Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 42 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 171 der Grenzstadt Gimso, um die Stadt bald wieder einzunehmen. Wieder kam eine Gesandtschaft nach Zora und forderte Tribut; und mit den Gesandten war eine bewaffnete Wache gekommen und hatte plötzlich überall Haussuchungen veranstaltet — sie suchte nach Schmieden und Eisenlagern; und obwohl man die Wache hätte umbringen können, so wagte doch niemand auch nur zu murren. Nur einer der Ältesten, Abiram, ein stolzer Mann, hatte sich an der Schwelle seines Hauses aufgestellt und geschrien: „Ich laß euch nicht herein!“ — aber da hatte der Gesandte Merodach befohlen, ihn auf der Stelle zu verprügeln, und die Städter hatten im Kreise herumgestanden und ihn nicht in Schutz genommen. Er selbst, Hermesch, habe die Jugend zusammenscharen und ein Handgemenge anfangen wollen, aber der Älteste Machbonai ben-Schuni habe es verboten. Das sei kurz vor dem Frühlingsfest gewesen. Simson ballte die Fäuste. Dieser Merodach aus Ekron hatte am Tage des Frühlingsfestes mit ihm zusammen auf den Stufen des Tempels gezecht, hatte ihn umarmt, Lieder gesungen — und nicht einmal damit geprahlt, daß er noch vor kurzem in Zora gewesen war und die dortigen Ältesten hatte verprügeln lassen. Simson und Hermesch sprachen miteinander im Majim, an der Meeresküste, Simson erhob sich, legte die Hand auf Hermeschs Schulter und schritt mit ihm lange auf dem Sande hin und her, kopfschüttelnd, ohne ein Wort zu sprechen. „Und wie lebst du, Simson?“ fragte ihn Hermesch schüchtern. „Ich lebe vergnügt,“ antwortete Simson schroff, „und später wird es noch lustiger werden.“ Und an der Bewegung der Schultermuskeln Hermeschs unter seiner Haut fühlte er, daß jener den Kopf tief senkte. „Ich muß jetzt gehn“’, sagte schließlich Hermesch. „Soll ich dich zu deinem Haus bringen oder die Kinder rufen? Sie sind nicht weit.“ „Laß mich hier, sie werden von selbst kommen.“ Hermesch wurde etwas verlegen und fragte: „Soll ich unsren Leuten etwas von dir mitteilen?“ Simson dachte eine Weile nach und sagte dann langsam: „Teile ihnen in meinem Namen zwei Dinge mit, zwei Worte. Das erste Wort lautet: Eisen. Sie sollen Eisen sammeln. Sie sollen für Eisen alles hergeben, was sie haben: Silber und Weizen, öl und Wein und Herden, Frauen und Töchter. Alles für Eisen. Es gibt nichts Kostbareres auf der Welt als Eisen. Wirst du es ihnen sagen?“ „Ja, ich will es tun. Das werden sie verstehen.“ „Das zweite Wort können sie jetzt noch nicht verstehen, aber sie müssen es verstehen, und zwar bald. Das zweite Wort lautet: einen König. Sage das Dan, Benjamin, Juda, Ephraim: einen König! Ein Mann wird ihnen das Zeichen geben, und Tausende werden auf einen Schlag die Hand erheben. So ist es bei den Philistern; und darum sind die Philister die Herren Kanaans. Sag’ es von Zora bis Hebron und Sichern und weiter bis Endor und Laisch: einen König!“ „Ich werde es sagen“, sprach Hermesch. „Geh jetzt“, sagte Simson. Hermesch ergriff seine Hand und küßte sie, und, die Lippen noch an der Hand, fragte er mit zitternder Stimme: „Diese zwei Worte werde ich in deinem Namen dem Volke sagen: den Leuten aber, uns, die dich liebten — uns und unseren Kindern willst du nichts sagen?“ Auf Simsons Hand fiel ein warmer Tropfen, noch und noch einer; für einen Augenblick geriet er in Versuchung — dem Hermesch das zu erzählen, was ihm der sterbende Avvite Ankor mitgeteilt hatte. Doch wozu? Zu spät! Sie hatten es ja geglaubt. Er befreite seine Hand und antwortete, sich abwendend: „Nichts.“ Hermesch ging langsam auf dem Sand zurück; plötzlich rief ihn Simson. Ers ah sich um: Simson wischte sich sorgfältig den feuchten Handrücken und sagte zu ihm: „Ich habe es mir anders überlegt. Nicht zwei, sondern drei Vermächtnisse teüe ihnen in meinem Namen mit: Sie sollen Eisen sammeln; sie sollen einen König wählen; und sie sollen lachen lernen.“ Einunddreißigstes Kapitel Brief nach Memphis „Das Erntefest gilt als Hauptfest dieses Landes. Die gottesdienstlichen Bräuche, mit denen es verbunden ist, scheinen mir eine Mischung zweier Überlieferungen zu sein: ein großer Teil davon ist den religiösen Bräuchen der hiesigen Urbevölkerung entlehnt, die jetzt schon längst versklavt ist, einiges davon aber scheinen tatsächlich die Vorfahren der Philister von ihren Inseln mitgebracht zu haben. So die Gott-