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Das jüdische Echo · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 Das Jüdische Echo Nr. 3 unterweisen lassen wollen, sieht dem nichts im Wege. Smidowitsch versicherte Dr. Freund, daß die Moskauer Synagoge den Juden nicht genommen werde. Herr Mereschin, Vizepräsident des Komzet, der seihst Jude ist, bestätigt in allen Punkten die von Smidowitsch erteilte Auskunft. Den offenbaren Widerspruch zwischen den Antworten der Regierungsstellen und den Antworten, die man von den Leuten erhält, erklärt Dr. Freund damit, daß neben der Regierung noch eine zweite Instanz existiert: die kommunistische Partei. Innerhalb dieser Partei gibt es eine jüdische Sektion, die sogenannte Jewsekzia, die hetzt und treibt. Es unterliegt nach ihm gar keinem Zweifel, daß die verantwortlichen russischen Regierungsstellen es ernst meinen mit der Nichteinmischung in die religiösen Angelegenheiten als Konsequenz des Grundsatzes der Trennung von Staat und Kirche, aber die jüdischen Kommunisten fühlen sich als Gralshüter der kommunistischen Ideologie. Auch hier sind es nicht die eigentlichen Führer, sondern die Götter minderen Ranges, die sich hervortun möchten. Eine Atmosphäre der Verängstigung ist geschaffen. Man hält viele Dinge für verboten, die tatsächlich gar nicht verboten sind. Wenn die Entwicklung, wie sie im Flusse ist; sich hemmungslos weiter vollzieht, dann ist, wenn das alte Geschlecht gegangen, in zehn oder zwanzig Jahren das russische Judentum als religiöser Begriff gewesen. Die Gesundung muß von innen herauskommen, von den Juden selbst. Man braucht an der Zukunft nicht zu verzweifeln. Dazu berechtigt das Vertrauen auf den Wirklichkeilssinn der russischen Regierung. Es ist aber notwendig, daß dem Judentum der ganzen Welt die Bedeutung des russischen Judenproblems aufgeht. Diese Interessiertheit der ganzen Welt an ihrem Schicksal wird auch den religiösen Elementen im russischen Judentum das Rückgrat stärken und damit die Keimzelle schaffen für den Wiederaufbau auch des religiösen Lebens. Nachkriegsentwicklungen Im Judentum Die zionistische Ortsgruppe und der Gesamtausschuß der Ost juden veranstalteten am 9. Januar 1929 einen Vortragsabend, an dem Herr Moses Waldmann über das Thema „Gesamtjüdische Aufgaben, Rückblick auf die Nachkriegszeit“ referierte. Herr Waldmann führte aus, daß der Weltkrieg als das größte Ereignis unserer Zeit in einem Punkt eine riesige Bedeutung für die Situation des Judentums gewonnen habe. Er habe das Nationalitätenproblem, wenn auch nicht praktisch, so doch theoretisch vollkommen gelöst. Die Juden seien als gleichberechtigte Nation in den Kreis der Völker auf genommen worden. Wie im Jahre 1848 die individuelle Gleichberechtigung, so habe man ihnen 1918 die nationale Gleichberechtigung, die nationalen Minderheitenrechte zugebilligt; Akte von großer Tragweite, wenn die Rechte auch nur auf dem Papier stünden. Und darüber noch hinausgehend habe das Judentum in der Balfourdeklaration sozusagen eine Adresse bekommen, die Welt wisse nun offiziell wieder, wo es zu Hause sei. So könne man wohl die Behauptung wagen, daß die Juden in gewisser Beziehung den Weltkrieg als Kriegsgewinnler verlassen haben, denn zum erstenmal sind die Juden in der ganzen Well im Besitz der bürgerlichen Gleichberechtigung und sind sie als Nation offiziell anerkannt. Das Fazit der letzten Jahre zeigt noch eine erfreuliche Tatsache auf: Das Gefühl der Verbundenheit des Weltjudentums hat sich in allen Ländern in hohem Maße gesteigert. Das Judentum hört nicht mehr an der Landesgrenze auf. Erstaunlich sind besonders die Anstrengungen auf dem Gebiete der jüdischen Welthilfe. In den letzten zehn Jahren hat die Weltjudenheil für jüdische Zwecke drei Milliarden Mark aufgebracht, vornehmlich für Verwandtenunterstützung und die Zwecke des Joint. Die Organisation des Judentums im Dienste des Gesamtjudentums hat allenthalben große Fortschritte gemacht. Alle diese Tatsachen sind sicher sehr erfreulich und durchaus positiv zu werten, untersucht man aber den Effekt all dieser unglaublichen Mühen und Opfer, so muß man leider feststellen, daß der Erfolg in gar keinem Verhältnis zu den aufgewandlen Mitteln steht. Es ist so gut wie gar nichts erreicht worden. In Litauen sind die nationalen Rechte, die die Juden erlangt hatten, wieder verlorengegangen, in Polen ebenso, trotz der Verbriefung durch den Völkerbund. Die materielle Not im Osten dauert an und vergrößert sich zusehends, die Unterstützungen sind durch ein Steuersystem, das Juden besonders stark belastet, verzehrt worden. Die faktische Assimilation schreitet überall unaufhaltsam fort. Gegen sie hilft kein Emigdirekl und kein Landesverband. Gewiß sind alle diese Gegenwartsaufgaben .dringlich, sie müssen getan werden, aber man muß sich auch über ihre Grenzen klar sein. Überall wird hier „Iv riegswirtsc h a f t“ getrieben, die mit größten Kosten nur den kleinsten Effekt hervorbringt. Von allen gesamtjüdischen Aufgaben ist nur eine nicht mit diesem unbefriedigenden Resultat durchgeführt worden und das ist der Palästinaaufbau. Palästina verschafft uns heute die Weltgeltung, die die Assimilanten auf ihrem Wege nicht erreichen konnten. Gegenüber der Tatsache eines Pro-Palästina-Komitees, dem nichtjüdische Staatsmänner angehören, verliert jede assimilatorische Bestrebung, die darauf gerichtet ist, möglichst kein Aufsehen zu erregen, ihren Sinn. Auch das allgemein-jüdische Bewußtsein hat Palästina als Tatsache in sich aufgenommen. Das Gesamtjudentum fühlt sich verantwortlich für Palästina, schon allein darum, weil der Bankerott der nationalen Heimstätte nicht nur die Zionisten belasten würde, sondern jeden Juden als einzelnen. Der Palästinaaufbau ist zu einer Angelegenheit geworden, die über den jüdischen Parteien steht. Er ist wieder zu einem Volksaxiom geworden. Die Tragik des Juden, ein Doppelleben in einer jüdischen und in einer nichtjüdischen Welt zu leben, verbunden mit der Tatsache unaufhaltbaren Substanzverlusles, existiert nur in Palästina nicht, denn dort lebt man nur in einer jüdischen Welt. Darum ist heute Palästina niemandem mehr gleichgültig, nicht uns und nicht unseren Gegnern. Und weil Palästina aus einer "zionistischen zu einer gesamt jüdischen Aufgabe geworden ist, ist es an der Zeit, den Gedanken der PACKARD 6 und 8 Zylinder in Linie wesentlich niedrigere Preise bei gleicher Qualitäts-Berühmtheit Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum

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