Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das Jüdische Echo Nr. 1 Man könnte also annehmen, daß diese sachlichen Forderungen, die offenbar mindestens teilweise durch die starke Unterstreichung hervorgerufen wurden, die ähnliche Formulierungen in dem Bericht der Londoner Jewish-Agency-Konferenz gefunden haben, vornehmlich dazu dienen sollten, eine Einheitsfront der nichtzionistischen Partner gegenüber dem zionistischen zu bekunden. Denn Forderungen, um die zu kämpfen wäre, sind sie nicht. Dagegen wäre nichts zu sagen. So sehr auch die Organisation der erweiterten Jewish Agency auf gütliche Verhandlung abgestellt ist, so wird es doch selbstverständlich sein, daß die Nichtzionisten Zusammengehen, wenn sich heraussteilen sollte, daß sie in den Fragen der Kolonisationstechnik eine einheitlich geschlossene Meinung gegenüber den Zionisten vertreten. Ob die Marshall-Gruppe und die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland sich in diesen Fragen so ähnlich sind, wird sich allerdings noch erweisen müssen. Aber eines hat der Autor nicht genügend berücksichtigt, daß diese Fragen Streitobjekte innerhalb des Zionismus waren, daß seine Formulierung an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt den Eindruck einer beabsichtigten Einmischung in die innerzionistische Politik erwekken konnten; eine Einmischung, die um so zweckloser gewesen wäre, als die Fragen auch im Zionismus bereits vollendete Tatsachen sind und der behauptete Gegensatz zur zionistischen Anschauung in Wirklichkeit nicht besteht. IV. Ähnliches gilt, wenn weiter die Forderung erhoben wird, daß die Nichtzionisten nicht nur Geld geben, sondern auch Einfluß ausüben wollen. Der Vorschlag der Zionisten geht ja dahin, daß die Hälfte der Sitze in der obersten Kolonisationsinstanz, der Jewish Agency, den Nichtzionisten eingeräumt werden solle. Die Zionisten wünschen ja nicht nur Geld, sondern auch Rat und Hilfe der Nichtzionisten. Und weil diese Forderung, die manchem zu weit gespannt schien, von ihm selbst vertreten wurde, hat sich Weizmann fünf Jahre lang den Angriffen der radikalen Opposition im eigenen Lager ausgesetzt. Auch dieses Postulat des Lilienthalschen Artikels ist bereits erfüllt, lange bevor es ausgesprochen wurde. V. Übrig bleibt noch der entscheidende Punkt. Der liberale Wortführer wünscht nicht nur die „Respektierung der nichtnationalen Einstellung zum Palästinawerk auch nach außen“, er wünscht darüber hinaus sich von der „Phraseologie der Balfour-Deklaration und des Mandats, daß hier ein nationales Heim für das jüdische Volk geschaffen werde“, zu befreien. Das erste ist selbstverständlich Grundlage jeder Zusammenarbeit. Die Gesinnungen sollen nicht überkleistert werden, sondern die gemeinsame Arbeit soll aus der Achtung des gegenseitigen Standpunktes erwachsen. Das hat gerade der Führer der deutschen Zionisten, Kurt Blumenfeld, so oft und so nachdrücklichst betont. Beide Partner werden ihre Anschauungen vertreten und fortfahren, Anhänger und Freunde unter Juden und Nichtjuden zu werben. Die zweite zitierte Formulierung aber ist es, an der sich die Diskussion schon totzulaufen droht, ehe sie eigentlich begonnen hat. Mit Recht weist Dr. Kollenscher in der „Jüdischen Rundschau“ darauf hin, daß die Balfour-Deklaration keine Phraseologie sondern eine Tatsache des politischen Lebens ist. Ihre völkerrechtliche Anerkennung hat den Juden überhaupt erst die Möglichkeit gegeben, auf der politischen Bühne für ihre Sache einzutreten. Sie ist die anerkannte und völkerrechtliche Grundlage der Jewish Agency, und jeder, der in diese eintritt, wird sie darum unterschreiben müssen. Es erscheint uns als vollkommen ausgeschlossen, daß irgendein vernünftiger Mensch, so hoch er auch die Mitarbeit deutscher Nichtzionisten bewerten mag, die rechtliche Grundlage der Palästinakolonisation um deren Bedenken willen aufs Spiel zu setzen auch nur erwägen würde. Aber hier setzt möglicherweise das Mißverständnis ein. Meint denn Landgerichtsrat Lilienthal überhaupt das, was jeder unvoreingenommene Leser aus seinem Artikel herauslesen muß? Wehrt er sich dagegen, daß in Palästina ein jüdisch-nationales Heim entsteht? Daß die Juden in der Statistik eben jüdisch als Nationalität angeben, daß sie eine eigene Sprache sprechen und eigene Selbstverwaltungskörper bilden? Wir können es kaum glauben. Denn das ist eine selbstverständliche Tatsache der lebendigen Entwicklung. Was Juden in Palästina tun, ist jüdisch, und es kann keinen anderen Aufbau geben als einen jüdischen Aufbau, der so und nicht anders national ist, wie alles, was in dieser Hinsicht von Menschen getan wird, solange es überhaupt Nationen gibt. Nur dieses aber schließt die Anerkennung der Balfour-Deklaration ein. Klar und deutlich geht das aus dem Absatz hervor, aus dem hervorgeht, „daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen würde“. Das zeigt, daß eine Befürchtung jedenfals dann nicht am Platze wäre, falls nämlich die liberalen deutschen Juden glauben sollten, daß die Anerkennung der Balfour-Deklaration nicht nur die Anerkennung der lebendigen Wirklichkeit Palästinas bedeutet, sondern auch über die Grenzen Palästinas hinaus Wirkung besitze. Daß Herr Landgerichtsrat Lilienthal ein deutscher Jude ist, nicht nur deutsch spricht, sondern sich mit dem Deutschtum in jeder Hinsicht und vollkommen verbunden fühlt, daß er nicht das ißt, was man einen Nationaljuden nennt, weiß jeder. Niemand wird an ihn auch nur das Ansinnen stellen, daß er den Standpunkt, den er ein Leben lang vertreten hat, jetzt leugnet. Die Anerkennung der Balfour-Deklaration bedeutet die Anerkennung der nicht zu leugnenden Tatsache, daß an einer bestimmten Stelle der Erde Juden in Le- Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Job. WinKlboler & Söhne * Mönchen 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844