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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 35 (1928) Richter und Narr · p. Seite 142

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
35 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 3f Vierundzwanzigstes Kapitel In voller Größe Nur eine einzige Nachbarin kam zu Hazlelponi und pflegte sie die ganze Nacht: es war Jahirs und Karnis Mutter. Simson saß allein an der Leiche Manoas, aber im Laufe der Nacht kamen dreimal Leute mit Anliegen zu ihm. Als erste kamen Hermesch und Nechuschtan und mit ihnen zusammen noch zehn Leute. Diese letzteren drängten sich im Halbdunkel zusammen, ihre Gesichter waren nicht zu erkennen. „Wir kommen nicht in eigener Sache zu dir“, sagte Hermesch. „Uns haben andere geschickt, und es sind ihrer sehr viele, und man befahl uns, dir zu sagen: wir sind für dich bis zum Ende.“ Die übrigen im Hintergründe krächzten bestätigend. Simson sah sie sich genauer an, und sein Herz stockte für einen Augenblick. Er erinnerte sich ihrer; alle waren sie einmal seine Schakale gewesen. Auch sie erinnerten sich an irgend etwas. Einer stummen Aufforderung folgend, stießen sie sich plötzlich an, wechselten ihre Plätze und stellten sich stramm in einer Reihe auf, wie sie es früher gelernt hatten. „Und ganz Zora wird uns folgen,“ fuhr Hermesch fort, „und ganz Dan. Heute tuscheln sie an allen Ecken von dem, was in der Volksversammlung geschehen ist, wenn aber Krieg kommt, wird jeder Mann und jeder Jüngling sich aufraffen und sagen: es ist mir einerlei, ich bin für Simson!“ „Dan hast du gezählt; doch zähltest du auch Juda?“ fragte Simson nach einer kleinen Pause. „Zählen hat seine Zeit und Wägen hat seine Zeit“, antwortete Hermesch. „Juda ist stark, aber das ist einerlei. Möge Dan von einem Ende bis zum andern zusammenbrechen, die Reste werden nach Norden, nach Laisch ziehen, unser Name aber bleibt Dan und Laisch — Richter und Löwe. Um seines Namens willen lebt ein Volk, nicht um der Häuser und Viehweiden willen.“ Simson sah sie schweigend an. Sie verstanden das, woran er dachte, so klar, als hätte er es ausgesprochen: Krieg mit Verwandten wegen eines Fremden? Sie alle senkten die Augen, da sie nicht wußten, was sie ihm antworten sollten; nur Nechuschtan sagte schüchtern — schüchtern, weil er nicht gewohnt war, mit Simson in langen Sätzen zu reden: „Das ist nicht unsere Sache. Jener Zahnlose hat wahrscheinlich gelogen, aber das geht uns nichts an. Ob das damals am Brunnen ein Engel Gottes war oder nicht, wissen! wir nicht. Eines aber wissen wir: in einer an-| deren Nacht ging ein Engel Gottes durch alle unsere Häuser, sammelten alle unsere Gedanken und die Hoffnung und sogar die Träume ein, mischte sie durcheinander, machte ein Herz daraus und legte es in deine Brust, Simson. Du — das sind wir, nicht für dich sind wir, sondern für die Seele Dans.“ „Richtig“, fiel Hermesch ihm ins Wort, und die übrigen wiederholten alle gleichzeitig, sicher und laut: „Richtig!“ Simson schwieg schwer atmend. Wieder I verstanden sie den stillschweigenden Befehl, l und Hermesch antwortete: | „Wir werden gehen, ein jeder zu seiner Hundertschaft, und deiner Weisung harren.“ : Und sie gingen fort, indes Simson zur Leiche Manoas zurückkehrte. * Es vergingen viele Stunden, ganz still war es, nur hinter der Wand vernahm man von Zeit zu Zeit undeutlich die kreischenden Fieberreden Hazlelponis und das leise Sprechen der Nachbarin, die sie zu beruhigen suchte. Plötzlich knarrte die Tür. Simson wandte sich nicht um, bis hinter ihm eine weiche und fließende Stimme ertönte: „Ich bin es, Machbonai ben-Schuni.“ Simson sah sich nach ihm um und fragte; nur kurz mit den Augen: Was gibts’? „Ich bin in jenem Zimmer gewesen“, sagte t der Levit, auf die Wand deutend . Simson blickte ihn wieder fragend an. „Erhebe dich, Simson,“ antwortete Mach- ' bonai mit unerwarteter Beharrlichkeit in der j Stimme, „erhebe dich und gehe zu deiner Mutter.“ * Simson rührte sich nicht, und sie sahen sich lange an, der Nasiräer mit mürrischer Feindseligkeit, der Levit mit höflicher Selbstsicherheit. Simson, den eigentlich ganz andere Dinge j beschäftigten, wunderte sich, daß der Levit gegen seine Gewohnheit gerade und ruhig dastand und daß seine Augen nicht hin- und herhuschten. Immerhin aber war er der herausgefütterte Machbonai, der Wucherer und Be- | schwörer, den Simson nicht leiden konnte. Auch jetzt brachte er ihm gleich ganze tausend Dinge in Erinnerung, an die zurückzu-; denken er gar keine Lust hatte. Über eine : dieser Erinnerungen lachte er jetzt hart auf und sagte laut: 1 „Du hast dich als Prophet erwiesen, Levit. 1 Bei unserer ersten Begegnung schon nannj test du mich: Sohn Hazlelponis. So werden

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