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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 33 (1928) Richter und Narr · p. Seite 134

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
33 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 Komanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 33 eine stille, ungetrübte Quelle in einer Schale aus Gotteskristall; aber das lag schon weit zurück. Seit jener Zeit waren alle Gefährtinnen seiner Nächte, zahllos und namenlos, Sklavinnen aus zehn Sklavengenerationen. Schon im Felsland von Etam hatte Simson seinen Gedanken verboten, zu Semadar zurückzukehren; er hatte das Verbot eingehalten und sich dazu erzogen, keine Vergleiche zu ziehen. Doch ganz unbewußt .war seine Seele ausgehungert. hatte Simson seinen Gedanken verboten, zu Semadar zurückzukehren; er hatte das Verbot eingehalten und sich dazu erzogen, keine Vergleiche zu ziehen. Doch ganz unbewußt war seine Seele ausgehungert. Dalila stammte offenbar aus irgendeinem vornehmen Hause in Philistäa. Sie hatte aber lange Jahre in No und Moph — das ist Theben und Memphis — unter Menschen gelebt, im Vergleich zu denen sogar die Philister halbe Wilde waren. Sie war klug, konnte zuhören und lernen, verstand sich aufs Erzählen. Mit ihr lebte er wieder inmitten von Säulen und Standbildern. Er liebte sie nicht nur unter Seide und Brokat, sondern auch als wäre sie umgeben vom Marmor der Paläste, von denen sie ihm berichtete. Sie war eine Frau von großer Schönheit, wohl kaum viel älter als zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig — was die höchste Blüte- und Reifezeit der Frauen ihres Volksstammes war. Der erste Eindruck einer Ähnlichkeit mit Semadar verschwand, als Simson sich an sie gewöhnt hatte: Dalila war viel schöner und innerlich tiefer, insbesondere ihre Liebe war von ganz anderer Art. Semadar hatte gescherzt und gespielt, Ednah sich freudig unterworfen; diese aber beherrschte und versengte. Und sie war unsagbar zart und schmuck. Jeden Morgen brachte ein eingeborener Diener von weither einen Schlauch Wasser für ihr Bad, danach pflegte die Negerin sie stundenlang abzureiben, zu salben, zu schminken, zu frisieren, kleidete sie zuweilen an, ließ sie zuweilen unbekleidet. Simson saß unterdessen auf dem Boden und sah zu. Beim erstenmal wollte er fortgehen, um sie nicht zu stören; aber da hatte sie gelacht und ihn gefragt: „Warum denn?“ ❖ * Simson sprach selten, er hörte ihr meistenteils zu oder saß einfach zu ihren Füßen und dachte nach. In den ersten Tagen fragte sie ihn ein paarmal, bald lachend, bald sogar beunruhigt: „Woran denkst du so träumerisch?“ Er antwortete nicht sogleich, und man merkte ihm an, daß es ihm schwer fiel, sich zu erinnern, woran er eben erst gedacht hatte. Einmal fragte er sogar, ihr gutmütig ins Gesicht blickend: „Weiß denn der Mensch, was für Gedanken er in sich trägt?“ Sie fragte nicht weiter. Doch raunte sie ihm in der Nacht nach jenem Gespräch vorwurfsvoll ins Ohr: „Du Narisäer — sogar an meinem Busen mußt du deine Einsamkeit haben ...“ Kein einzigesmal fragte sie ihn, was Frauen gewöhnlich fragen: Liebst du mich? Dagegen machte sie ihm ein Geständnis: das war an dem Tag, als Neehuschtan kam, um ihm zu erzählen, daß es keine Neuigkeiten gebe. Dalila sah den Jüngling mit gerunzelter Stirn an wie ein kleines schmollendes Mädchen. Als er wieder fort war, sagte sie: „Ich hasse ihn...“ „Weswegen denn?“ „Er spricht mit dir von Dingen, über die ich nichts weiß ...“ Und da gestand sie Simson, daß sie eifersüchtig sei: „So eifersüchtig, daß ich manchmal nicht schlafen kann.“ „Auf wen?“ fragte Simson erstaunt, „auf die eingeborenen Mädchen?“ „Was gehen mich die an?“ antwortete sie verächtlich. „Du erinnerst dich ja nicht einmal ihrer Namen. Es ist mir einerlei, als wenn es meine Negerin wäre: Mach’ dir den Spaß, wenn du willst.“ „Auf wen bist du dann eifersüchtig?“ Da flüsterte sie ihm ins Ohr: „Auf deinen Vater —■ denn du liebst ihn. Auch auf deine Mutter — sie ist eine Fremde für dich, aber sie trug dich einstmals auf den Armen, sah, wie aus dem Kinde der Held heranwuchs. Und auf ganz Dan...“ Nach den richtigen Worten suchend hielt sie inne und fügte noch leiser hinzu: „Auch sie sind für dich Fremde — doch zürnst du ihnen, mir hingegen zürnst du nie ... Süß ist aber dein Zorn und der Schlag deiner Faust, Simson!“ „Woher weißt du das?“ „Ich ahne es...“ sagte sie lachend und umschlang ihn noch inniger. „Und dann“, flüsterte sie später, „bin ich eifersüchtig auf unsere Philister: du kannst nicht ohne sie leben. Am ärgsten aber ...“ Sie verstummte plötzlich, und Simson mußte sie erst lange ausfragen, bis sie schließlich stockend sagte: „ ... am ärgsten aber bin ich eifersüchtig ... auf etwas ..., was ich nicht weiß ..., wovon du nicht sprichst..., womit dein Doppelleben begann ... was zehn Jahre zurückliegt..

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