Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 2 11. Januar 16. Jahrgang Sonntagsgfottesdfenst In München? Die Abhaltung religiöser Sonntagsfeiern in München hat, wie nicht anders zu erwarten war, verschiedene Beurteilung gefunden. Es ist an sich sehr schwer über solche Neueinrichtungen ein Urteil abzugeben, bevor man weiß, wie sie sich in der Praxis auswirken, und wir hätten es für verkehrt gehalten, von vornherein etwa gegen sie aufzutreten; auch das religiöse Leben braucht gewiß, wenn es sich intensivieren und vertiefen soll, neue Chancen. Anderseits bestehen doch gegen die Art, wie hier die Veranstaltung durchgeführt wird, gewisse Bedenken, die in dem nachfolgenden Artikel deutlich zum Ausdruck kommen. Eine endgültige Stellungnahme erscheint uns jedoch heute noch verfrüht und so drucken wir die uns freundlich zur Verfügung gestellte Äußerung des Herrn Justizrats Dr. Emil F r ä n k e 1 nur als eine Diskussionsbemerkung; wir sind gerne bereit auch entgegenstehenden Auffassungen Raum zu gewähren. Die Red. An den Sonntagen des 25. November 1928 und 6. Januar 1929 wurden in der Hauptsynagoge in München „Religiöse Feierstunden“ veranstaltet, in welchen, umrahmt von musikalischen Vorträgen des Jüdischen Gesangvereins und einzelner Solisten, die Herren Rabbiner Dr. Baerwald (München) und Dr. Freudenthal (Nürnberg) Ansprachen über biblische Themen hielten. Es wird uns berichtet, daß die Feiern sehr gut besucht waren und sowohl die musikalischen Leistungen, wie insbesondere die Reden der beiden Herren Rabbiner eine bedeutende Wirkung auslösten. Es kann aber nicht verschwiegen werden, daß in einem beträchtlichen Teile der jüdischen Gemeinde München übrigens nach den Presseberichten auch außerhalb Münchens von religiöser und nationaler Seite sehr erhebliche Bedenken gegen die Abhaltung dieser Sonntagsfeiern erhoben wurden. An sich ist es sehr erfreulich, daß von liberaler Seite die im Osten allgemein herrschende Auffassung, daß die Synagoge nicht nur dem Gottesdienst, sondern überhaupt festlichen Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde dient, geteilt wird, da der hebräische Ausdruck für Synagoge „Beth hakneseth“ also jüdisches Versammlungshaus lautet. Aber die Angelegenheit gewinnt ihre besondere Bedeutung dadurch, daß die Veranstaltung einer religiösen Feier gerade an einen Sonntag angesetzt wird und die große Gefahr besteht, daß hier dem liberalen Publikum ein entsprechender Ersatz für den Sabbatgottesdienst kredenzt werden soll. Es ist ein Streit um Worte, wenn geleugnet wird, daß hier ein Gottesdienst abgehalten wird, während doch gerade die liberalen Organe, z. B. die „Jüdisch-Liberale Zeitung“, ausdrücklich von einer religiösen Feierstunde spricht und auch die Art und der Inhalt der Veranstaltung unterscheiden sich sehr wenig von einem protestantischen Sonntagsgottesdienst. Die Gefahr ist sehr groß, daß hier in majoram Dei gloriam, und umdieliberalenSynagogen auch außerhalb der großen Herbstfeiertage zu füllen den Gemeindemitgliedern anstatt des Sabbatein Sonntagsgottesdienst geboten und der Assimilation hierdurch Tür und Tor geöffnet wird. Man verstehe uns nicht falsch. Wenn die Liberalen Bedürfnisse nach solchen Feiern haben, so sollen und können dieselben gestillt werden. Aber daß diese Feierstunden gerade an einem Sonntag stattfinden müssen, ist unverständlich. Wenn wirklich die Sehnsucht nach solchen außerordentlichen Feiern so groß ist, so mag doch der Versuch an einem Werktag abend gemacht werden, an welchem auch sonst viele unserer Gemeindemitglieder zu ernsten Vorträgen und Veranstaltungen sich einzufinden pflegen. Dann würde die Feierstunde ihres assimilatorischen Charakters entkleidet und es auch nichtliberalen Gemeindemitgliedern ermöglicht werden, dieselbe zu besuchen. Zur selben Stunde als auch Sonntag, den 6. Januar die Feier in der Münchner Synagoge wieder stattfand, wurde in Berlin eine Versammlung des Weltverbandes der Schomreh Schabboth eröffnet, in welcher prominente rabbinische und andere Redner auf die absolut integrale Bedeutung des Sabbats im Wesen und System des Judentums hinwiesen. An diesem unbestreitbaren Grundsatz, der nicht etwa nur aus dem Mosesgesetz der Thora, sondern insbesondere auch aus den Propheten uns immer wieder eingehämmert wird, versündigen sich diese Veranstaltungen der religiösen Sonntagsfeiern. Dieselben widersprechen nicht nur dem religiösen und nationalen, sondern auch, was vielleicht auch für liberale Ästheten von Bedeutung sein könnte, dem allgemein-jüdischen Stilgefühl. Konferenz d r Freunde des arbeitenden Palästina Am 29. und 30. Dezember 1928 fand in Berlin, im Bürgersaal des Rathauses, die Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina statt, die von einem vorbereitenden Komitee einberufen war, um alle Kreise, die innerhalb des organisierten Zionismus und aus den Kreisen der jüdischen Sozialisten in Deutschland sich um das Werk der palästinensischen Arbeiterschaft gruppieren, zu vereinigen. Die Konferenz war von Delegierten aus allen Teilen Deutschlands stark besucht, insbesondere aus den Kreisen der zionistisch-sozialistischen und der allgemein sozialistisch-jüdischen Jugend. Der Eröffnungsabend fand vor überfülltem Saale bei etwa 700 Teilnehmern und Gästen statt. Nach der Eröffnung durch Fritz N a p h t a 1 i (Berlin) ergriff zunächst Josef Sprinzak (Palästina) das Wort und begrüßte in hebräischer Sprache im Namen der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas die Konferenz. Hierauf folgte der Vortrag von Dr. Martin B ub e r (Heppenheim) über das Thema: Warum soll