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Das jüdische Echo · 1929-01-04 · 1 (4.1.1929) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer i_4. Januar 16. Jahrgang Turmbau Cine Diskussion mit Hindernissen I. In dem Augenblick, in dem das Zionistische Aktionskomitee den Eintritt der Nichtzionisten In die Jewish Agency endgültig gebilligt hat, wird die Frage des Eintritts der deutschen Nichtzionisten aktuell. Schon in den ■ beiden letzten Wochen hat sich eine Kontroverse darüber entsponnen, die von den Herren Landgerichtsrat Dr. Arthur Lilienthal und Bruno Woyda in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ einerseits und von Herrn Dr. Max Kollenscher und der Redaktion der „Jüdischen Rundschau“ in diesem Blatte anderseits geführt wird. Wir glauben zu dieser Diskussion Stellung nehmen zu müssen, die das politische Leben des deutschen Judentums in den nächsten Wochen zu einem wesentlichen Prozentsatz ausfüllen und zu der daher noch mehrfach etwas zu sagen sein wird. Wir glauben zu einer, wenn auch nur vorläufigen und kurzen Stellungnahme in diesem Augenblick um so mehr verpflichtet zu sein, als die Diskussion sich bereits fruchtlos festzulaufen droht. Zu einem beträchtlichen Teile scheint das daran zu liegen, daß die verschiedene Sprache und Ausdrucksweise der Debattierenden zu schweren Mißverständnissen führt. II. Festzustellen ist zunächst, daß der Artikel von Landgerichtsrat Lilienthal, der die Diskussion einleitet, den Wunsch der Nichtzionisten, am Palästina-Aufbau mitzuwirken, in überaus sympathischer und eindringlicher Weise ausspricht. Es genügt, die folgende Stelle im Wortlaut festzuhalten: „Wir werden dabei davon auszugehen haben, daß in Palästina von Juden etwas geschaffen worden ist und daß es im Interesse der Gesamtjudenheit liegt, das Geschaffene nicht verfallen zu lassen. Auf sie würde der Untergang des Palästinawerks zurückfallen. Die jüdische Solidarität erfordert es, jüdische Menschen, die in aufopferungsfreudigem Idealismus und unter Einsetzung ihrer Existenz etwas geleistet haben, nicht im Stich zu lassen. Es bedarf auch keiner besonderen Erörterung, daß, wer eine lebensfähige jüdische Siedlung in Palästina will, das Werk nicht in dem Zustand belassen kann, in dem es sich im Augenblick zufällig befindet, daß es vielmehr systemvoll weitergeführt werden muß. Wenn die Palästina-Arbeit bisher in einem Sinne geführt worden ist, der uns die Mitarbeit unmöglich machte, so darf das unsere Bereitschaft zur Mitarbeit in einem Augenblick nicht ausschließen, in dem wir glauben, daß auch die andere Seite ehrlich gewillt ist, die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit nicht nur damit zu schaffen, daß sie bereit ist, das Geld der anderen zu nehmen. Wir müssen willens sein, an der Siedlung im Lande der Bibel, der Ursprungsstätte unserer Gemeinschaft, mitzuarbeiten.“ zu Babel — Liberale und Zionisten debattieren Wir sind also weit davon entfernt, etwa in dem Artikel einen Versuch zu sehen, das, was er dem Wortlaut nach herbeiwünscht, in Wirklichkeit zu verhindern. Wir begrüßen ihn als eine warmherzige Kundgebung, die beweist, daß die Liebe zu Palästina auch in den extrem-antizionistisch eingestellten Kreisen der deutschen Juden nicht erloschen ist. III. Trotzdem hat dieser Artikel, sicher gegen die Absicht des Autors, bei manchem Leser vielleicht, einen merkwürdigen Eindruck gemacht, und zwar deshalb, weil — mit Ausnahme einer einzigen, über die noch zu sprechen sein wird — in ihm lediglich Forderungen erhoben werden, die selbstverständlich, fas trivial, genannt werden müssen. So fordert er die „Entpolitisierung der gemeinsamen Palästina-Arbeit“ und versteht darunter im besonderen, daß die Einwanderung nur nach Maßgabe der wirtschaftlichen Möglichkeiten erfolgen solle. Die zweite wesentliche Forderung ist die nach friedlicher Zusammenarbeit mit den Arabern. Beide rennen aber, man verzeihe uns den Ausdruck, offene Türen ein. Die erste, die wir über den Punkt Einwanderung hinweg erweitern wollen, besagt dann, daß der Aufbau durch die kolonisierenden Instanzen unter ökonomischen Gesichtspunkten geführt werden soll, ohne daß außerwirtschaftliche Gesichtspunkte zu waghalsigen Experimenten verführen. Auf der Aktionskomitee-Sitzung hat Weizmann u. a. noch einmal gesagt, daß der Aufbau Palästinas nicht als eine rein wirtschaftliche Angelegenheit unternommen werden könne. Das ist gewiß richtig. Aber der ganze Kampf, der in der zionistischen Organisation in den letzten Jahren geführt wurde, stand unter dem Zeichen eines Versuchs der Abgrenzung ökonomischer und nichtökonomischer Faktoren und hat schon vor Jahr und Tag, man nennt das Ereignis auch Konsolidierungspolitik, mit dem Sieg des Primats der Wirtschaft in allen wirtschaftlichen Fragen geendet. Über die zweite Forderung ist schon gar nichts zu sagen. Seitdem vor sechs Jahren auf dem XII. Zionistenkongreß die sozialistische Fraktion Hitachduth die damals noch etwas zögernde Weltorganisation zu jener berühmten Resolution bewog, die den Willen der Zionisten zum Ausdruck brachte, in Frieden und Freundschaft mit den Arabern zu leben, hat kein Staat und keine staatsähnliche Organisation eine so ehrlich pazifistische Politik betrieben, wie die Zionisten gegenüber den Arabern. Wenn Redner der revisionistischen Opposition innerhalb der Zionistischen Weltorganisation — und auch diese nur vereinzelt — gelegentlich andere Töne haben laut werden lassen, so kann der Zionismus, solange er nicht unter revisionistischer Leitung steht, dafür ebensowenig verantwortlich werden, wie die deutsche Republik für Äußerungen Ludendorffs oder Thälmanns.

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