Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 277 Nach der Emanzipation sei eine neue Form des Verlangens zurück entstanden; erst durch sie sei ein gemeinsames Werk Israels wieder ermöglicht, ein Werk aller Juden und ein Werk von Geschlecht zu Geschlecht. Um dieses Werk stehe es heute schwer und bitter. Menschen arbeiten, wohnen und ernähren sich dort so, wie Menschen nicht arbeiten, nicht wohnen, nicht sich ernähren dürfen, aber dort zeige sich in Wahrheit auch modernes — anonymes — Heldentum. Gegenüber aller bisherigen Kolonisation, die auf Machterwerb gerichtet und eine periphere Kolonisation sei, zeige sich hier zum erstenmal eine von allem Streben nach Macht losgelöste und eine konzentrierende Kolonisation, zum erstenmal in der Geschichte der Welt und zum erstenmal ohne staatlichen Rückhalt. Dieses Werk — basierend auf sehr unzulänglichen Finanzen — sei doch das einzige Zeichen, daß jene Botschaft wieder aufgenommen werde, im Wort und im Versuch der Verwirklichung, in der neuaufgelebten hebräischen Sprache und in der Unmittelbarkeit des Lebens zwischen Mensch und Mensch, die sich dort vor allem in den Landarbeitergemeinschaften zeige. Und vielleicht werde dort das Wort gesprochen, das die neue Magie, den mQdernen Versuch, sich des Geheimnisses zu bemächtigen: die Technik überwinde und durchmenschliche. — Mit bewegten Worten dankte J.-R. Elias Straus dem Redner, der mit seinen Ausführungen reichen Beifall geerntet hatte und gab dann die Namen derer bekannt, die sich der Münchner Ortsgruppe des neutralen Keren-Hajessod angeschlossen hatten. Es sind u. a. die Herren: Karl Adler, Rabbiner Dr. Leo B a e r w a 1 d , Julius Basch, Dr. Wladimir E1 i a s b e r g , Bankier Angelo Feuchtwan ger, Dr. August Feuchtwanger, Justizrat Dr. Emil Fränkel, Geh. Justizrat Prof. Dr. Frankenburger, Paul Grünbaum, Dr. M. J. Gutmann, Bankier Max Krämer, Justin Fichtenau er, Karl Löwenthal, Bernhard Lustig, Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, R.-A. Dr. Alfred Perlmutter, R.-A. Dr. Ludwig Regensteiner, R.-A. Dr. Julius Siegel, Generaldirektor S. Weiß, Dr. Karl W o 1 f s k e h l. Darauf drückte Herr Rabbiner Dr. B a e r w a 1 d nochmals den beiden Referenten im Namen aller Anwesenden den Dank für die Feierstunde, für das seltene Erlebnis aus, das sie vermittelt hätten. Wie die beiden bedeutenden Männer trotz der Verschiedenheit ihrer Betrachtungsweise sich einheitlich für den Palästinaaufbau einsetzten, so sollten alle Juden es als ihre Aufgabe betrachten, eine Einheit im Dienste dieses großen und erhabenen Werkes zu bilden. Die eindrucksvolle Kundgebung wurde von Herrn J.-R. Dr. Straus mit den schönen Worten geschlossen: Wenn Ihr Palästina aufbaut, beweist Ihr den Glauben an Euch selbst und an Eure Zukunft. In Nürnberg Der Keren Hajessod, Ortsgruppe Nürnberg, hatte am Mittwoch, dem 25. April 1928, abends, zu einem Vortrag von Dr. Martin Buber über „Ein Land und ein Werk“, einen Kreis Interessierter eingeladen. Herr Dr. Meinhold N u ß b a u m eröffnete die Versammlung, die erste Versammlung des Keren Hajessod nach dem Tode seines eifrigen Anhängers und Förderers Dr. David Grünbaum, indem er den Redner, als den Mittler zwischen östlichem und westlichem Judentum, willkommen hieß. Nach Buber, dessen Vortrag wir bereits oben skizziert haben, ergriff das Mitglied der Keren-Hajessod-Kommission, Herr Rabbiner Dr. Freudenthal, das Wort, um die Gemeinsamkeit der Keren-Hajessod-Arbeit zwischen Nichtzionisten und Zionisten zu betonen. Herr Dr. Buber knüpfte in seinem Schlußwort an diese Worte an und führte aus, daß das Judentum nur durch Schaffung einer organischen Mitte zu erneuern sei, durch bloße Konservierung zerbröckle es. Beweis dafür sei das große furchtbare Schauspiel in Sowjetrußland. Das russische Judentum sei nicht mehr das unerschöpfliche Reservoir, das immer wieder neue Kräfte nach dem Westen spülte, es drohe seinem völligen Untergang entgegenzugehen. Es existiere für die Juden der gesamten Welt nur ein gemeinsames Werk und das sei Palästina. Herr Dr. Nußbaum machte von der Konstituierung eines erweiterten Keren-Hajessod-Komitees in München und Nürnberg Mitteilung, dem führende Mitglieder der Gemeinde beigetreten seien und schloß die Versammlung mit herzlichen Dankesworten für Herrn Dr. Buber. Berliner Brie! Von unserem Berichterstatter Berlin, 30. April 1828. (Aus der Gemeinde. Naehklänge des Falles Haas.) Das Geschrei über die angebliche Krise im Berliner jüdischen Gemeindeleben, von der in der liberalen Presse so viel zu lesen war, ist allgemach verstummt. Mittlerweile sind Gemeindevorstand und Repräsentantenversammlung eifrig an der Arbeit, die Unterlassungen der letzten Jahre, erzwungen durch die Protestaktion der Liberalen Partei, wieder gutzumachen. Wichtige Aufgaben sind erledigt. Die Frage der Verwaltung ist angeschnitten, die Besoldungsreform durchgeführt, eine Neuordnung der Dezernate getroffen und schließlich die Vorarbeit für die Durchführung eines umfassenden Bauprogramms geleistet worden. In den vorangegangenen Jahren konnte die jüdische Gemeinde aus verschiedenen Gründen, unter denen die Auffassung der Liberalen den Gemeindeaufgaben gegenüber keine kleine Rolle spielte, der Tatsache der so stark angewachsenen Gemeinde keine Rechnung tragen. In dem abgelaufenen Jahrzehnt haben sich in verschiedenen Punkten der Großstadt Berlin neue jüdische Zentren herausgebildet. Wilmersdorf und Schöneberg zählen gegenwärtig prozentual mehr jüdische Einwohner als das Zentrum in der Gegend des Alexanderplatzes. In der Nähe des Bahnhofes Charlottenburg ist gleichfalls eine große Anzahl Juden ansässig. Für diese neu entstandenen Mittelpunkte sind Einrichtungen nötig, um die sich das jüdische Leben jener Stadtviertel konzentrieren könnte. Ferner reicht das absolut genommen umfangreiche Wohlfahrtswesen der Gemeinde für die vorhandenen Bedürfnisse schon lange nicht mehr aus. Es müssen neue Altersversorgungsheime geschaffen, es muß die Krankenpflege ausgebaut und vor allem müssen im Interesse der Jugenderziehung neue Institutionen geschaffen werden. Ein großzügiges Aufbauprogramm harrt der Durchführung. Die Verwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde ist sich dieser ihrer Pflicht bewußt und unternimmt alle Schritte, um ihr gerecht zu werden. Das vor einigen Wochen vom Jugendamt der Gemeinde veranstaltete Hallensportfest war ein deutliches Symptom dafür, daß es Methoden und