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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 33 (1928) Richter und Narr · p. Seite 136

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
33 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 33 „Dan wird keine Riemen hierfür hergeben,“ sagte Nechuschtan kopfschüttelnd, „eher würde es sie aus dem Rücken der judäischen Gesandtschaft herausschneiden. Doch wäre es vielleicht für alle das beste, wenn Dan einfach sagte: Simson ist nicht da, er ist fortgegangen.“ „Das will ich nicht“, sagte Simson mit Entschiedenheit. „Dan hat lange genug auf Daunenpolstern geruht: es soll lernen, sich zu verantworten.“ An jenem Abend fand zwischen Simson und Dalila ein langes Gespräch statt, das insofern ungewöhnlich war, als er diesmal mehr sprach und sie zuhörte; und obwohl dieses Gespräch an und für sich unwesentlich war, erwies es sich doch später als bedeutsam. „Sonderbar ist die menschliche Seele“, sagte sie. „Es ist nun schon bald ein Jahr her, seit ich nach Gaza zurückgekehrt bin. Gleich vom ersten Tage an erzählten mir die Philister von deinen Überfällen, und immer vergnügt, ohne Groll, als brüsteten sie sich deiner. Sie zürnten dir nicht ernsthaft, weder für Räuberei, noch für Betrug, noch auch für die Toten. Jetzt aber ist ihr Zorn plötzlich aufgewallt. Man kann doch ein neues Tor einsetzen, einen Toten aber kann man nicht wieder zum Leben erwecken, nicht wahr? Sonderbar ...“ Sie hatte sich an diesem Tage als Ägypterin gekleidet: Schultern, Arme und die Beine, bis zu den Knien, nackt; auf der Brust hatte sie an einer Kette einen ovalen geschliffenen Amethyst in Gestalt eines großen Käfers hängen; „Caphtor“ nannten ihn die Philister, in klanglicher Übereinstimmung mit irgendeinem ägyptischen Wort. Simson streckte plötzlich die Hand aus und löste die Kette. „So sieht es besser aus“, sagte er. „So?“ fragte sie, nahm einen kupfernen Spiegel, betrachtete sich darin, schnitt eine Grimasse und sagte: „Du Tor. Entweder nimm alles ab oder gib mir meinen Stein zurück. Dieses Kleid wird nicht anders getragen.“ Simson gab ihr die Halskette zurück und klärte sie auf: „Ich tat es absichtlich, damit du es verstehst. Du siehst: es ist nur ein kleines Ding, und doch stört es dich, wenn es fehlt. „Du verstehst nichts davon“, sagte sie mit aufrichtiger Empörung. „Jedermann weiß, daß man zur ägyptischen Kleidung den Caphtor trägt.“ „Und jedermann weiß, daß man Zähne im Munde und ein Tor in der Stadtmauer haben soll. Jener Gesandte aus Juda hat vielleicht ein schönes Gesicht, doch entsinne ich mich dessen nicht mehr, ich weiß nur noch, daß ihm die Yorderzähne fehlen.“ Er wurde nachdenklich und mußte plötzlich lachen, als ihm eine seiner spaßigen Rachtaten einfiel. Schon vor sehr langer Zeit wollte er einmal mehreren jungen Edelleuten aus Benjamin, die es gewagt hatten, junge Mädchen aus den Grenzortschaften Dans zu verführen, eine Lehre erteilen. Er nahm sie gefangen, ließ sie aber weder schlagen noch verstümmeln: er schor ihnen nur die Bärte ab — und diese Lehre hat Benjamin bis auf den heutigen Tag nicht vergessen. Auch Simson war das Bild noch in Erinnerung: Er stellte jetzt Dalila anschaulich dar, wie sie nach der Bartschur versteinert dagestanden hatten und immer noch nicht glauben wollten, daß tatsächlich ein solches Unglück über sie hereingebrochen war; hiit zitternden Händen hätten sie sich über das nackte Kinn gestrichen. Und laut weiterdenkend erzählte er ihr von verschiedenen Völkern: Die Frauen der Jebussiter gingen fast nackt herum, sie trügen nur einen kleinen Lendenschurz und eine Binde um den Kopf. Auf den Lendenschurz legten sie jedoch keinen Wert, wenn sie einen Brotlaib stehlen, so wickeln sie ihn in den Schurz und gehen ganz ruhig auf der großen Straße weiter. Fiele ihnen aber die Binde vom Kopf — so bedeute das eine Schande, und die Frau sei unrein. In dem Felsland von Etam habe er schwarze Sklaven aus dem Lande gesehen, das hinter Ägypten liegt, Händler trieben sie zum Verkauf nach Indien: sie hatten Ringe in der Nase, die bei manchen aus Gold waren. Er habe die Händler gefragt: Die Freiheit habt ihr ihnen genommen, die goldenen Ringe aber gelassen? Und die Händler hätten geantwortet: Nimmst du ihnen die Freiheit — so sind sie dir unterwürfig; reißt du den Ring heraus — so legen sie sich auf den Sand und sterben unter den Peitschenhieben. „Offenbar ist nun der Mensch einmal so“, schloß er nachdenklich. „Nicht das, was notwendig, ist für ihn wichtig, sondern das, was allen gezeigt wird.“ Dalila lachte und klatschte in die Hände: „Ihr Daniten seid weise geworden — und steht den Leuten in Memphis nicht nach. Auch dort liebten meine Gäste darüber zu reden, daß das Wasser trocken sei und die Erde sich um die Sonne drehe. Aber sie legten dabei die Stirn nicht in Falten!“ (Fortsetzung folgt)

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