Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das Jüdische Echo Nr. 2 der zionistische Aufbau Palästinas sozialistisch sein? Der Referent setzte sich in seinen Ausführungen eingehend mit den Problemen der Verwirklichung sozialistischen Lebens auseinander und analysierte das neue Gebilde der palästinensischen Arbeiterschaft und stellte die Forderung des sozialistischen Aufbaus im Land als den Hauptpfeiler der zionistischen Verwirklichung im Rahmen der historischen Gegebenheiten der Gegenwart dar. Als letzter sprach am Eröffnungsabend Josef B a r a z-D a g a n i a h (Palästina) über Probleme der Kwuzah, der Gemeinschaftssiedlung der palästinensischen Arbeiterschaft. Die zweite Sitzung der Konferenz, am Sonntag vormittag, fand unter Leitung von Arnold Zweig (Berlin) statt. Als erster Redner stellte Fritz Naphtali (Berlin) die sozialistische Wirtschaftspolitik in Palästina dar und setzte sich unter dem Gesichtspunkt der tatsächlichen Verwirklichung mit den einzelnen Schritten des konstruktiven Arbeiterwerkes in Palästina auseinander. Hierauf sprach David Remes (Palästina) über den Stand der kolonisatorischen Tätigkeit der Arbeiterschaft in Palästina. Er wies insbesondere die Angriffe zurück, die von seiten der nichtsozialistischen Kreise im Zionismus gegen das Arbeiterwerk erhoben werden. In der Diskussion sprachen Repräsentanten der verschiedensten Richtungen in der Konferenz, die von ihrem Gesichtspunkt aus das Werk der palästinensischen Arbeiterschaft würdigten und ihm ihre Bereitschaft zur Mitwirkung an der zu schaffenden Liga für das arbeitende Palästina aussprachen. Nachdem die Gründung der Liga proklamiert wurde, verlas der Vorsitzende folgende Resolution, die von der Konferenz einstimmig angenommen wurde: Die am 30. Dezember 1928 in Berlin tagende, aus allen Kreisen Deutschlands beschickte Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina begrüßt den Ruf der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zur Sammlung aller jüdischen Kräfte in der Welt, die das Werk des Aufbaus in Palästina in sozialistischem Geiste zu fördern gewillt sind. Der Aufbau in Palästina ist nicht nur eine allgemeine jüdische Aufgabe, sondern auch eine Aufgabe von allgemein sozialistischer Bedeutung. Es gilt hier produktive Kräfte zu entfalten in neuen sozialen Formen, es gilt das Beispiel einer nationalen kolonisatorischen Arbeit zu geben, die sich frei hält von der Ausbeutung und Unterdrückung der Bevölkerung anderer Nationalität, es gilt innerhalb der neuen jüdischen Heimstätte die Kräfte der Arbeiterschaft gegenüber anders gerichteten sozialen Kräften zu unterstützen. Die Konferenz, überzeugt von der notwendigen Verbindung der nationalen und der sozialen Erneuerung im Palästinawerk erklärt ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Werk der Vorkämpfer in Palästina. Sie will zu diesem Zweck die Vorbereitungen für eine Weltkonferenz der Freunde des arbeitenden Palästina fördern und zunächst die Gleichgesinnten organisieren. Solidarität mit der palästinensischen Arbeiterschaft will die Konferenz bekunden, innere Anteilnahme an der Aufbauarbeit in Palästina in sozialistischem Geiste will sie in möglichst weiten Kreisen erwecken. Für die künftige Arbeit der Liga in Deutschland wurden zwei Körperschaften gebildet, ein engerer Arbeitsausschuß aus 7 Berliner Mitgliedern und ein größeres Präsidium, dem führende Männer der sozialistischen und zionistisch-sozialistischen Vereinigungen Deutschlands angehören. Das Schlußwort der Konferenz hielt Dr. Martin B u b e r; er faßte die Ergebnisse der Konferenz zusammen, die in der Stunde der Bildung der Jewish Agency für Palästina stattfindet und eine historische Aufgabe für die in ihren Reihen zusammengefaßten Kräfte übernimmt. Er setzte sich mit verschiedenen der Diskussionsredner auseinander und schloß mit dem Appell an die Aktivität eines jeden einzelnen Konferenzteilnehmers für die künftige Arbeit. Die Konferenz für das arbeitende Palästina in Berlin bedeutet einen lebendigen, vom Interesse weiter Kreise getragenen Auftakt an der Vorbereitungsarbeit zur Weltkonferenz für das arbeitende Palästina und einen hoffnungsvollen Anfang einer dauernden Arbeit in Deutschland seitens weiter jüdisch-sozialistischer Kreise für das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Zur Reichskonferenz der Ostjuden Am 13. und 14. Januar findet in Berlin die 4. Reichskonferenz des Verbandes Ostjüdischer Organisationen in Deutschland statt. Wir haben uns aus diesem Anlasse an eines der führenden Mitglieder des Verbandes, Herrn Benzion Fett, gewendet und ihn um eine Äußerung über die Ziele des Verbandes und die Aufgaben der Reichskonferenz gebeten. Die Ostjuden in Deutschland werden, menschlicher Voraussicht nach, im Lande bleiben und im Laufe der Zeit mit den seit jeher in Deutschland lebenden Juden zu einer Einheit verschmelzen. Trotz mancher noch vorhandenen Gegensätze wird dieser Prozeß nicht aufgehalten werden können. Allerdings muß auf beiden Seiten, bei Ost- und Westjuden, der gute Wille zu dieser Vereinigung im Interesse der jüdischen Gesamtheit die Vorherrschaft gewinnen. Wie aus den Ausführungen des Herrn Fett hervorgeht, ist dieser redliche Wille bei den Ostjuden vorhanden. Die Westjuden haben die Pflicht, ihren ostjüdischen Brüdern auf diesem Wege zu folgen. * * * Welche Aufgaben hatte die neugeschaffene Reichsorganisation der Ostjuden? In der ersten Reichskonferenz wurde das Programm festgelegt. Es umfaßte Arbeiten auf sozialpolitischem, rechtlichem und kulturell-erzieherischem Gebiet: Aufgaben, zu deren Erfüllung eine besondere Anspannung aller Kräfte notwendig war. Die Aufgabe der Ostjudenheitist darin zu finden, sich in das jüdische Leben Deutschlands hineinzupassen und dort alle aus der Heimat mitgebrachten geistigen und wirtschaftlichen Kräfte der gemeinsamen jüdischen Sache dienlich zu machen. Dar- ^l.^ctCCt US ^Darrten U^Räntef 5ftoffwr(c6neE {Scgr. 15Z4 '3il6ftolung fSel* 20519 THeß&enjßraßc 14/15 in reicfiffer JjUistüaftl un5 nacfi ^Raß