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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 39 (1928) Richter und Narr · p. Seite 158

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
39 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 39 sehen ihnen lag noch eine Entfernung von etwa dreißig Schritten): „Du wirst ihn aufwecken!“ Sie stürzte ins Zelt. Sich über nichts mehr Rechenschaft gebend, zitternd vom Kopf" bis zu den Füßen, packte sie den Schlafenden an den Schultern, rüttelte ihn aus Leibeskräften, schlug ihn mit den Fäusten gegen die Brust, ins Gesicht, auf den Kopf. Er atmete tief auf, murmelte etwas vor sich hin, erwachte jedoch nicht. Da neigte sie sich an sein Ohr und schrie, so laut sie konnte: „Simson, die Philister sind da!“ Ihr Schrei war weit ringsum hörbar: draußen ertönte ein lauter Fluch des Hauptmannes und der hastige Laufschritt der Soldaten. Im Halbdunkel des Zeltinnern sah sie, wie Simson das Haupt schüttelte; er sagte wieder etwas vor sich hin, machte eine Handbewegung — erwachte aber nicht. Da erklangen die Schritte des Hauptmannes dicht an der Zeltschwelle. Dalila stürzte ihm entgegen und versperrte ihm den Eingang. Er stieß einen groben Fluch aus, packte sie an der Schulter und schleuderte sie zurück. Sie fiel am Kopfende des Bettes nieder; alles verwirrte sich in ihr, sie hatte keine Kraft mehr zu schreien; da aber durchzuckte noch ein verzweifelter, ganz unerträglicher Gedanke ihr Bewußtsein — und sich mit beiden Fäusten gegen die Schläfen schlagend, stöhnte sie: „Simson, sie morden mich — mich — Semadar!“ Auf dem Bett zu ihren Häupten fuhr irgend etwas heftig zusammen. Simson lag noch hingestreckt, aber sein gleichmäßiger Atem hatte jäh gestockt. Dalilas an die Dunkelheit gewöhnte Augen sahen, wie seine Lider sich hoben — und sofort wieder schlossen. Der Hauptmann stand bereits im Zelt und blickte scharf ins Dunkle. Simson rührte sich nicht. „Wenn du noch einmal den Mund auf tust, dp Scheusal,“ flüsterte der Hauptmann, sich über Dalila neigend, „so steche ich dich nieder.“ Sie schwieg und sah ihn an, er wiederum Simson. Der atmete wieder gleichmäßig wie ein Schlafender. Der Hauptmann wandte sich zum Eingang, streckte schon den einen Arm aus, um durch eine Handbewegung die Soldaten herbeizurufen — aber in dem gleichen Augenblick riß Simson, fast ohne sich zu bewegen, ein Pfühl unter dem Kopf hervor und schleuderte es dem Philister in den Nacken. Der wankte und warf die Hände hoch; ehe er aber noch vornüber hinfiel, preßte ihm Simson mit der Linken die Arme hinter dem Rücken zusammen und verschloß ihm mit der J Rechten den Mund. / Dalila richtete sich auf den Knien auf, stützte sich mit beiden Armen auf den Teppich und; erhob ihr Gesicht zu Simson. j „Das bin nicht ich gewesen,“ sagte sie un- L ter Tränen, „meine Negerin ist hingeritten I und hat sie geholt...“ Ausdruckslos, wie ein Mensch, der noch l nicht ganz erwacht ist und nur instinktiv han- I delt, fragte er: ' „Sind ihrer viele?“ „Viele...“ „Mit Bögen?“ ' »Ja.. Simson hob den Hauptmann vom Boden auf und trat an die Zeltschwelle, ihn wie einen Schild vor sich haltend. Draußen standen in t geschlossenem Halbkreis die Soldaten, alle * Speere vorgehalten, alle Bögen schußbereit. Zwei Unterhauptleute hatten zu beiden Seiten des Einganges Aufstellung genommen; dem , Munde eines jeden von ihnen entrang sich i beim Anblick Simsons mit seinem lebendigen Schutzpanzer der gleiche Fluch. Simson hielt ihren Anführer mit der einen Hand vor sich hin, die andere verschloß dessen Mund. Er bog den Kopf des Hauptmanns leicht zur Seite und sagte laut, aber ruhig, die Augen ein wenig zukneifend — denn ihm gerade gegenüber zeigte sich über dem Dickicht der Rand der Sonnenscheibe: „Legt Speere und Bögen hin und zieht euch einen halben Pfeilschuß zurück, sonst breche ich ihm vor euren Augen das Genick.“ Der Anführer zappelte und brummte irgend : etwas — er machte wohl den Versuch, den | Soldaten zuzurufen, sie sollten sich nicht um * ihn kümmern und ihre Sache tun. $ Die Unterhauptleute wechselten einen un- - entschlossenen Blick, dann wollten sie schon g beide gleichzeitig auf Simson zutreten — der aber machte eine Bewegung mit der Hand, } die das Gesicht des Hauptmanns bedeckte, und der Anführer stöhnte. Simson hilflos an- 4 sehend, wichen die Unterhauptleute zurück. 5 Simson lachte und ließ seinen blinzelnden g Blick im Kreise schweifen. Die Augen der | Soldaten waren auf ihn gerichtet; er aber § mußte den Ausdruck der Gesichter erkennen, | um den richtigen Augenblick zu wählen, in | dem er sich mitten durch sie würde ins Dikg kicht stürzen können — die Sonne störte ihn | jedoch heute aus irgendeinem Grunde am I Sehen. Noch nie hatte ihn die Sonne so sehr I behindert — die struppige Haartolle hatte 1 ihm sonst immer geholfen. Er schüttelte das Haupt, aber ehe er das noch tat, empfand er

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