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Das jüdische Echo · 1929-01-11 · 2 (11.1.1929) · p. Seite 29

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
2 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
Seite 29 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 29 des Messers greift, klammerten sich die Juden noch an den Faden eines Vielleicht, vielleicht. Und beim alten Row im Hause heckte man dies aus: Reb Elia, der Schammes, das stumme Lamm, Reb Elia, der immer stumm war wie ein Fisch — bei diesem Schatten entzündete sich das Blut in den Adern, das Gesicht übergoß sich mit wilder Wut und in furchtbarem Gebrüll stieß er hervor: „Den Beth-Hamidrasch verbrennen!“ „Anzünden! Soll er lieber verbrennen als in ihre Hände fallen“, fingen die Juden diesen bösen Gedanken auf. Auf einmal ging ihnen der Atem aus, man erschrak vor der entsetzlichen Absicht. Es wurde still, aller Blicke waren zum alten Row gewendet. Was wird der alte Rabbi sagen? Der Rabbi schwieg. Da wollte man aus seinen Augen die Antwort lesen. Aber des Rabbis Gesicht war mit sieben Siegeln versiegelt. Ohne Leben, ohne Bewegung, erstarrt waren des Rabbis Augen. Eine Träne nur auf des Rabbis Gesicht verriet, daß er Anteil nehme. Man sprach nicht mehr. Gesondert, einer nach dem anderen, stahlen sie sich wie Schuldige, Sündige aus des Rabbis Zimmer hinaus. Draußen war es herbstlich. Lose Fetzen von Finsternis flatterten durch das Städtchen, hüllten es in Trauer, verwitwete Gäßchen wateten im Kot, klagten jämmerlich und still, und stießen vor Verzweiflung zusammen, verwaiste Häuschen rückten schutzsuchend näher aneinander, wie ein Greis, von Alter und Schwachheit geduckt, stand der alte Beth-Hamidrasch, wie ein treuer Großvater seine Hände hinausstreckend, bereit, alles Böse und Schlechte abzuwehren. Plötzlich fuchtelte eine blutrote Hand durch die Luft und eine rote Wunde wölbte sich über dem Städtchen, immer offener vom Winde getragen, immer beiter und tiefer geöffnet. „Der Beth-Hamidrasch brennt!“ „Der Beth-Hamidrasch brennt“, liefen durch das Städtchen wilde irre Stimmen. Blutrote Feuersäulen verknäulten sich über dem Beth-Hamidrasch. Wie eine erschrockene Vogelschar lief das ganze Städtchen über Feld und Gaß. Väter suchten in Todesangst ihre Kinder, kleine Würmer: alles bebte und zitterte, wie eine erschrockene Schafherde flüchtend Rettung sucht. Nur der alte Rabbi verlor seine Haltung nicht. „Um Himmels willen, um Himmels willen, die Thorarollen, die Thorarollen kommen um!“ Reb Elia, der Schammes, stürzte sich in die Feuerwolken. Am nächsten Morgen haben Juden Reb Elia und die umgekommenen Thorarollen zur ewigen Ruhe geleitet. Personalia Antiquar Ludwig Rosenthal Am 23. Dezember verstarb in München im hohen Alter von fast 89 Jahren Herr Antiquar Ludwig Rosenthal, der Gründer des weltbekannten Antiquariats Ludwig Rosenthals Antiquariat, München, Hildegardstraße 14. Geboren am 2. Juli 1840 in Fellheim in Bayern trat er im Mai 1855 bei Isaak Heß in Ellwangen in die Lehre, wo er durch unablässiges Selbststudium alles das nachholte, was ihm zu erwerben infolge der beschränkten Mittel seines Vaters in seiner frühesten Jugend nicht möglich war. So gelang es ihm, sich neben den Kenntnissen der fremden Sprachen ein umfangreiches Rüstzeug für den Buchhändler und Antiquar zu erwerben. Bereits im Jahre 1859 gründete er in Fellheim die Firma Ludwig Rosenthals Antiquariat, die er im Jahre 1860 nach München verlegte. Durch Ludwig Rosenthal 'trat München mit Leipzig, Berlin, Frankfurt in gleiche Linie, im Hinblick auf Inkunabeln und Handschriften übernahm es sogar die führende Rolle in Deutschland. Die Wissenschaft verdankt dem Rosenthalschen Antiquariat viele Entdeckungen alter Werke von unschätzbarem Werte. Geschäftliches Neues über Visaerteilung nach Amerika Nach amtlichen Mitteilungen, die der Norddeutsche Lloyd Bremen soeben erhalten hat, nehmen die amerikanischen Konsulate von Donnerstag, den 17. Januar, ab Anmeldungen zur Erlangung der Einwanderungs-Erlaubnis wieder an. Wie von den amerikanischen Behörden seit längerer Zeit vorgesehen ist, werden neue Antragsformulare verwendet. Diese Formulare sind kostenlos von dem Norddeutschen Lloyd, Vertretung, München, Brienner Straße 5 (am Wittelsbacherplatz), erhältlich. Dieses Büro ist bereit, auch denen kostenlos Auskunft zu erteilen, die ein bevorzugtes Visum erhalten können. Ebenso sind von den örtlichen Vertretern des Norddeutschen Lloyd Auskünfte und Formulare kostenlos erhältlich. Gemeinden-u. Vereins-Echo Zur Sehuleinseiireibung Wie auch an anderer Stelle dieser Nummer bekanntgegeben wird, findet wie überhaupt in München die Schuleinschreibung an der Israelitischen Volksschule bereits am Mittwoch, dem 16. Januar 1929, vormittags von 8 bis 12 Uhr, in den Schulräumen Herzog-Rudolf- Straße 5, statt. Es ist wohl unnötig, bei dieser Gelegenheit das Problem der jüdischen Schule prinzipiell zu behandeln: die meisten jüdischen Eltern, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind, wissen heute, daß nur die jüdische Schule die jüdische Erziehung garantiert und daß nur sie imstande ist, den Kindern in ihren frühen Lebensjahren Erbitterung und schwere Erlebnisse zu ersparen. 'Wohl aber sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Israelitische Volksschule, die die vier untersten Volksschulklassen umfaßt und für die nunmehr ein weiterer staatlich geprüfter Lehrer, Herr Abraham Berlinger, angestellt werden konnte, allen modernen Anforderungen genügt und daß nach Fertigstellung des Neubaus jede Klasse einen freundlichen und weitestgehenden hygienischen Grundsätzen entsprechenden Schulsaal besitzt. I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostllmstlckerelen Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975

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