Tbr. Leo Fleischer, der bis anfangs Februar von hier abwesend sein wird, wird durch Oskar Gröbl, Rothmundstraße 8, vertreten. Die Leitung. Das Karnevalereignis für alle Bar-Kochbaner und deren Familienangehörigen sowie für die Münchener Juden wird der diesjährige Maskenball des jüdischen Turn- und Sportvereins Bar-Kochba. In früheren Jahren ist der Bar-Kochba mit dem Motto: „Jahrmarkt in Tel-Awiw“ an die Öffentlichkeit getreten Beleuchtungskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) Vornehme