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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 33 (1928) Richter und Narr · p. Seite 135

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
33 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 135 Er schüttelte den Kopf und schob sie sanft von sich. Sie wurde verwirrt und schüchtern, nahm die Laute zur Hand und begann darauf zu spielen, indem sie mit geschlossenen Lippen vor sich hinsummte. Simson schwieg und betrachtete den Sonnenuntergang, dann blickte er sich nach ihr um und bewunderte ihre Schönheit. Da sie sich über die Laute neigte, verdeckte ein rötlich-goldener Staubbach flimmernden, von der untergehenden Sonne blutig purpurn gefärbten seidigen Haares ihr gesenktes Gesicht. Simson sah sie lange starr an; plötzlich warf sie die Laute auf den Teppich und sagte ärgerlich: „Du siehst mich so an, als erinnerte ich dich an irgend jemanden „An eine Nachtigall“, erwiderte Simson zusammenfahrend. Nicht umsonst hatte er inmitten der Philister gelebt, die sich auf höfliche Reden verstanden. Aber sie zuckte die Achseln und wandte sich ab. So verging einige Zeit, die Dämmerung war schon ganz blau geworden, und wieder kam sie zu ihm und schmiegte sich an seine haarige Brust. „Erzähle mir,“ bat sie zitternd und so leise, daß er sie kaum verstand, „erzähle mir von deiner Frau aus Timnata... Wie sah sie aus?“ Ohne sich vom Fleck zu rühren, schnellte er sie durch bloße Anspannung der plötzlich steinharten Muskeln von seinen Knien herunter und sagte mit fremder Stimme, knapp und barsch: „Ihr Haar war versengt, die Kehle durchbohrt.“ Sie tat es nie wieder, es gab kein weiteres Zerwürfnis zwischen ihnen, und nichts verdüsterte das Lebensglück Simsons in der dritten Woche. Zweiundzwanzigstes Kapitel Vom Notwendigen und vom Überflüssigen Am achten Morgen kam wieder Nechuschtan und berichtete seine Neuigkeiten. Aus Judäa seien Gesandte gekommen, voll Erregung und großer Erbitterung. Sie hätten erzählt, daß nach Hebron endlich eine philistäische Gesandtschaft gekommen sei — nicht aus Ekron, wie üblich, sondern im Namen aller fünf Sarane; und gleich nach der Gesandtschaft sei in Judäa ein philistäisches Heer einmarschiert und habe gedroht, den ganzen Stamm zu vernichten, falls Juda — ausdrücklich Juda — Simson nicht ausliefern würde. „Wieso ausliefern? Mich?“ sagte Simson voll einfältigen Erstaunens. Nechuschtan erklärte mit einem Lächeln, als spräche er von einem kindischen und undurchführbaren Vorhaben: „Tot oder lebendig. Wenn lebendig, so gefesselt; und es sollen soundso viel Riemen aus ungegerbtem Leder sein.“ Dann erzählte er weiter: Auf Verlangen der judäischen Gesandten seien Boten nach allen Richtungen Dans ausgesandt worden, um die Ältesten zur Versammlung zu berufen, und ihm, Nechuschtan, sei befohlen worden, Simson ausfindig zu machen. Vorläufig aber gingen die Gesandten Judas in Zora herum und erzählten die Gespräche, die sie mit den Philistern geführt. Hier einige Bruchstücke davon: „Ist er denn unseres Stammes?“ hatten sich sich die Ältesten von Hebron gewehrt. „Er ist ein Danite, fordert ihn von Dan.“ — „Nicht das ist wichtig, von wo der Dieb gekommen ist, sondern wichtig ist, wohin er seine Beute getragen hat“, hatten die Philister geantwortet. „Wie sollten wir ihn fesseln können?“ hatten die Ältesten Judas gefragt, „er wird uns alle erschlagen.“ — „Es wird schlimmer sein, wenn unser Heer euch alle erschlägt“, hatten die Philister, die Geduld verlierend, gesagt. Darauf hatten die Ältesten um Bedenkzeit gebeten und drei aus ihrer Mitte nach Zora entsandt. „Wer sind sie?“ fragte Simson. „Joram ben-Kaleb aus Thekoa ...“ „Ich kenne ihn“, sagte Simson. „Er ist ein guter Mensch.“ „Zidkia ben-Perachia aus Hebron ...“ „Eine alte Natter,“ sagte Simson, „der Vater der Wucherer Kanaans, das Haupt der Aufkäufer gestohlener Habe. Er war es, der den Leviten das Geld gab, um die Karawane nach Beerseba für meine Schiffsladung auszurüsten.“ „Und Dischon ben-Achizur aus Bethlehem.“ „Er spuckt beim Sprechen“, sagte Simson. „Er hat wenig Zähne, aber viel Bosheit. Gut, geh nach Hause und sag, daß ich gegen Mittag kommen werde.“ Nechuschtan erhob sich, doch sah man ihm an, daß er unschlüssig war. „Lohnt es sich etwa für dich, zu ihnen nach Zora zu gehen,Simson?“ fragte erleise,ohne ihn anzusehen. Simson faßte ihn am Kinn und blickte ihm lachend in die Augen. „Sind etwa die ungegerbten Riemen schon zugeschnitten?“

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