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Das jüdische Echo · 1929-01-04 · 1/44 (4.1.1929) Chaim Lederers Rückkehr/ Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
1/44 (4.1.1929) Chaim Lederers Rückkehr/ Richter und Narr
Date
1929-01-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer &. Jessen, München) 32. Fortsetzung und Schluß. Nachdem er dies vollbracht, stemmte er sich, die allgemeine Bestürzung ausnützend, welche beim Anblick solchen Tuns sich selbst der Stärksten bemächtigte, mit dem Rücken gegen die Säule, an der er vorher gestanden hatte, und mit den Füßen gegen den goldenen Sockel des Götzen; und ehe noch ein Augenblick verging, geriet diese Säule, die einen Umfang von zwei menschlichen Armspannweiten und Dreimannshöhe hatte, ins Wanken und begann sich langsam in der Richtung auf uns zu neigen. Der liegende Götze aber richtete sich gleich einem aufbäumenden Roß senkrecht auf und stürzte in die Richtung um, wo die fünf Sarane und deren Gefolge saßen. Ich nehme an, daß der Tempel zu dieser Zeit schon von Stöhnen und Geschrei erfüllt war und — selbstverständlich nur in den hintersten Reihen — die entsetzte Menge sich hilflos hin- und herdrängte; aber ich habe nichts davon gehört oder bemerkt, denn meine Blicke waren auf das Schauspiel der Vernichtung geheftet. Vor mir senkte sich langsam und schräg das schwere Dach, das noch kurz vorher den Götzen Dagon und dessen Opferaltar beschattet ha++e, jetzt aber sowohl des Götzen als auch des Altars und einer seiner Stützsäulen beraubt war. Als aber auch die übrigen Säulen schließlich zusammenbrachen, indem sie unter ihren Trümmern zusammen mit vielen Opfern dieser unerhörten Tat auch ihren Urheber begruben, prallte die ganze ungeheuerliche Last durch das nichtige Hindernis von hundert Menschenleibern hindurch weit zur Seite, und der Rand des Daches mähte gleich einem Messer, das einen Zweig abhackt, die zwei Seitenpfeiler nieder, auf denen das Hauptdach des Gebäudes ruhte. Danach kann ich mich nur noch an einen chaotischen Einsturz erinnern, bei dem Steinquadern mit sich windenden Leibern durcheinandergerieten, indes ringsum die Flammen wüteten, die dürre Zweige verzerrten, an den Laubgewinden in der ganzen Länge und Breite des Tempels von Säule zu Säule liefen und schließlich — eine unerträgliche Erinnerung, lieber Tephnacht — die Kleider der Frauen ergriffen. Meine Darstellungsgabe ist jedoch zu gering, als daß ich Dir eine Schilderung dieses Ereignisses geben könnte, welche seiner würdig wäre. Ich gestehe, daß ich den Versuch machte, eine solche zu diktieren; als aber der Schreiber sie mir auf meinen Befehl vorlas, war ich so unbefriedigt von den unlebendigen Zeilen, daß ich dem Sklaven eine Ohrfeige gab und ihm befahl, das beschriebene Papyrusblatt zu zerreißen. Und ich halte es sowohl für bescheidener als auch für vernünftiger, auf eine Wiederholung dieses Versuches zu verzichten. Aber Du wirst mich fragen, und zwar mit vollem Recht, lieber Tephnacht, wie denn jener, der heute diesen Brief an Dich diktiert, dieser Vereinigung von Hölle und Schlachthaus entronnen sei; entronnen, füge sich selbst hinzu, mit schmerzhaften, aber nicht lebensgefährlichen Brandwunden. Die Erklärung hierfür, so befürchte ich, wird Dir noch unwahrscheinlicher Vorkommen als alle übrigen Teile meines Berichtes. Wenn dieses selbe Ereignis bei uns in Memphis geschehen wäre (was in alle Ewigkeit die ägyptischen Götter verhüten mögen, ganz unabhängig von der Frage, ob sie überhaupt existieren), so hätte der Tempelbrand zweifellos eine Schlägerei im Gefolge gehabt, eine Rauferei, würdig wilder Tiere, bei welcher der Starke den Schwachen schlägt und zerstampft, der Mann das Weib — ja, vielleicht seine eigene Mutter oder Tochter oder Braut, die ihm noch am Tage vorher errötend versprach, ihm in dieser Nacht die erste Freude zu schenken. Aber das Volk hier hängt wahrscheinlich nicht an den Gütern des Leuens, trotzdem es sehr zu Scherzen, zu Wein und lustigem Treiben hinneigt. So etwas Ähnliches wie eine Schlägerei ließ sich, wenn ich nicht irre, näher zum Ausgang hin beobachten, in den hinteren Reihen, wo sich die Einwohner bescheideneren Standes drängten: dort stießen die Menschen einander, ja warfen sich über den Haufen, indem sie dadurch die Durchgänge versperrten und sich selbst daran hinderten, zum Ausgang zu gelangen. In dem vorderen Teil des Tempels aber, in dem sich die angesehensten Familien Philistäas befanden, begriffen offenbar alle sofort, daß es unter solchen Verhältnissen für die ungeheure

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