Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 9 und Fränkel (Wien), Levy (Paris), Benjamini und Arber (Palästina), Juniczmann (Prag), Jachinson Kischinew. Jabotinsky griff selbst in die Debatte ein und sagte, er sehe voraus, daß die Zionistische Organisation ihre Politik der Passivität gegenüber den Notwendigkeiten des Großzionismus fortführen werde; er bestehe darum unbedingt auf der Forderung, mit einer eigenen poltischen und wirtschaftlichen Tätigkeit anzufangen. Der Revionismus darf sich nicht in der bloßen Opposition erschöpfen, ebensowenig darf er eine reine Kritikgenossenschaft bleiben. Dr. Schechtmann referierte über Aufbau-Probleme und behandelte die Fragen des Budgets, der Fonds, der Anleihe, der Organisierung des Kapitals für Palästina usw. und zog die Schlußfolgerung; daß die Politik die Wirtschaft bestimmt und nicht umgekehrt. Je größer die politischen Erfolge sind, desto schneller wird das Kolonisationswerk fortschreiten. Schechtmann forderte energische Vorkehrungen zur Förderung der industriellen Entwicklung, sowie eine Agrarreform, ohne welche eine Kolonisation gar nicht gemacht werden könne. Dr. Soskin hielt auf der Weltkonferenz der Revisionisten ein Referat über das Kolonisationsproblem und vertrat sein System der Intensiv-Kolonisation. Eine völlige Abkehr von der Kolonisierung unbewässerter Strecken in Galiläa ist geboten und eine Einstellung auf Landerwerbung, Bewässerung und Kolonisierung der Küstenebene dringend erforderlich. Es folgte ein Referat Lichtheims über die Jewish Agency, in welchem er nachzuweisen versuchte, daß zum Abschluß des Agency-Abkommens mit den Nichtzionisten eine Änderung des Mandats in dem Sinne erforderlich sei, daß die Zionistische Organisation formell gegenüber England und dem Völkerbund auf eine zionistische Agency verzichtet, welchen Verzicht aber nur der Kongreß aussprechen kann. Daher sind die Beschlüsse des A.- K. ungesetzlich. Der Agency-Pakt verewigt die Zweiteilung des Judentums in Zionisten und Nichtzionisten. Lichtheim schlug vor, die Entscheidung, ob die Revisionisten in der Zionistischen Organisation verbleiben oder nicht, zu verschieben, bis der Kongreß in der Agency-Frage sein letztes Wort gesprochen hat. Bis dahin werden die Revisionisten eine energische Aufklärungkampagne über die Gefahren der Agency durchgeführt haben. In einer vertraulichen Sitzung wurden die bisher unausgeglichenen Differenzen zwischen der Richtung Jabotinsky und der Großmanns beham delt und eine fünfgliedrige Ausgleichskommission eingesetzt. Zu den Münchener Gemeinde« wählen Um uns nicht den Vorwurf mangelnder Loyalität zuzuziehen, veröffentlichen wir in dieser Angelegenheit noch einmal eine Zuschrift von ortodoxer Seite: „Der Gesamtausschuß der Ostjuden macht in seiner Erklärung vom 17. Dezember 1928 die Feststellung: ,Seit einer Reihe von Jahren sind sämtliche Ostjuden Münchens (alle orthodoxen mit inbegriffen) in einem Verband der Ostjuden organisiert, dem Gesamtausschuß der Ostjuden/ Diese Feststellung steht im Widerspruch mit der Einleitung seines Artikels, sie lautet: ,1m Namen fast aller Ostjuden Münchens ...1 Tatsächlich lehnen es zwei ostjüdische Vereine, und zwar die orthodox gerichteten Vereine ,Schomre Schabos1 und ,Machsike Hadaß‘ ganz entschieden ab, ihre Interessen durch den Gesamtausschuß der Ostjuden vertreten zu lassen, dessen Leitung gewiß nicht den Anspruch erhebt als orthodox zu gelten. Was war da natürlicher, als daß nach Genehmigung des passiven Wahlrechts für Nichtreichsdeutsche der in seiner Mehrheit zionistisch gerichtete Gesamtausschuß sich zwecks Entsendung eigener Vertreter in die Gemeindestube mit der zionistischen Fraktion ins Benehmen setzte, während die beiden genannten orthodoxen Vereine ihre diesbezüglichen Wünsche ,Ohel Jacob bzw. der orthodoxen Fraktion1 bekannt gaben. Dies und nicht ein Jota mehr waren die ganzen angeblich Unser neuer Roman Chaim Lederers Rückkehr von Schalom Äsch beginnt in der nächsten Nummer. In meisterhafter psychologischer Darstellung gestaltet der unseren Lesern bereits bekannte jüdische Dichter, der seit 15 Jahren in New York lebt, ein nicht nur für Amerika charakteristisches jüdisches Schicksal: das eines erfolgreichen Geschäftsmannes, der, nachdem er sich von seinen Geschäften mit der Hoffnung zurückgezogen hat, sich wieder seelischen Dingen, dem Judentum seiner Kindheit zuwenden zu können, eine tragische Enttäuschung erlebt.