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Das jüdische Echo · 1928-05-04 · 18 (4.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
18 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 18 4. Mai 15. Jahrgang Die Idee der Verpflichtung Keren-Hajessod-Veranstaltungen In München und Nürnberg Gründung neutraler Keren-Hajessod-Komitees Der Gedanke der Verpflichtung aller Juden gegenüber dem Palästinawerk findet in Deutschland seinen deutlichsten Ausdruck in dem Bestehen des neutralen Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk e. V.). dessen Leitung bedeutende Männer des deutschen Judentums, darunter zahlreiche Nichtzionisten angehören. Man kann vielleicht nicht sagen, daß dieser Gedanke rasch und stürmisch Anklang unter den deutschen Juden gefunden hätte; doch wächst von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag die innere Disposition zu seinem Verständnis, und immer größere Teile des deutschen Judentums können und wollen nicht mehr beiseite stehen, wo es gilt, sich an der größten Gegenwartsaufgabe zu beteiligen, die dem Judentum gestellt sind. Gewiß, auch dieser Fortschritt wird nicht ohne Anstrengung erzielt und wo es sich um das Prinzip des Masser handelt, wo die innere Verpflichtung sich nicht mehr in einer bloßen Deklaration dokumentieren kann, sondern sich in sehr realen /Ziffern und vielleicht dauernden Opfern auswirken muß, da ist eben ein dauernder Kampf gegen Unwissenheit und auch gegen Übelwollen notwendig, der nicht leicht ist und dessen Führung beste Kräfte beansprucht. Gerade darin aber, daß in diesem Kampf heute nicht mehr nur Zionisten stehen, zeigt sich vielleicht der Fortschritt am deutlichsten und so ist es aufs freudigste zu begrüßen, daß sich in den letzten Wochen auch in München und Nürnberg Keren- Hajessod-Komitees aus Juden aller Richtungen gebildet haben, denen die besten Männer aus den Reihen der bayerischen Judenheit angehören. Diese Tatsache wird, so hoffen wir, ihren Eindruck nicht verfehlen: zu der Anerkennung, die das Palästinawerk von außen her, von der deutschen Welt durch das Pro-Palästina-Komitee erfahren hat, tritt stärker als bisher die innere, zu der sich durchzuringen manchem wohl nicht leicht geworden ist. , Ob die Juden ihren Führern Gefolgschaft leisten werden? Wir hoffen es und wir schöpfen volle Berechtigung zu dieser Hoffnung aus dem Verlauf der großen Veranstaltungen in München und Nürnberg, die der Keren Hajessod aus Anlaß der Bildung dieser neutralen Ortskomitees und zur Information weiter Kreise durchgeführt hat. In München Im Rahmen der Kundgebung im Cherubinpalast am Donnerstag, dem 26. April, sprachen Herr Direktor Oskar Wassermann (Berlin), der Präsident des deutschen Keren Hajessod, und Herr Dr. Martin Buber, die zunächst von Herrn J -R. Dr. Elias Straus mit herzlichen Worten begrüßt wurden. Darauf ergriff Herr Oskar Wassermann das Wort und führte etwa folgendes aus: Ich danke Ihnen für die über Gebühr freundliche Begrüßung. Als Bayer ist es mir ein ganz besonderes Vergnüngen dieser Versammlung die Grüße des deutschen. Keren Hajessod überbringen zu können. Es freut uns auch, hier im Süden des Reiches einen lebhaften Widerhall der Bestrebungen zu finden, die wir seit Jahren vertreten, in denen wir uns auch durch Widerstand nicht irre machen lassen. Der neutrale Keren Hajessod ist der Überzeugung, daß der Aufbau Palästinas, die Erfüllung der zweitausendjährigen Sehnsucht unserer Vorfahren, die Erfüllung dessen, wofür unsere Großväter, unsere Väter und manche von uns selbst dreimal des Tages gebetet haben, nicht einer Partei im Judentum zufallen darf, daß es eine jüdische Angelegenheit ist, Palästina aufzubauen und daß jeder Jude verpflichtet und berechtigt ist daran teilzuhaben. Wir wollen nicht, daß eine jüdische Partei eines Tages sich das Verdienst zuschreiben kann, das getan zu haben für das Judentum, was die Judenheit hätte tun sollen, und wir wollen noch weniger, daß durch unsere Nichtmitarbeit diese Partei Schiffbruch erleidet. Daher sind wir der Ansicht, daß jeder deutsche Jude am. Keren Hajessod mitwirken soll, um in Palästina eine jüdische Siedlung, ein jüdisches Gemeinwesen zu errichten und zu festigen, das in geschlossener Siedlung jüdisches Leben lebt und jüdische Lebensformen schafft, von denen wir uns weit mehr als zuträglich ist entfernt haben. Wenn aus diesem jüdischen Leben sich noch mehr entwickelt, wenn sich dort wieder Gedanken und Erkenntnisse bilden, die vielleicht ebenso gut und ebenso neu sind, wie die Gedanken, die früher von Palästina ausgegangen sind und die der Menschheit neues Denken und Fühlen brachten, so werden wir alle dies mit größter Genugtuung als Leistung, als jüdische Leistung uns zuschreiben dürfen. Auch heute, ja nicht nur vor Tausenden von Jahren, und in der Zwischenzeit haben wir Juden der Welt Erkenntnisse und Mehrung des Wissens und Fühlens gebracht, aber nicht als Juden, häufig nicht als Juden. Wenn wir wieder einen Mittelpunkt für die Gesamtheit schaffen, so ist es das, was das Judentum bitter nötig braucht; denn für viele beginnt ja das Judentum eigentlich erst da, wo es endet, auf der Totenbahre. Wandlung kann Palästina bringen, aber auch nur Palästina. Dazu ist es nicht nötig einen jüdischen Staat, eine jüdische Nation im modernen Sinne zu haben; dazu ist es insbesondere nicht nötig materielle

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