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Das jüdische Echo · 1929-01-04 · 1 (4.1.1929) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Jüdische Echo Nr. 1 Lichtheim eröffnete die Konferenz mit der Feststellung, daß die revisionistische Bewegung im Fortschreiten begriffen sei und hielt dem verstorbenen Präsidenten des Zentralkomitees der Partei der Zionisten-Revisionisten, Wladimar Tiomkin, einen tiefempfundenen Nachruf. Er verlas die aus verschiedenen Ländern eingelaufenen Begrüßungen. Es folgten Begrüßungsansprachen seitens der Vertreter verschiedener Gruppen und Institutionen, woraufhin der Schöpfer des zionistischen Revisionismus, Herr Wladimar Jabotinsky (Palästina), eine zweistündige Rede über „Die Lage im Zionismus und die revisionistische Bewegung“ hielt, die alle Zuhörer in ihren Bann zwang und unter Delegierten und Gästen große Begeisterung auslöste. Großman hielt sodann ein großangelegtes Referat über „Die zionistische Wirtschaft und Politik in Palästina“, zog eine Bilanz der zehnjährigen Politik Englands in Palästina, die er eine „unglückliche Status-Quo-Politik“ nennt und setzte das Programm eines wirtschaftlichen Revisionismus auseinander, die in der Forderung der Unterstützung der Privatinitiative gipfelte. Er führte aus, die Krise des palästinensischen Jischuw sei fast beendet, aber die innere Krise der Zionistischen Organisation sei im Wachsen begriffen. Diese Krise wird zur Erneuerung im Sinne des Revisionismus führen. In der zweiten Sitzung der Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten wurde das Präsidium gewählt. PCLZMODZN ■B£RNHAK.D BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8 Wladimir Jabotinsky hielt ein ausführliches Referat über „Die politischen Aufgaben des Revisionismus“, in welchem er die Forderung aufstellt, der Revisionismus solle das Terrain seiner politischen Arbeit verbreitern und die öffentliche Meinung sowie die Parteien in England aufklären, Der Revisionismus müsse sich auf die Übernahme der Führung der Zionistischen Organisation vorbereiten. Der gegenwärtigen Zionistischen Exekutive werde das Monopol in der Führung der Außenpolitik überlassen bleiben. Die revisionistische Partei läßt in London eine „Gesellschaft zum Schutze der Rechte der palästinensischen Juden“, analog der bereits in Jerusalem registrierten Rechtschutz-Gesellschaft „ßechutenu“, amtlich eintragen. Dies sei darum notwendig, weil das palästinensische Judentum allein nicht Widerstand leisten kann und sich der Administrationsapprat der palästinensischen Regierung immer mehr antizionistisch gestaltet. Gleichzeitig stelle sich die Notwendigkeit heraus, etwa 50 Prozent der Rechtsbrüche in der Form gesetzlicher Anfechtung vor den englischen Rechtsbehörden zu bearbeiten. Übrigens ist dieser Rechtsverteidigungs- Apparat keine Parteiangelegenheit, er dient in gleicher Weise dem gesamten Jischuw. Auch die zionistische Exekutive sollte sich dieses Instrumentes bedienen. Jabotinsky begründet die Notwendigkeit einer Selbstverteidigung der politischen Rechte des Jischuw auf breiter Grundlage, sowie einer Erweiterung der Arbeitsvollmachten der Revisionisten in Palästina. Der politische Einfluß der zionistischen Exekutive ist gleich null, und oft lehnt die Exekutive grundsätzlich die Führung des Rechtskampfes ab, deshalb muß der Revisionismus diese Lücke ausfüllen. Dr. v. Weisl referiert über die Frage der Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion und versucht nachzuweisen, daß überwiegende Gründe für eine solche Umwandlung sprechen. Trotzdem müsse man1 abwarten, bis von englischer Seite offizielle Anträge vorliegen. Inzwischen gründet die revisionistische Partei Pro Dominion-Propaganda-Gesellschaften. Am zweiten Sitzunstag der Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten begann die Hauptaussprache über die Hauptprobleme der Tagung. In seinem Verlauf kam es zur Austragung scharfer Meinungsverschiedenheiten zwischen dem radikalen (Jabotinsky) und dem gemäßigten (Großmann und Lichtheim) Flügel der revisionistischen Partei. Die Debatte drehte sich darum, erstens wie weit der Revisionismus eine politische und ökonomische Eigentätigkeit entfalten darf, zweitens wie die These über Nichtverletzung der Prägorative der Zionistischen Organisation zu interpretieren sei. Als sehr strittig erwies sich insbesondere die Frage, ob der Jischuw in Palästina eine selbständige politische Vertretung in London etblieren solle oder nicht. Die Redner des gemäßigten Flügels bezeichneten eine solche Vertretung als einen „Staat im Staate“ und eine Schädigung des Ansehens der Zionistischen Organisation. Weniger umstritten war die Frage des Dominions, in der es voraussichtlich zu einer Einigung auf Grund der Thesen Lichtheims kommen dürfte. Es wird festgestellt, daß die Umwandlung in ein Dominion mit der Idee des Judenstaates vereinbar sei; Wedgwoods Bemühungen um eine solche Umwandlung werden dankend begrüßt. Die Thesen Lichtheims wurden besonders von J. Klinoff (Berlin) verfochten. An der Debatte beteiligten sich ferner Abrahams (London), Bielelowski (Deutschland), Dr. Akuion (Liverpool), Hoffmann

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