Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 37 (1928) Richter und Narr · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
37 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9158276-9158540-9158532--12908-9081905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 37 Humanbeilage des „Jüdischen Echos“ 151 son noch nie gesehen. In einiger Entfernung von ihnen bemerkte er drei mit Säcken beladene kleine Esel und einen schwarzen Eselstreiber, Achisch hielt sein Pferd an, deutete mit dem Finger auf Simson und sagte: „Hier ist die Ware!“ Ben-Perachia zwinkerte, deutete mit dem Finger auf die Esel und antwortete: „Hier ist das Geld!“ „Ohne Mogelei?“ fragte Achisch. „Ich zähle nach!“ „Es ist nicht das erste Mal, daß du verkaufst und ich kaufe. Habe ich dich jemals übers Ohr gehauen?“ antwortete ben-Perachia. „Das ist wahr“, stimmte der Neffe des Saran zu. Simson sah und hörte, immer noch ohne etwas zu begreifen. Machbonai half ihm beim Absteigen. Der Dritte, der zu ihnen gehörte, holte ein Messer hervor und begann die restlichen Riemen zu durchschneiden. „Wer ist das?“ fragte Achisch. „Mein Diener*,“ antwortete ben-Perachia-, „ein zuverlässiger Mann. Er wird dich und deine Esel und das Silber bis nach Ägypten führen, und zwar auf Wegen, wo du weder einem der Deinen noch Räubern begegnen wirst.“ „Ich werde dich hinbringen, Herr“, bestätigte der Dritte. Achisch reckte sich zufrieden. „Das ist gut“, sagte er. Dann sah er Simsons erstauntes Gesicht, brach in ein Gelächter aus und fügte hinzu: „Nur Ordnung herrscht unter euch gar keine. Hat sich da einer seiner Burschen uns an die Fersen geheftet und ums Haar die ganze Sache verdorben. Wir mußten ihn aufspießen — schade, er war ein netter Kerl. Keine Ordnung habt ihr und werdet sie auch nie haben; ein jeder will es auf seine Art machen, ihr tretet einander auf die Füße ...“ Und er ging lachend zu den Eseln hin und befahl dem Neger, die Säcke abzuladen und sie zu öffnen. Schwer und klirrend fielen sie auf die Erde. „Was soll das alles bedeuten?“ fragte Simson schroff, sich an Machbonai wendend. Für den Leviten, der verlegen wurde, antwortete ben-Perachia, wobei er das linke Auge zudrückte: „Kleinigkeiten. Ich sagte dir doch, daß es Kleinigkeiten sind, und daß alles gut enden wird. Du meinst, die Kraft bestände in festen Schultern und dann noch im Eisen? Ha! Die wahre Kraft liegt im Verstand und im Silber. Achisch liebt das Silber, noch mehr aber — das Gold. In dem ägyptischen Memphis aber lebt es sich vergnügter als in Ekron.“ Simson wandte den Kopf hin und her und versuchte zu verstehen. „Um Geld?“ fragte er. „Der Neffe des Saran?“ „Er hat alles verspielt,“ sagte ben-Perachia zwinkernd, sogar seine Pferde, außer diesen zweien. Und er ist immer verschuldet gewesen. Wir zwei sind alte Freunde: erzähle es nur nicht weiter, doch habe ich von ihm vielleicht schon mehr ,harte Ware4 bekommen als von dir.“ „Woher hast du soviel Geld?“ fragte Simson. „Wer hat es gegeben?“ „Ich“, antwortete ben-Perachia. „Ich habe vier Söhne, junge Leute noch, und sie waren deinetwillen sehr betrübt. Und so beschloß ich: es ist ihre Sache, sie werden um so weniger bekommen, wenn ich einmal sterbe.“ Machbonai räusperte sich und warf höflich, aber selbstgewiß ein: „Es ist auch gar nicht so sehr viel Geld, Zidkia, schon allein an jener Schiffsladung hast du das Zehnfache verdient.“ Zidkia wurde plötzlich ärgerlich: „Hast du es nachgezählt? Es ist nicht wahr. Die Schiffsladung! Und was hat die Karawane gekostet? Und an deine Leviten, das Diebsgesindel, wieviel habe ich an die zahlen müssen?“ Simson sah stumpf zu Boden und schob mit dem Fuß ganz ohne Absicht irgendwelche Steine oder Knochen hin und her, die auf dem Wege lagen. Ob von den schlaflosen Nächten oder vom Galoppieren mit gefesselten Füßen oder von der einfachen Enträtselung seiner Rettung — es begann ihn plötzlich alles anzuwidern. Ihm ekelte vor diesem Händler und vor dem Verräter mit den Geldsäcken und vor ihm selbst, vor Simson — diesem Gepäckstück, das man verkaufen und kaufen konnte. Sein Gesicht verzog sich vor Abscheu. Es fielen ihm Jorams Worte in jener Nacht ein, von den großen Herzen, und von Vermächtnissen und der Leiter von der Erde bis zum Himmel: „Solltest du, Richter, dich als einziger unter uns klein erweisen?“’ Ihm war, als wäre er von der obersten Stufe dieser Leiter jetzt in den Straßenkot gefallen. Alles Kleinigkeiten; alles hat ein gutes Ende genommen: Dan hatte nicht gelitten, aber auch seiner Ehre keine Schande angetan; Juda hatte die Forderung der Sarane erfüllt; und er, Simson, war unversehrt und frei, und das alles war nur ein Scherz gewesen — nur Nechuschtan, sein Liebling, sein Sohn und Kamerad, grauäugig, heiter, wagemutig, hatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.