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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 41 (1928) Richter und Narr · p. Seite 166

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
41 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ N 1 Das Mädchen war offenbar aus vornehmer Familie. Dann setzte sich das Kind neben ihn und erzählte, daß sie ihn häufig in Gaza gesehen habe, und daß gestern bei ihnen zu Hause den ganzen Abend von ihm die Rede gewesen sei, und daß Targil, ihr Vater, behauptet habe, einen zweiten solchen Helden habe es nicht gegeben und werde es auch nicht geben. Die Mutter aber habe gesagt, daß alle ihre Freundinnen, und sogar sie selbst vor der Ehe, Tajisch mit verliebten Blicken angesehen hätten.Dabei lag in den Worten des Mädchens keine Andeutung dessen, daß er in Gefangenschaft, geschoren und blind war; sie sprach mit ihm so, wie sie vor einem Jahr mit ihm gesprochen hätte. „Du hast diesen Kindern gerade etwas erzählt,“ sagte sie, „warum sind sie fortgegangen? Ich störe doch nicht.“ Darauf rief er die Kinder herbei, stellte ihnen eine Tierversammlung im Walde dar, und Amtarmagai lachte mit ihnen zusammen. Dann sagte sie: „Jetzt ist es für mich Zeit, nach Hause zu gehen; ich werde aber noch einmal zu dir kommen — darf ich?“ Zum zweitenmal kam sie nach einer Woche, und er freute sich. Sie saß eine Weile bei ihm und den Kindern und fragte dann: „Kann ich dich allein sprechen?“ Die Kinder gingen zur Seite, und sie fuhr fort: „Mutter ist sehr betrübt. Ich bin ihre älteste Tochter, du hast mir das Leben gerettet und müßtest nun der Sitte gemäß unser Ehrengast bei einem Schmaus sein. Du aber willst weder mit ihr noch mit dem Vater Zusammenkommen. Sie schämen sich vor dem Großvater; der aber sagt, wenn er sich rühren könnte, würde er selbst zu dir kommen, trotz deines Zornes. Aber er ist sehr alt und kann nicht gehen, zudem ist er...“ Hier wurde sie zum erstenmal verlegen und fügte flüsternd hinzu: „...blind. Er ist ein sehr weiser Mann, der Großvater; er kennt alle Sitten. Er sagt, die Götter zürnten uns — darum sei ich fast ertrunken. Und er sagt, solange meine Eltern sich nicht richtig bei dir bedanken, würden die Götter uns nicht verzeihen und mir würde ein Unglück zustoßen.“ Sie schmiegte sich an Simson und streichelte sein Gesicht — sie hatte gesehen, daß die Eingeborenenkinder dies taten, und daß es ihm angenehm war. „Komm zu uns, guter Herr. So du es wünschst, wird sonst niemand weiter zugegen sein außer dem Vater und der Mutter und dem Großvater und mir. Ich selbst werde dich hinführen. Komm, ich bitte dich sehr - meinetwillen, damit die Götter zu zür n aufhören.“ * A So begann Simson allmählich wieder t den Philistern in Berührung zu kommen. - erst nur im Hause Targils, der ihn mit h - mender Freude wie einen alten Freund er - fing, dann aber, wie früher, in den Schenk n Gazas. In der ersten Zeit fühlten sowohl e Philister als auch Simson sich beengt, a r der Wein, die Lieder und insbesondere i 2 aufrichtige Herzlichkeit verwischten bald e Peinlichkeit. Sie waren in der Tat ein leie - sinniges Volk, das unbesorgt in den 1 i hineinlebte. Weder ihnen selbst noch ande i zugefügtes Böses blieb ihnen lange in Erimr - rung. Und Simson war es im Grunde geno; - men einerlei, mit wem er scherzte, ob i t Kindern oder Erwachsenen. Auch hatten 5 viel angeborenes Taktgefühl. Kein einzig * Mal, selbst nicht in der Betrunkenheit, v-.* sprach sich einer in Simsons Gegenwc1, sagte nicht zu ihm: „Sieh mal her!“, bracl^ kein Spiel in Vorschlag, bei dem man «i 5 Augen benötigte, erwähnte nicht seine früh« | Mähne und die Zöpfe. Nicht einmal Tajisi nannten sie ihn — war doch dieser Spi i name einstmals dem langhaarigen Mann v<4 liehen worden — sie nannten ihn meiste* „Simson“. Von seinen Heldentaten dageg| sprachen sie gern und machten sich sog| über das Eiserne Tor lustig, das in Ant| tracht der Ebbe im Stadtsäckel durch et Holztor hatte ersetzt werden müssen. | Bei den Gelagen forderten sie ihn in d| ersten Zeit weder zum Singen noch zi i Scherzen auf; sie ließen ihn sich erst eing wohnen und in Stimmung kommen. Und d geschah auch mit der Zeit. Er begann c: Kehrreime mitzusingen, Witze ins allgemei Gespräch zu werfen, Rätsel zu stellen. Alle dings pflegte er das nicht sogleich zu tr sondern erst dann, wenn er selbst und ö andern schon viel getrunken hatten, und daru merkten sie vielleicht auch nicht, daß d Scherze und Rätsel Simsons jetzt berei anderer Art waren als früher, nicht einfa< spielerische Narrheiten, sondern Spott ur Bitterkeit. Aber er selbst wußte das nicl und auch sie beachteten es nicht. Der Saran von Ekron hatte recht geha — Simson wurde bald wieder der Liebling Zeitvertreib Gazas. In der ersten Nacht de Frühlingsfestes nahmen ihn seine Freunc sogar in ihren Tempel mit, setzten ihn auf d erste Bank dicht beim Opferaltar Dagons, b<.

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