Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 31 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 30 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 127 „Und wer wird in Gimso bleiben?“ „Ich“, sagte Simson, „und diese Reiterabteilung“. Eine Stunde darauf führte der Hauptmann seine Wache auf der Nordstraße fort. Darauf befahl Simson dem Zehentmann seiner Reiterei: „Reitet so schnell ihr könnt zurück und sagt dem Heerführer von Lud, daß alles ausgeführt sei, und daß ich in Ekron von seiner Gewandtheit und der Unermüdlichkeit seiner Soldaten Meldung erstatten werde.“ So hatte Simson Gimso befreit, ohne jemanden zu töten und ohne auch nur irgend jemanden im Lande Dan zu berauben, so daß die Philister nicht einmal etwas daran aussetzen konnten. Die Einwohner von Gimso aber kehrten zurück und bauten Befestigungen, und die Stadt verblieb dem Lande Dan, und erst nach Simsons Tode wurde sie von neuem von den Philistern besetzt. * * * „Habt ihr den festen Entschluß gefaßt, die Schmiedesteuer nach Ekron zu schicken?“ fragte Simson die Ältesten. „Was sollten wir sonst tun? Wir müssen“, antworteten jene. Und sie rüsteten eine Begleitmannschaft aus, beluden die Esel, zählten soviel Schafe ab, als notwendig waren, und schickten das Ganze nach Ekron. — Auf philistäischem Boden, einige Stunden von Ekron entfernt, holte Simson sie ein. Darauf verprügelte er sie alle, wenn auch nicht tödlich, so doch derart sorgfältig, daß niemand einen Zweifel an ihrer Unschuld haben konnte — tatsächlich wurden sie später von den Philistern als halbe Leichen aufgelesen — die Esel mit den Geschenken aber und die Herde trieb er nach Zora zurück. Die Ältesten sahen sich an, schüttelten die Köpfe, lächelten aber dann und schickten Machbonai nach Ekron, um sich zu beklagen: „In eurem Lande herrscht keine Ordnung: wir schickten euch die Steuer, seht aber, was eure Räuber getan haben — unsere Begleitmannschaft haben sie zu Krüppeln geschlagen, unsere Habe aber wer weiß wohin gebracht.“ Darauf ließ sich nichts erwidern. Seit der Zeit hörten die Philister auf, von Dan die Schmiedesteuer zu fordern. Statt dessen besteuerten sie ihre eigenen Schmieden, und diese verlangten mehr von den Daniten; das war viel einfacher und ebenso einträglich für die Staatskasse. * * * Eines Tages kam Simson zu den Philistern nach Geser mit einem großen Posten Pflugeisen und Spaten, die geschliffen werden sollten. Er trug sie in die Schmiede, übergab sie den Schleifern und setzte sich selbst zum Ausruhen auf die Straße. Rings um ihn versammelte sich wie gewöhnlich eine Schar von Kindern und Erwachsenen, und er belustigte sie durch Wortscherze und Kunststücke. In dieser Menge befand sich ein etwa achtzehnjähriger Jüngling. Er hatte einen glattrasierten Kopf, wie die Bewohner der Wüste Sinai, und trug die Lumpen der Nomadenvölker. Aus irgendeinem Grunde mißfiel er Simson, und Simson wiederum ihm. Der Jüngling sagte dem Nasiräer irgend etwas Beleidigendes in seiner gebrochenen Sprache. Simson versetzte ihm einen Schlag, so daß jener gerade auf die Schmiede zuflog und fast ins Feuer gefallen wäre. Als er wieder zu sich kam, begann er Simson in seiner Sprache zu verwünschen und fügte dann in gebrochenem Kanaanitisch hinzu: „Ich werde mich rächen!“ Am nächsten Tage kam Simson, um die Pflugeisen und Spaten zu holen. Als er die Arbeit bezahlte, sprang der Jüngling plötzlich hinter einer Ecke hervor und rief: „Er hat fünf Äxte gestohlen, ich habe es selbst gesehen!“ Der Aufseher der Schmiede ließ die Ballen aufbinden, und es befanden sich darin tatsächlich fünf Äxte, die Simson nicht gehörten. Simson geriet in große Verwirrung. Er schleuderte einen Stein nach dem Jüngling, jener aber wich aus, versteckte sich hinter der Menge und neckte den Daniten aus der Ferne durch unanständige Körperbewegungen. Einen anderen als Simson hätte man wegen dieses Diebstahls sofort ins Gefängnis geworfen; Simson aber kannte man schon und entließ ihn darum mit einem strengen Verweis. — Der Aufseher der Schmiede war ein philistäischer Beamter, die Arbeiter waren alle von der Nordküste gebürtig — aus Dor, Tyrus oder sogar aus Sidon. Der Aufseher rief den Jüngling und wollte ihm für den erwiesenen Dienst Geld geben. „Stelle mich lieber als Arbeiter ein“, sagte jener. — „Von wo bist du gebürtig?“ — „Ich stamme aus den Zelten Amaleks in der Wüste; ich tötete dort einen Menschen und floh.“ Die Amalekiter wurden sogar ins Heer eingestellt. So nahm ihn der Aufseher in die Schmiede