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Das jüdische Echo · 1929-01-11 · 2 (11.1.1929) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
2 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
Seite 30 (sequence 14)
Language
German
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30 Das Jüdische Echo Nr. 2 Theaterabend des Jüdischen Kulturvereins J. L. Perez am 6. Januar 1929 Im Blütensaal gab der Kulturverein J. L. Perez einen Theaterabend. Um es gleich vorwegzunehmen, es war ein voller Erfolg, und das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet bis nach Mitternacht. Den Hauptteil des Abends nahm die Aufführung eines Schauspiels von Scholem Asch ein: „Die Jorschim“. Jorschim, das sind die Erben, die das geistige Erbgut der Väter vergessen haben und nun hilflos jedem Anstoß von außen preisgegeben sind. Der Großvater sitzt in seiner Dachkammer und lernt. Die Kinder wachsen in christlicher Umgebung auf, wissen weder von ihrer Religion noch von einer anderen. Zwischen Großvater und Kind laviert in kompromißhaftem Dasein der Vater. Die Tochter, mit einem christlichen Grafen verlobt, hält mit jedem, der ihr in den Weg kommt, lange und nicht immer interessante Dialoge über ihre Liebe und über ihre und die christliche Religion. Als ihr eines Tages die Schwester des Grafen klar macht, daß die gräfliche Familie zwar nicht sie selbst, aber ihre Verwandtschaft ihrer jüdischen Religion wegen für unmöglich hält, kommt es zur Katastrophe. Justina, die Tochter, fängt an sich zu besinnen und — will ins Kloster gehen. Da erscheint der Großvater. Es gelingt ihm, das Mädchen von seinem Vorhaben abzubringen. Justina geht mit ihm, um endlich die jüdische Religion kennenzulernen. Der Inhalt des Stückes ist oft unwahrscheinlich und banal. Um so mehr muß das wirklich gute Niveau der Darstellung (Max Fischer von den Kammerspielen zeichnete verantwortlich für die Regie) hervorgehoben werden. Die eindrucksvollsten Gestalten waren unstreitig die Justina des Fräulein M. Sufrin und der von Herrn S. Stechler überzeugend gespielte Großvater. Ein besonderes Lob verdienen die geschmackvollen Dekorationen, die Herr Tobiasch geschaffen hatte. Der wohlverdiente Applaus steigerte sich von Akt zu Akt, so daß am Schluß der Vorhang sich oft heben mußte. Der zweite Teil des Abends brachte Musikvorträge und Rezitationen. Max Fischer zeigte sich in einigen Gedichten, darunter solchen von S. Taubes und J. Löwy, als ausgezeichneter Rezitator. Den Höhepunkt des Abends aber bildete eine von Max Fischer gelesene Erzählung von Scholem Alechem: „Der Daitsch“. Hier schien der Vortragende ganz in seinem Element und riß das Publikum zu ganz ungewöhnlichen Beifallskundgebungen hin. Eine besondere Überraschung waren die im Stil des „Blauen Vogels“ inszenierten jiddischen Volkslieder, von denen wir hoffentlich bald noch mehrere zu sehen und hören bekommen werden. Theaterstück und Rezitationen waren umrahmt von Musikstücken, die vom Jüdischen Kammerorchester unter Leitung von Heinrich Lamm mit gewohntem Schwung und Können vorgetragen wurden. Doch wäre gerade hier der Ort gewesen, vor allem typisch jüdische Musik zu bringen. In dieser Hinsicht wirkte vor allem das Haydn-Quartett deplaciert. Der verdiente Erfolg des Abends mag dem Perez-Verein eine Aufforderung bedeuten, mit seinen Darbietungen öfters an die Öffentlichkeit zu treten. Ignaz Gidalewitsch. Wochenprogramm des VJSt. „Jordania“ vom 14. bis 21. Januar 1929 Montag: 7.15, Fuxenkurs, off. Dienstag: 7.30, Turnen, off. Mittwoch: Gemeinsames Mittagessen. 8 Uhr c. t. Allgemeiner Kurs, off. Freitag: Inoff. Beisammensein. Bar-Kochba, München. Unser Schauturn e n wurde nun endgültig auf Sonntag, 24. März, angesetzt. Alle Damen und Herren werden trotz des Faschings an allen Übungsabenden erwartet. Die Vorstandschaft. Bar-Kochba, München. Am Sonntag, 3. Februar, findet in den Räumen des Hotels „Bayerischer Hof“ nachmittags ein Kinderkostümfest statt, anschließend ein großer Maskenball. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Beide Veranstaltungen dürften die in den vorigen Jahren bestbekannten Faschingsfeste noch übertreffen. Bar-Kochba, Sportabteilung. Morgen vormittag Handballtraining. Die zum Trainingspiel Aufgestellten treffen sich vormittags 10 Uhr auf dem Sportplatz an der Säbener Straße. Erscheinen ist Pflicht. Die Leitung. Hebräischer Theater-Abend. Es wird heute schon darauf aufmerksam gemacht, daß Samstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Steinickesaal ein sehr interessanter hebräischer Theater- Abend stattfindet. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten zu RM. 3.30, 2.20, 1.60, 1.10 im Vorverkauf bei Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2, Telephon 52 4 07; D. Goldberg, Schwanthalerstraße 24, Telephon 5 96 7 19; A. Gidalewitsch, Müllerstraße 42, Telephon 22 9 74; S. Orljansky, Neuhauser Straße 29. Telephon 90 5 61; Zionistische Ortsgruppe, Herzog-Rudolf-Straße 1, Telephon 2 97 4 49. Kategoriekarten zu RM. —.60 nur an der Abendkasse. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez München. Samstag, den' 12. Januar, fällt unser Vereinsabend wegen des Wohltätigkeitsfestes des Jüdischen Frauenvereins aus. Samstag, den 19. Januar, abends 8.45 Uhr, spricht Herr A. Stern über „Israel unter seinen Königen“ II. Teil, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf- Straße 1. Die Vorstandschaft. Jüdischer Gesangverein München. Der Verein hielt am 5. Januar seine Generalversammlung ab. Die Vorsitzende, Frau Justizrat Dr. Dreyfuß, referierte über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres: Purimfeier, Schubertkonzert, Sommerfest, Simchasthorafeier, Konzert mit Alter, Feiern in der Synagoge; der Chor fand immer Anerkennung. Herr Justizrat Dr. Fränkel gedachte des verstorbenen Dr. Dreyfuß. Die Kasse wurde in Ordnung befunden. Der Dirigent, Herr Kapellmeister Josef Ziegler, entwarf sein Programm für 1929; er will einen Knabenchor gründen, eine Purimfeier veranstalten, zwei Konzerte abhalten. In der Diskussion kam der Wunsch zum Ausdruck, daß die Münchener Judenheit sich mehr an dem Verein beteilige als aktive und passive Mitglieder; es zeigte sich erfreulicherweise, daß der Stamm seit Gründung dem Verein treu bleibt.

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