Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.276 Das Jüdische Echo Nr. 18 TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KUHLES # MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 Machtmittel zu haben. Tatsächlich ist es so, daß diese Dinge unmöglich sind wegen der Begrenztheit Palästinas. Palästina ist ein kleines Land, das hat nie gehindert, daß große Ideen dort wachsen; aber im Materiellen muß man der Kleinheit Rechnung tragen. In Palästina muß vor allem die Landwirtschaft entwickelt werden, und diese Entwicklung wird infolge der bewundernswerten Energie der Bevölkerung über Erwarten gut gehen. Das Herz geht einem auf, wenn man die Juden bei der Arbeit sieht, doppelt, wenn man die Jugend sieht. Das Land hat Raum für eine landwirtschaftliche Bevölkerung von 500—600 0000 Köpfen. Da die landwirtschaftliche Bevölkerung 40 Prozent der Bevölkerung sein muß, so kann sich die Zahl der .Juden, wenn ihr Anteil auf ein Viertel wächst, auf 375—400 000 steigern. Damit sind die Möglichkeiten nicht erschöpft, nur die Entwicklung des nächsten Jahrzehnts. Es ist zu wenig für einen jüdischen Staat, aber viel, wünschenswert viel für die Entwicklung jüdischen Lebens, viel, sehr viel für uns selbst. Wir sehen daraus, daß wir keine Bedenken tragen müssen, uns für Palästina^einzusetzen. 13—15 Millionen Juden gibt es in der Welt, eine davon kann Palästina aufnehmen. Wer kann und will uns da einreden,' daß wir hier Fremde werden, wenn wir für diese Besiedlung Palästinas arbeiten? Wir bleiben Deutsche, auch wenn wir für Palästina nicht nur geben, sondern uns dafür Einsetzen. Seit länger als tausend Jahren ist die Münchner Bevölkerung gut bayerisch, aber auch ■gut katholisch, ohne daß daraus ernstliche Differenzen entstehen würden. Auch bei den Juden werden sie nicht entstehen. Ob wir national empfinden, das haben wir selbst zu bestimmen, das Tann uns kein Zionist nehmen und auch kein Antisemit.. Was die anderen darüber denken? „Der eine fragt: Was kommt danach? Der andere: Ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.“ (Starker Beifall.) Nachdem J.-R. Dr. Straus Herrn Wassermann den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, erteilte er das Wort Herrn Dr. Martin Buber zu seinem Vortrage über „Ein Land und ein Werk“. Buber knüpfte mit seinen Gedanken an die Wassermanns an und warf -die Frage auf, ob Palästina, das einmal aller Juden Land gewesen sei, dies wieder werden könne. Eine Antwort darauf sei nicht möglich, weder in negativem, noch in positivem Sinne. Aber Palästina sei auch einmal aller Juden Werk gewesen und dies könne und solle es wieder werden. Wenn er für dieses Werk rede, so glaube er an etwas zu appellieren, was tief in jedem Juden liege, was allen Juden, wie immer sie religiös gestimmt seien, gemeinsam sei, an den Glauben an den Sinn der Geschichte. Die Geschichte sei für den Juden nicht Ergebnis willkürlicher Kräfte, nicht ein über den Menschen ausgespanntes Verhängnis, sie sei Zwiegespräch zwischen Göttlichem und Menschlichem. „Dinge, die sich ereignen, sind Worte, die dieser Menschheit zugesprochen werden, Taten sind Antworten.“ An einem Gleichnis aus dem Midrasch und an persönlichem Erlebnis verdeutlichte Buber die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem jüdischen Lande, die Einzigartigkeit dieses Landes, dem die Einzigartigkeit des jüdischen Volkes entspricht. Ihr „Aufeinanderangewiesensein“ zeige sich schon bei dem Eintritt beider in die Geschichte: zwischen zwei großen Stromkulturen, der ägyptischen Zeit- und der babylonischen Raumkultur, der Kultur der geheimen Kunde und der Kultur der geheimen Macht, der Kultur der Gnosis und der Kultur der Magie sei in diesem Lande eine Botschaft ausgegangen gegen Gnosis und Magie, eine Botschaft von Geschehen und Tat, gegenüber den Versuchen, sich des Geheimnisses zu bemächtigen, die Botschaft, daß der Mensch im Angesicht des Geheimnisses, im Angesicht Gottes lebt. Und zugleich schließe diese Botschaft ein, daß Gott, der die Welt geschaffen hat, aus seiner Schöpfung sein Reich aufrichten wolle. Unlösbar sei diese — bis heute unerfüllt gebliebene — Botschaft mit diesem Volke und diesem Lande verbunden. Sie zeige sich im Gesetz, in Verheißung und Segen, in Fluch und Verbannung; die Rückkehr ins Land, von der ihre Erfüllung bedingt ist, sei nicht Sinnbild sondern Wirklichkeit. Das zeige sich in der ganzen jüdischen Geschichte, auch in der des zweiten Exils, in dem wir heute noch leben. Der neue AUSTRO-DAIMLER 6‘Cylinder, 12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19