Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 31 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 31 auf. Es zeigte sich, daß der Jüngling anstellig war: er begann mit dem Treten der Blasebälge, wurde bald Schleifer, lernte dann schmieden und ward ein guter Meister. Darauf verschwand er plötzlich. Dieser Jüngling war Nechuschtan. Schon lange vorher hatte ihn Simson in die Wüste geschickt, damit er amalekitisch sprechen lerne. So bekam Dan seinen ersten Schmied, und dieser dann auch Lehrlinge. Sie arbeiteten heimlich in Höhlen, weil die Ältesten aus Angst vor einem Krieg gegen diese Neuerung waren. * * Simson hatte übrigens im Lande Juda Freunde. Dort wuchs rings um Bethlehem eine tüchtige Jugend heran; sie verstand sich gut aufs Steinschleudern mit Hilfe eines an kurzem Riemen befestigten Beutels und lauschte ehrfürchtig den Erzählungen Simsons, wenn er dort Rast machte. Manchmal war hierbei auch der eigentliche Held ihres Stammes zugegen, Joram ben-Kaleb aus Thekoa, ein entfernter Verwandter Hazlelponis. Er galt als der Schrecken der Wölfe, Bären und Viehdiebe. Die namhaftesten Räuber machten einen Bogen um seine Weideplätze, und im Volke raunte man davon, daß er eine Kriegslist ausgedacht habe, durch die man das uneinnehmbare Jebus werde erobern können. Das aber wäre eine weise Tat gewesen, denn nach Jebus kamen dreimal jährlich die Völker von allen Ufern des Salzmeeres und brachten unermeßlich viele Geschenke dem bocksbeinigen, gehörnten, zottigen Zion, dem Gotte der Wüste dar. Auch in Hebron war er ein gern gesehener Gast, jedoch hier aus einem anderen Grunde. Dort befand sich das Hauptnest der Leviten. Sie sagten zu Simson: „Wenn du gestohlene Habe loswerden willst, daß keine Spur davon übrigbleibt, so denke an uns.“ — „Ware jeglicher Art?“ fragte er, „sowohl weiche als auch harte?“ Sie verstanden sofort, denn damals hatte in den Bergen bereits die Nachfrage nach Kampfeisen begonnen. „Harte Ware läßt sich schwer befördern,“ sagten sie, „wir werden dir dafür weniger zahlen. Aber Ware bleibt immer Ware.“ — „Gut“, sagte Simson. „Wenn ich jemanden zu euch schicke und sagen lasse: Fertig! — so stellt eine große Karawane zusammen und wartet auf mich südlich von Beerseba.“ Um jene Zeit schickte er wiederum Nechuschtan fort — diesmal nach Jaffa — damit er eine Zeitlang unter Seeleuten und Hafenarbeitern lebe. Daniten heuerte man dort gern an. Nechuschtan war sowohl flink als auch geschickt. Seine Arbeitgeber fanden an ihm Gefallen, und schon nach einem Monat trieb er, mit einer Peitsche in der Hand, die Hafenarbeiter an und wurde nach Verlauf weiterer Monate Steuermann. Eines Tages machte er Simson in der Hütte eines Eingeborenen in der Nähe von Beth- Dagon ausfindig und flüsterte ihm zu: „Bald muß ein Schiff mit Kupfer und Eisen von der Insel Kufri eintreffen.“ In einer dunklen Nacht trafen sie sich am Uferdamm von Jaffa. Dort stand ein Wachtposten, aber am nächsten Tage wurde seine Leiche von den Wellen ans Land gespült. Simson und Nechuschtan setzten sich in ein Boot. Simson zerriß die verrostete Kette, und das Boot fuhr ins offene Meer hinaus. Gegen Mittag erblickten sie eine sidonische Bireme. Auf dem Verdeck saßen zwanzig Ruderknechte, weitere zwanzig Ruder ragten unten durch Öffnungen aus dem Rumpfe des Schiffes heraus. Das Boot fuhr der Bireme entgegen, Nechuschtan legte die Hände an den Mund und rief: „He, Schiffer! Wir sind die Diener des Machon aus Jaffa, er sendet dir wichtige Nachrichten.“ Machon aus Jaffa war jener Kaufmann, dem die Schiffsladung gehörte. Die Schiffer kannten Nechuschtan bereits; sie ließen die Ruderer innehalten und warfen einen Strick über Bord. Der Jüngling kletterte an Deck, Simson hinter ihm her, und alle starrten mit aufgerissenem Mund den Riesen an. Nechuschtan sagte: „An der Küste bei Jaffa streichen Seeräuberbarken umher; sie haben bereits den Ben-Schimmun, den Nubier Bagola und zwei Schiffe unserer Flotte versenkt. Es heißt, daß sie auf dich lauern. Darum befiehlt dir Machon, die Richtung nach Gaza einzuschlagen.“ — Und wer ist das da?“ fragte der Schiffer, sich über Simson wundernd. — „Das ist der neue Zehentmann der Küstenwache in Jaffa. Ich habe ihm befohlen, mit mir zu fahren,“ sagte Nechuschtan gewichtig, „für den Fall, daß wir jenen Barken begegnen sollten.“ Die Bireme wendete nach Süden und hielt sich außer Sichtweite der Küste im offenen Meer. Nach Berechnung des Schiffers mußten sie anderthalb Tage südwärts fahren und konnten dann nach Osten wenden, bis sich Majim, Gazas Hafen, zeigen würde. (Fortsetzung folgt)