Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 41 nächst wandte sich die Mehrheit der Sektion antisemitischen Tendenzen zu, indem auf Veranlassung Hauptners ein „Numerus clausus“ für neue jüdische Mitglieder eingeführt wurde. Die Begründung eines neuen unpolitischen Vereins, des „Deutschen Alpen-Vereins Berlin E. V.“, war die Folge dieses unduldsamen Verhaltens, und weiterhin fand der Ausschluß von 12 hochangesehenen Mitgliedern statt, die sich erlaubt hatten, dem neuen Verein beizutreten. Sieben der gemaßregelten Heren appellierten an das Gericht und siegten in erster Instanz. Vor dem Kammergericht bekamen überraschenderweise Hauptner und Genossen Recht; und jetzt schwebt die Sache vor dem Reichsgericht. Jetzt erklären Herr Hauptner und sein Vorstand in dem offiziellen Organ der Sektion, daß wegen „Unbotmäßigkeit“ abermals 12 Herren ausgeschlossen werden sollen. Die Zuschrift schließt: „Das Ansehen des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins hat bisher nur eines seiner Mitglieder geschädigt und daß ist der Vorsitzende, Kommerzienrat Dr. Hauptner, selbst. Der getaufte Jude als Judenhetzer — Dienstentlassung des Breslauer Landgerichtsrats Gellin Berlin, 10. Januar. (JTA.) Vor dem Großen Disziplinarsenat des Kammergerichts, der sich aus vierzehn Richtern zusammensetzt, fand gestern unter dem Vorsitz des Kammergerichtspräsidenten Dr. Tigges die Berufungsverhandlung in dem Disziplinarverfahren gegen den Breslauer Landgerichtsrat Gellin statt. Gellin war wegen eines öffentlichen Skandals, den er in einem Breslauer Weinlokal herbeigeführt hatte, vor dem Disziplinargericht der ersten Instanz zur Versetzung in ein anderes Richteramt und zu einer Geldbuße von RM. 300.— verurteilt worden. Sowohl er wie die Staatsanwaltschaft hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Rhode (Berlin) hob hervor, daß, abgesehen von dem Ernste und der Schwere des Falles, festgestellt werden müßte, daß hier ein Mann, der selbst aus jüdischem Hause stamme, einen Christen dadurch zu beschimpfen gesucht habe, daß er ihn einen Juden nannte. Er müsse über den Antrag des Anklagevertreters der ersten Instanz hinausgehen und beantragen, die Amtsentlassung auszusprechen. Nach kurzer Beratung erkannte der Senat gegen den Angeklagten, Landgerichtsrat Gellin, auf Dienstentlassung unter Zubilligung von drei Vierteln seiner gesetzlichen Pensionsansprüche. In der Begründung des Urteils führte Kammergerichtspräsident Tigges aus, daß in beiden Fällen schwere Dienstvergehen des Angeklagten Vorlagen. Wohin er auch immer versetzt werden würde, es besteht die Gefahr, daß er sich wieder in ähnlicher Weise vergehe, und es könne deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens sowie auch anderen Bürgern nicht zugemutet werden, vor einem solchen Richter zu erscheinen. Sitzung des JCA-Rates in Paris Paris, 9. Januar. (JTA.) Der Conseil der Jewish Colonisation Association trat in diesen Tagen zu einer Sitzung zusammen. Den Vorsitz I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostümstlckereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 Lehrkurse «lei*Israelitischen Kiiltusgemeimle München o Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1 Rgb. Mittwoch, den 30. Januar 1929 2015 Uhr Dr. Willy Meyer, Nürnberg; Spinoza 4. Abend : Die menschlichen Leidenschaften und Gefühle hei Spinoza Eintritt frei führte Herr Franz Philippson (Brüssel). Die Sitzung befaßte sich im wesentlichen mit der Festsetzung der Budgets der verschiedenen kolonisatorischen Unternehmungen der JCA in Südamerika und Europa. Für das kommende Jahr wurde zum Präsidenten der Jewish Colonisation Association Herr Franz Philippson (Brüssel) wiedergewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Herr Leonard Cohen (London) und an Stelle des verstorbenen Direktors Armand Schmoll Herr Dr. Mirkin, eine mehrere Jahre in der Siedlungsarbeit, zuletzt besonders im russischen Siedlungswerk tätig gewesene Persönlichkeit, zum Direktor der JCA gewählt. Die Konferenz des internationalen Studentendienstes zur Bekämpfung des Universitäts- Antisemitismus Paris, 1. Januar. (JTA.) Die vom Internationalen Studentendienst einberufene Konferenz von nichtjüdischen und jüdischen Studenten zur Beratung der Probleme des Kampfes gegen den Antisemitismus an den Universitäten der verschiedenen Länder ist am 9. Januar in Bierville in der Nähe von Paris zusammengetreten. Unter den 48 Delegierten der Konferenz sind 25 Nichtjuden und 23 Juden. Die Verhandlungen werden von Mc. Ken (England) geleitet. Die Konferenz befaßte sich mit allen Erscheinungen des Antisemitismus an den Universitäten und mit Maßnahmen zu deren Abwehr. Einen besonderen Raum in der Aussprache nahm die Frage der Bekämpfung des Numerus clausus ein. Ein Beschluß hierüber wurde nicht gefaßt im Hinblick darauf, daß die Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit beim Völkerbund, die im April 1929 in Genf tagen wird, sich mit der Frage des Numerus clausus befassen wird. Ein Agency-Beschluß der Exekutive der amerinischen Zionisten — Für Lipsky Neuyork, 10. Januar. (JTA.) Das Exekutiv- Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas hat einstimmig eine Resolution gefaßt, in der die volle Übereinstimmung mit dem vom Aktions- Komitee gefaßten, die Erweiterung der Jewish Agency betreffenden Beschlüssen zum Ausdruck gebracht wird. In einer zweiten Resolution wird an die zionistische Opposition in Amerika die dringende Auf-