Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 32 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer & Jessen, München) 20. Fortsetzung Unterwegs befreundete sich Simson mit den Seeleuten, merkte sich ihre Namen und Stimmen. In der zweiten Nacht begab sich der Schiffer, nachdem er seinen Gehilfen auf Wache zurückgelassen hatte, in den Schiffsraum zürn Schlafen. Um Mitternacht vernahm er die Stimme des Gehilfen, der ihn an Deck rief. Wieder einige Minuten später hörte der Bootsmann die Stimme des Schiffers, der ihn an Deck rief. Und so kamen alle der Reihe nach dran und kletterten einzeln die schmale Leiter an Deck. Kein einziger fand Zeit zum Schreien, das Aufspritzen des Wassers aber konnte man wegen des Aufschlagens der Ruder nicht hören. Die Ruderer an Deck wußten selbst nicht genau, was in der Dunkelheit geschah, sahen aber verschwommen, daß etwas Unheimliches vorging. Der Antreiber, der für sie mit einem Hammer den Takt schlug, fiel als erster und an seine Stelle trat Nechuschtan. Als alles vorüber war, ging Nechuschtan ans Steuer (der Steuermann war gleich nach dem Antreiber ins Wasser geflogen), indes Simson die Ruderer innehalten ließ und zu ihnen sagte: „Wenn ihr mir gehorcht, werde ich euch freilassen.“ Und er gab ihnen eine dreifache Portion Essen und befahl ihnen, nicht zu eilen; denn er legte Wert darauf, daß sie sich ordentlich sattaßen undausruhten. So fuhren sie eine ganze Nacht, einen Tag und noch eine Nacht südwärts. Bei Sonnenaufgang aber landeten sie auf sandigem Ufer, weit südlich von Gaza, mitten im Herzen der Wüste. Hier bepackte Simson die Ruderer mit Kisten voll Kupfer und Eisen, so viel ihre Schultern und Kräfte vertrugen. Es waren ihrer achtzig Mann. Diese Karawane trieb er durch die Wüste Amaleks nach Beerseba. Nechuschtan, der schon in dieser Gegend gewesen war, wies den Weg von Quelle zu Quelle. Bei Beerseba aber warteten bereits die Leviten mit einer Kamelkarawane auf sie. Hier nun ließ Simson die Ruderer laufen und schenkte jedem eine Silbermünze. Zwanzigstes Kapitel Weiche und harte Ware Auch noch ein anderes Mal beschaffte Simson den Leviten Hebrons eine große Ladung harte Ware; sie war so groß, daß noch bis auf den heutigen Tag die Überlieferung davon unter allen Völkern der Welt lebendig ist. Es war dies viele Jahre nach dem Brand in Timnata, und das Neue an der Sache war, daß er dabei zum erstenmal seit zehn Jahren ein philistäisches Weib berührte. Allerdings geschah das nicht aus freiem Antrieb, sondern die Umstände führten es so herbei. Die Frau, von der hier die Rede sein wird, war erst seit kurzem in Gaza. Die Zechbrüder Simsons lobten sie sehr; sie hatte lange in Ägypten gelebt und kannte sämtliche ägyptischen Liebeskünste. Eines Tages zeigte man sie Simson auf der Straße. Sie hatte rotes Haar, erinnerte ihn an Semadar, und das Herz zog sich ihm zusammen. Wie überhaupt alle Frauen, blickte sie ihn wohlwollend an. Auch sie hatte, wie Semadar, grünliche Augen. „Du hast ihr gefallen“, sagte einer seiner Gefährten lachend. — „Tajisch liebt unsere Schönen nicht“, erwiderte ein anderer. — „Eure Frauen sind mir zu dünn,“ antwortete Simson scherzend, „sie trinken Essig, um schlank zu bleiben.“ Und als Gegenstück zählte er die Vorzüge der avvitischen Frauen auf, die sich hier nicht wiedergeben lassen. Einige Monate später kam . Simson wieder nach Gaza, jedoch diesmal nicht offen, sondern heimlich, zu den Eingeborenen, das heißt als Räuber. Diesmal richtete er derartige Dinge an, daß der Saran ganz außer sich geriet und den Befehl erteilte, ihn um jeden Preis zu fangen. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Kurz vorher hatte unter den Eingeborenen ein Aufstand stattgefunden. Die Philister suchten sich die zwölf Haupträdelsführer heraus, kreuzigten sie auf einem Hügel an der großen Straße in der Nähe von Gaza und ließen sie dort unter starker Bewachung eines lang-