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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 32 (1928) Richter und Narr · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
32 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 32 samen Todes sterben. Unter diesen Eingeborenen befanden sich aber drei, bei denen sich Simson häufig vor den Häschern versteckt hatte. Sie hingen also auf dem Hügel, bis es dunkel wurde. Was dann geschah, wußte eigentlich niemand genau, doch kamen spät in der Nacht zwei Soldaten nach Gaza gelaufen, beide verwundet, und brachten die Nachricht, daß alle Eingeborenen heruntergenommen und statt ihrer die Wache mit ihrem Führer in der Mitte ans Kreuz geschlagen worden sei. Nur diese zwei Soldaten hatten sich gerettet. Auch ihnen war Tajisch bis nach Gaza nachgerannt, und sie hatten ihm durch die winkligen Gassen des Armenvorortes kaum entgehen können. Das war des Guten zuviel. Noch vor Mitternacht umzingelte das Heer die ganze Stadt und die Vororte. Sogar Städter griffen nach dem Schwert und schlossen sich den Streifwachen an; und es begann eine Durchsuchung sämtlicher Hütten des Eingeborenenviertels. „Herr“, flüsterte der Avvite, bei dem Simson für die Nacht Zuflucht gefunden hatte, „sie kommen hierher.“ Es war dies ein begüterter Zimmermann, namens Ankor; seine Hütte war geräumiger als die anderen, und Simson wurde in seinem Hause stets in Ehren aufgenommen wie ein Gott. Aber er wußte, daß man dem armen Teufel die Haut bei lebendigem Leibe abziehen würde, falls man hier auch nur die geringste Spur von ihm entdeckte. Er stieg also aufs Dach, von dort aufs Nachbarhaus, dann aufs nächste. Als sich eine Streifwache näherte, sprang er geradeswegs auf den Kopf des Fackelträgers hinab, packte das brennende Holzscheit, stieß es irgend jemandem ins Gesicht, schlug mit der Faust nach links, mit dem Fuß nach rechts, durchbrach die Menge und lief davon. Aber die Wache jagte ihm nach. Von Gasse zu Gasse gelangte er ins Philisterviertel. Doch hier leuchteten an jeder Ecke Fackeln, und er erkannte bei ihrem Schein, daß man die Soldaten mit Bögen bewaffnet hatte. Er blieb im Schatten irgendeines Hauses stehen und überlegte, was er tun solle. Plötzlich hörte er über sich ein Flüstern: „Simson?“ Aus irgendeinem Grunde. erriet er sofort, wer es war und daß sie ihn nicht zu verraten beabsichtigte. Er antwortete. Kurz darauf öffnete sie eine kleine Tür, ergriff seine Hand und führte ihn zu sich ins Haus. „Schließ die Tür ab,“ flüsterte sie, „und tu alles, was ich dir befehle.“ Er folgte ihr eine schmale Treppe hinauf ins oberste Stockwerk. Dort leuchtete in einem kleinen Zimmer ein schwaches Lämpchen hinter blauem Schleierstoff. Der Boden war weich gepolstert, und mitten im Zimmer ein großes, breites und niedriges Bett. „Schweig“, sagte das Weib und sah wartend zum Fenster hinüber. Sie stand mit dem Rücken zu dem Lämpchen, das Gesicht war unsichtbar, nur das rote Haar schimmerte golden. Wieder zog Simsons Herz .sich zusammen; er vergaß für einen Augenblick Gaza und erinnerte sich einer anderen Nacht und einer anderen Feindesmenge vor vielen Jahren. Mit der linken Hand drückte sie noch seine Rechte, mit der rechten griff sie bereits nach der Spange auf der linken Schulter, die das Nachtkleid zusammenhielt. Kurz darnach ertönten auf der Straße Lärm und die schallenden Schritte der Verfolger; der Widerschein der Fackeln erhellte ein wenig das Halbdunkel im Zimmer. Der Raum war üppig ausgestattet; ein kupferner Spiegel war an der Decke über dem Bett angebracht. Sie stieß ihn zum Bett hin. Er setzte sich. „Nicht so“, flüsterte sie. Er wollte sich hinlegen. „Nicht so“, flüsterte sie, auf seine Kleidung deutend. Er gehorchte, warf alle Kleider ab und legte sich hin. Unten ertönte Klopfen. Sie hörten, wie eine Dienerin die Treppe hinunterlief und an der Tür mit irgend jemandem sprach. Das Weib öffnete schnell seine Spange, trat aus dem niederfallenden Hemd heraus und legte sich auf das Bett. Sie umschlang Simson, so daß man sein Gesicht und die Schultern nicht sah. Die Dienerin kam die Treppe herauf. Der Vorhang am Eingang des Zimmers schob sich auseinander, und das Gesicht der Negerin blickte dahinter hervor. Sie nickte und lief wieder hinunter. „Meine Herrin hat Besuch,“ sagte sie, „sie schlafen. Warum macht ihr solchen Lärm?“ Das Weib erhob sich und trat, sich strekkend ans Fenster. Die Fackeln hatten sie offenbar gut beleuchtet: von der Straße her erschallten ein beifälliges Lachen und begeisterte Ausrufe über ihre Schönheit. Irgend jemand, der Stimme nach zu urteilen ein junger Edelmann, rief ihr zu: „Verzeih, daß wir dich geweckt haben, Dalila; aber wir suchen den Tajisch, jenen zottigen Daniten; er ist in diese Straße gerannt, und wir befürchteten, er könnte bei dir eingebrochen sein.“ „Ich bin für ihn nicht fett genug“, sagte sie gähnend. „Oh, ich weiß es,“ antwortete die gleiche Stimme, „ein ganzes Heer könnte ihn nicht in

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