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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 37 (1928) Richter und Narr · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
37 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 7 nicht begriffen, daß das nur ein Scherz gewesen, und war um nichts und wieder nichts ums Leben gekommen, mit unerschüttertem Glauben an die Macht seines Bruders und Fürsten — mit dem Ausruf: Er wird Rache nehmen ...! Simson fuhr zurück, als hätte ihn jemand mit der Peitsche ins Gesicht geschlagen. „Er wird Rache nehmen“, sagte er dumpf. Auf der Erde lag vor ihm der große, schwere Knochen eines Eselsschädels, es saßen noch alle Zähne darin. Er hob ihn auf, wog ihn in der Hand, sah dann geradeaus: Achisch war mit der Prüfung der Säcke fertig und kam, die Peitsche schwenkend, zurück. Simson ging ihm schnell entgegen und schleuderte ihm im Gehen den Knochen gerade ins Gesicht. Es krachten gleichzeitig beide Schädel, der des Esels und der des Menschen. Ohne auch nur zu stöhnen, schlug Achisch die Arme auseinander und fiel rücklings hin. Simson trat an ihn heran und versetzte ihm einen Fußtritt. „Du kannst dein Silber wieder mitnehmen, ben-Perachia“, sagte er, dann nahm er das müde Pferd am Zaum und ging auf der Straße nach Norden. * * Machbonai hob die Eselskinnlade sorgfältig auf. Als er nach Hause zurückgekehrt war — ihm gehörte jetzt unbestreitbar das Haus des Manoa mit Herden, Feldern und Zubehör — trug er diese Begebenheit auf seine eigene Art auf der Ziegenhaut ein, und sein Bericht, nicht das, was in Wirklichkeit geschehen war, ist für alle Ewigkeit in der Erinnerung der Menschen erhalten geblieben. Der schlau berechnende ben-Perachia aber befahl seinem Diener, die Leiche Achischs mitzunehmen und sie irgendwo auf philistäischem Boden abzuwerfen, dann würde man auch Juda keinen Vorwurf machen können — Juda hatte seine Pflicht getan. Sechsundzwanzigstes Kapitel Drei Zaubertränke Die Sonne mußte bald aufgehen und am Himmel war von dem Gewitter keine einzige Wolke übrig geblieben. Dafür hatte es reichlich viel Spuren auf der Erde hinterlassen. Sowohl die Hügel als auch das Tal von Sorek waren sauber gewaschen und freuten sich jetzt über sich selbst wie ein kleines Kind, dem die Mutter nach der langen Qual des Badens, Abtrocknens und Kämmens einen Kuß gegeben hat und zu ihm sagt: „Jetzt bist du ein hübsches Mädchen!“ Als die ersten Strahlen über das Laub huschten, glitzerte es; rundum derart herausfordernd, daß Simson meinte, es ginge ein Klingen von ihm aus. Simson kam aus der Richtung des Jebussiterlandes geritten. Warum er in jener Nacht das Pferd plötzlich nach Westen, auf das Tal zu, in die Richtung von Sorek umgewandt hatte, das wußte er selbst nicht. Er wußte überhaupt nicht, wohin er ritt, hatte es auch nicht gewußt, als er noch in nördlicher Richtung ritt; vielleicht in das neue Land Dans in der Nähe von Laisch, vielleicht hinter den Jordan, in die Fremde. Es hatte ihn plötzlich, mitten in der Nacht, nach dem Flußtal Sorek hingezogen. In allen diesen Tagen hatte er sich fast kein einziges Mal Dalilas erinnert, jetzt aber zog es ihn in das Tal Sorek, wo ihr Zelt stand. Er vergaß sogar, sich zu überlegen, daß jetzt wahrscheinlich weder das Zelt noch Dalila dort sein würden. Seit ihrem Abschied war über eine Woche vergangen; sie hatte wohl von seinem Schicksal gehört und war nach Hause zurückgekehrt. Daran dachte er gar nicht. Er dachte überhaupt an nichts Bestimmtes, war er doch so müde, daß er nicht einmal schlafen konnte; wenn er das Pferd rasten lassen mußte, saß er stundenlang regungslos auf einem Stein. Er hatte nur das unklare Gefühl, daß er jetzt ein Vagabund war und nirgends einen ihm nahestehenden Menschen hatte — außer vielleicht in jenem Zelt. Doch die Sonne und das frische Grün munterten ihn auf; er ließ das Pferd in vollem Galopp laufen. Bald bog er um den letzten Hügel und erblickte Wasser zwischen den Bäumen. Das ausgetrocknete Flußbett hatte sich gefüllt, das Tal Sorek war für den Winter wieder zum Strom Sorek geworden. Dann erblickte er auch das Zelt, und erst jetzt kam ihm der Gedanke, daß er es ebenso hätte nicht mehr vorfinden können, und er lächelte vergnügt. Nachdem er das Pferd angebunden, ging er behutsam und geräuschlos um das Zelt herum und trat an seinen Eingang, um sich über das Bett zu beugen und sie zu wecken — aber die den Eingang verdeckende Zeltbahn war bereits losgeknüpft. Plötzlich hörte er hinter sich einen Ausruf — irgend jemand rief ihn bei seinem Namen. Er wandte sich um und erblickte vom steilen Ufer aus Dalila im Flusse stehend. Das Wasser reichte ihr bis zu den Knien, das Haar schimmerte in der Sonne kupferrot, die Hände hielt sie zu ihm erhoben, und sich mit dem ganzen Körper zu ihm hinstreckend, erschien sie schmal wie ein halbwüchsiges Mädchen. (Fortsetzung folgt)

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