Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 37 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Achish 1× ep/1003213
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150 Romanbeilage des „Jüdischeil Echos“ Nr. 37 bracht, der es am Zaum führte. Das Gefolge und die vordersten Reihen der Abteilung hinter ihr machten halt und warteten auf den Donner. Vom ersten Donnerschlag erbebte die Erde, aber der zweite und dritte waren noch lauter, und beim dritten wurde das Pferd Achischs scheu und ging durch. Aus der Finsternis, durch den verrollenden Donner hindurch, ertönte kaum hörbar sein Pfeifen. Da bäumte sich auch Simsons Pferd auf, schleuderte seinen gefesselten Reiter rücklings fast mit dem Kopf bis zur Erde und gleich wieder zurück, so daß er mit der Brust gegen den Hals des Pferdes schlug. Dann raste das Pferd davon, den Soldaten hinter sich herschleppend. Wieder erklang von vorne das Pfeifen Achischs; Simsons Pferd machte eine heftige Bewegung mit dem Kopf, der verdutzte Soldat ließ den Zaum los, und durch die auseinanderstiebenden Pferde des Gefolges hindurchjagend, raste es in die Finternis. Simson kam der Gedanke, daß er das Pferd zum Halten bringen könnte — besaß er doch genügend Kraft in den Knien, um durch einen einzigen kräftigen Druck ihm die Rippen zu zerdrücken, doch wozu? Hinter ihm ertönten Schreie, Pfiffe, Pferdegetrampel, aber auch von vorne erklangen die Hufschläge des anderen Pferdes, und von Zeit zu Zeit das Pfeifen Achischs, das gar keine Ähnlichkeit hatte mit solchen Tönen, die ein rasend gewordenes Tier hätten beruhigen können. Die Fesseln an Simsons Füßen, die auf Achischs Befehl nicht mehr fest angezogen worden waren, hinderten ihn fast nicht mehr daran, im Galopp hoch- und niederzugehen. Er streckte noch die Füße möglichst weit nach vorn und nach unten, beugte sich, um nicht aus dem Sattel zu fallen, zum Hals des Pferdes vor und verbiß sich in einem Haarstrang der langen Mähne. Da ging wieder ein Blitz nieder; fünfzig Schritte vor sich erblickte er jenes Pferd und den Reiter darauf, sah deutlich, daß der Reiter sich upiblickte, und kurz vor dem Donner vernahm er nochmals vorne das Pfeifen und hinten das wirre Geschrei der Verfolger. Er verstand nichts. Noch nie hatte er davon gehört, daß ein Pferd in der Nacht auf einem dunklen Gebirgsweg dahingerast wäre, aber eine Art Rausch hatte sich bereits seines Kopfes bemächtigt, und durch die Zähne hindurch, die sich in der Mähne verbissen hatten, schnalzte er anspornend mit der Zunge, wie er es beim Rennen getan hatte. Aber das Pferd raste schon ohnedies in vollem Galopp dahin, wobei es mit sicherem Instinkt Löcher und Steine in der Dunkelheit erkannte. Es hörte auf zu hageln, auch der Regen war schon vorbei, immer leiser und dumpfer hörte man hinten die Verfolger, und von vorne ertönte in gleichen Abständen das Pfeifen Achischs. Dann war überhaupt nichts mehr von den Verfolgern zu hören. Der Hufschlag des vorderen Pferdes schien näher zu kommen. „Ob ich ihn überhole? zum erstenmal!“ dachte Simson vergnügt. Alsbald erblickte er in der Dunkelheit den Reiter — jener rief ihm zu: „Hältst du dich?“ Jetzt war es bereits klar, daß sowohl das erste als auch das zweite Pferd nicht mehr durchging, sondern daß sie einfach dem Willen ihres Herrn gehorchend dahinrasten. Der Narisäer verstand nichts und bemühte sich nicht zu verstehen. Das verschwommene Weiß der Straße wurde plötzlich breiter. „Eine Wegkreuzung?“ dachte Simson. In der Tat machte der Reiter vor ihm eine scharfe Wendung nach rechts und begann wieder zu pfeifen, worauf auch Simsons Pferd nach rechts einbog. Dieser Weg war viel enger und ging bereits nicht mehr bergab wie vorhin, sondern war erst eben und führte dann bergauf. Jetzt begann Achisch anders zu pfeifen; die Pferde verlangsamten den Lauf. Noch eine Wegbiegung, noch eine. Achisch macht halt. Simsons Pferd holte ihn ein und blieb stehn. Simson ließ die Mähne los, richtete sich auf und sah Achisch an. Das Gesicht war nicht zu sehen, nur seine entblößten weißen Zähne leuchteten deutlich, und Achisch sagte lachend: „Nicht heruntergefallen? Ein guter Reiter! Und doch herrscht unter euch gar keine Ordnung.“ Plötzlich sah Simson, daß Achisch sein Schwert zog. Blitzschnell fuhr es ihm durch den Kopf, ob er sich nicht behend zur Seite beugen und jenen, mit der Schulter oder dem Kopf vom Pferd herunterstoßen könnte. Aber Achisch erriet seinen Gedanken und lachte wieder: „Keine Angst, ich werde dich nicht erstechen. Dreh’ mal die Ellbogen zu mir herüber.“ Er mußte sich ziemlich lange zu schaffen machen und hatte nur Zeit genug, um den rechten Arm Simsons zu befreien. „Das genügt für dich,“ sagte er, „und jetzt weiter!“ ❖ * Vor Sonnenaufgang noch kamen sie bei einem Dorf an. Am Dorfrande warteten auf sie drei Männer; der eine war Machbonai ben- Schuni, der andere Zidkia ben-Perachia, der Wucherer aus Hebron, den dritten hatte Sim-