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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 34 (1928) Richter und Narr · p. Seite 139

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
34 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Kumanbeilage des „Jüdischen Echos“ 139 stummte alles. Machbonai ben-Schuni war jetzt ein großer Mann, geachtet bei Dan und sogar bei den Nachbarstämmen. „Es ist schade,“ begann er mit einer fließenden und weichen Stimme, „es ist schade, daß der Richter meinen guten Rat nicht befolgt hat, alles erst allein mit den Gesandten zu besprechen. Wenn wir aber schon einmal in der Versammlung miteinander reden, so müssen wir es in aller Ruhe tun, wie sich das für große Älteste gehört. Ich möchte nun über folgendes Klarheit schaffen: warum waren die Gesandten der Philister, die eure Stadt besucht haben, so sicher, daß wir Daniten Simson ausfindig machen könnten? Ist er etwa an Zora oder Dan gebunden? Konnte er nicht von uns fortgehen — nach Norden, wo unsere Ansiedler rings um Laisch wohnen, oder zu Benjamin, zu Ephraim, nach Gilead oder noch sonst wohin? Man hörte ihm aufmerksam zu. Irgend jemand in der Menge zischte, als wollte er auf einen neuen und vernünftigen Gedanken aufmerksam machen; und viele hielten sich, die Brauen hochziehend, nachdenklich den Finger an die Stirn und nickten mit den Köpfen. „Es hat schon einmal einen derartigen Fall gegeben,“ fuhr der Levit fort, „als nach dem Vorfall in Timnata Gesandte aus Ekron zu uns kamen; aber wir erklärten ihnen, daß Simson in die Wüste gegangen sei, und sie gaben sich damit zufrieden“ — er wurde etwas verlegen, da er daran denken mußte, wie man Gusch und Jahir die Haut vom Leibe geschunden hatte — „sie gaben sich mit einem kleinen Tribut zufrieden und gingen wieder fort. Wer von uns könnte Simson zurückhalten, wenn es ihm auch jetzt einfiele, von hier fortzugehen?“ Da erhob sich wieder Joram ben-Kaleb: „Es fällt mir schwer, mit euch hierüber zu feilschen“, sagte er mit müder Stimme. „Wir wollen ganz offen reden. Du, ben-Schuni, schlägst dem Richter vor, aus dem Lande Dan zu fliehen. Dieser Gedanke kam auch uns als erster, und wir sagten auch gleich zu Achisch, dem Neffen des Saran: Wenn Simson fortgeht, wer könnte ihn dann einholen? Und Achisch antwortete uns genau mit den gleichen Worten wie du, ben-Schuni: ,Das war schon mal so, daß er fortging. Und dann? Dann kehrte er zurück, und seit der Zeit gab es keine Ruhe in der Ebene. Wo Simson sich jetzt befindet — das ist eure Sache, nicht die unsre; suchet ihn, führt ihn her — schafft ihr ihn aber nicht zur Stelle, so ist Juda verloren!4 So hat Achisch geantwortet, und so wird es auch geschehen.“ Machbonai schwieg, sich den Bart streichend; es schwieg auch die ganze Menge, und keiner sah seinen Nachbarn an. Aus der Ecke, wo die Prophetenschar sich zusammengedrängt hatte, ertönte aus irgend wessen Munde der Ausruf: „Du Hund!“ — Man wußte nicht, wem er galt, eine Fortsetzung aber blieb aus. „Mein Vater möchte reden“, sagte der Sohn des Schelach, des Ältesten von Saalbim. Nur die in nächster Nähe von ihm Stehenden hörten Schelach, aber auch unter den übrigen herrschte Stille, solange er sprach. Simson hatte sich ihm zugewandt und sah den Greis aufmerksam an, zuerst nur mit Neugier, dann mit Verwunderung. Dies waren die Worte Schelachs, Sohn des Jubal, die er mit lispelnder Greisenstimme vorbrachte: „Ein Lügner und Tagedieb ist Benjamin, eine hoffärtige Hure Ephraim, am schlimmsten aber ist Juda. Es raubt nicht selbst, es jagt nicht; wie ein junger Rabe sitzt es in seinem hohen Nest, sperrt den Schnabel auf und wartet, bis man ihm ein Stück Aas bringt. Es läßt es sich schmecken, sättigt sich — und trägt selbst keine Verantwortung: Das war ja Aas, ich habe niemanden getötet. Hebron verkauft an alle Stämme Kupfer und Eisen. Für eine Klinge verlangt es das halbe Gewicht an Silber, für eine Speerspitze soviel Weizen, als ein Kamel tragen kann. Jener ben-Perachia dort, der schweigende Gesandte, hat in seinem Hof schon soviele Krüge mit Gold vergraben — es ist der Erlös von diesem Gewerbe und von keinem andern! In jeder Ortschaft Judas hört man jetzt die Schläge des Schmiedehammers. Seine Jugend lernt den Schwertkampf. Bald wird Juda mächtig sein — jenen Mann aber, der ihm zu dieser Kraft verhalt, will Juda den Philistern ausliefern, daß sie ihren Spaß an ihm haben. Und mit den Schwertklingen, die durch Dans Wagemut beschafft wurden, droht Juda, das Land Dans zu zerstören, falls es sich nicht zur letzten Gemeinheit bereit erklärt.“ Zwei der Gesandten, Joram und Dischon, sprangen auf — der erstere wurde noch tiefer rot, dem letzteren tropfte der Speichel aus dem Munde — aber sie wagten nicht, den Greis zu unterbrechen, da sie merkten, welche drohende Haltung die Menge gegen sie eingenommen hatte. Ben-Perachia rührte sich nicht, er öffnete nur ein Auge und schielte Schelach damit an. „Jag’ sie davon, Simson,“ lispelte ben-Jubal weiter, „unsere Jünglinge brauchen ihre Reden nicht zu hören. Wir werden dich nicht verraten. Wir haben dich oft gekränkt, auch du kränktest uns oft, und deine Art ist sonder-

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