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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 40 (1928) Richter und Narr · p. Seite 163

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
40 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 Roinanbeilage des „Jüdischen Echos* 163 an der Liebe? Liebst du etwa das Amt des Sarans, liebst du es, Steuern zu zählen und über Diebe zu richten? Ich habe viel über dich gehört: du liebst Papyrusrollen, die Sterne am Himmel und die Erzählungen der Seefahrer. Und doch bist du Saran.“ . „Mein Vater ist Saran gewesen, alle meine Großväter ebenfalls“, sprach die Stimme aus dem Dunkel. „Ich verstehe deine Anspielung“, sagte Simson, und aus seiner Antwort war Zorn herauszuhören. „Laß das. Selbst wenn das, was dir über die Versammlung in Zora zu Ohren gekommen ist, wahr sein sollte — was liegt daran? Selbst wenn auch einer von zweien meiner Vorfahren die Leier gespielt und die bunte Mütze getragen haben mag, so ist doch der zweite wie eine Ameise durch die Sklaverei und durch die Wüste gekrochen. Er hat als Ameise Gänge durch die trockene Erde dieses verfluchten Landes gegraben, und alles, was ihm in den Weg kam, benagte und fraß er. Es mag sein, daß sie in der Stunde meiner Zeugung einander von Angesicht zu Angesicht gegenübergetreten sind; aber selbst wenn das der Fall war, so hat auch in mir die Ameise schon längst die bunten Federn deiner Philistermütze kahlgenagt. Euer Blut — ist ein Becher Wein; jenes Blut — eine Schale Gift. Selbst wenn sie sich vermischt haben sollten — was ist dann von dem Wein übriggeblieben? Ich bin nicht der eure. Lade mich zu deinen Zechgelagen, Philister, und ich werde kommen und dir die Zeit angenehm vertreiben ... selbst wenn das Gelage rings um meinen Richtplatz stattfinden sollte. Trinken und scherzen — das tue ich mit euch gern. Aber aufbauen? Du sagtest ,aufbauen4? Mit euch? Aus euch? Ich glaube nicht an euch.“ Der Saran seufzte, erhob sich, ging gerade auf Simsons glühende Augen zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Jüngling,“ begann er in einem ganz anderen Ton, mit einer Stimme, die Simson sogleich verstummen ließ, „ich wollte eines nicht erwähnen — den Richtplatz, aber du hast selbst davon begonnen. So begreife wenigstens dies: ich will keinen Richtplatz. Für mich bist du — wie ein reinrassiges Pferd, wie ein Standbild, von einem großen Künstler gemeißelt, wie einer von den Helden, die einstmals unsere Frauen von Götterküssen gebaren. Ich will dich retten. Ich bin dreimal so alt als du, ich weiß alles, aber ich will dich retten.“ Die mächtige Schulter unter seiner Hand erbebte. Simson ergriff behutsam diese schmale, gebrechliche Hand und hielt sie lange in der seinen, ohne zu antworten. Dann führte er sie plötzlich an die Lippen und küßte sie. „Ziehe in Frieden, guter Mann“, sagte er, „Wenn ein Roß draufgehen muß, so geht es eben drauf. Doch ist es ein Roß — und keine Hyäne.“ Am dritten Morgen versammelten sich wieder die Würdenträger im Palast des Saran. Es traf auch der Saran von Ekron ein und erzählte ihnen ausführlich von der Untersuchung, die er über Simsons Flucht eingeleitet hatte. „Kurz und gut,“ schloß er seinen Bericht, „es handelt sich um einen Verrat. Ich muß mich schämen, daß es gerade mein Neffe Achisch war; aber, er ist ein Taugenichts gewesen, und das wußte man allgemein schon lange.“ Und obwohl seine Worte zornerfüllt waren, brach er in ein sehr vergnügtes Lachen aus. „Was habt ihr nun mit Tajisch anzufangen beschlossen?“ fragte er. Alle richteten ihre Blicke auf den Saran von Gaza. Der Greis rückte unruhig auf seinem Sessel hin und her, wurde verlegen, hüstelte, dennoch antwortete er mit sicherer Stimme: „Mein Entschluß steht fest: er mag im Kerker sitzen, ich werde nicht zulassen, daß er hingerichtet wird.“ Die Würdenträger machten eine erstaunte Gebärde. „Vater der Fürsten,“ sagte einer von ihnen, „erlaube mir die Gründe anzuführen, warum es so gefährlich ist, einen solchen Gefangenen im Kerker zu halten. Er ist ein außergewöhnlicher Mensch, es gibt für ihn keine Schranken. Selbst wenn er aus dem steinernen Kerker ausbricht, wird niemand erstaunt sein. Und wer bürgt dafür, daß sein Stamm nicht ebenso verschmitzte Kerle wie jene, die Achisch bestachen, auch nach Gaza schicken wird? Spieler, die bis über den Hals in Schulden stecken, werden sich auch bei uns finden lassen. Das schlimmste ist ja, daß die Hälfte unserer Hauptleute seine Freunde sind. Jetzt sind sie Tajisch noch böse, denken noch daran, wie er uns lächerlich gemacht und die Stadtmauer entehrt hat. Aber nach einigen Monaten wird der Ärger vergessen sein. Wir sind nun einmal so ein Volk: wir denken wenig an das, was war, und an das, was sein wird. Gute Soldaten, aber schlechte Wächter .. V

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