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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 31 (1928) Richter und Narr · p. Seite 126

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
31 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 Nr. 3 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ nicht weiter, sondern ging geradewegs durch die Felder hierher. Achisch hatte mir bereits gesagt, daß du ein jähzorniger Mensch bist und gern einen guten Bissen zu dir nimmst.“ ❖ ❖ * Das erste seiner Abenteuer, das ihn zum Liebling Philistäas machte, gehört in jene Zeit, als er aus den Schluchten Etams zurückgekehrt war und eben erst seine Schakale für immer entlassen hatte. Außer in Timnata kannte man ihn damals in den andern Winkeln von Philistäa noch nicht von Angesicht; er war noch jung und, wenn auch groß und breit, so doch noch nicht derart riesenhaft, daß Fremde hätten erraten können, wer er sei. Zu jener Zeit besetzten die philistäischen Wachen Gimso; fast alle Daniten hatten das Städtchen verlassen, das als verloren galt. Eines Nachts streifte Simson um Gimso herum und dachte nach, was er tun könne, und zwar so, daß er nicht wieder von neuem die Rache der Philister auf seinen ganzen Stamm lenke. Hätte er sich nicht darum gekümmert, so hätte er einfach die Wache überfallen. Es war hier also ein schlauer Kniff notwendig. So machte er, mit seinen Gedanken beschäftigt, einen Bogen um den philistäischen Wachtposten herum und gelangte durch Felder auf die von Geser nach Lud führende Straße. Hier vernahm er Pferdegetrappel. Zwei Reiter jagten in feurigem Galopp von Süden nach Norden; Simson erkannte, daß es militärische Botenreiter waren; der vordere war ein großer feister Mann. Da kam Simson ein großartiger Gedanke. Er brachte die Pferde zum Stehen, betäubte beide Reiter mit einem Faustschlag, fesselte sie, stopfte ihnen Gras in den Mund und trug sie ein Stück abseits von der Straße fort; er selbst legte die Kleider des Dicken an und hängte sich sein Schwert an den Gurt. Er hatte schon so lange Zeit in Timnata unter Philistern gelebt und verstand sich so gut aufs Beobachten, daß er nicht zu befürchten brauchte, irgendeinen Fehler in der Kleidung, den Manieren oder der Haltung im Sattel zu machen. Auch ihre Aussprache hatte er sich angeeignet: überhaupt gab es kein Geschöpf, dessen Laute er nicht vortrefflich nachzuahmen gewußt hätte. Die Eulen hielten ihn für eine Eule; eine Wölfin hatte einmal auf sein klägliches, ein erschrecktes Wölfehen nachahmendes Geheul einen Eselskadaver im Stich gelassen. Am Sattel des zweiten Pferdes war ein praller, sorgfältig versiegelter Ledersack befestigt — nach seinem Klingen zu urteilen, mit Geld gefüllt. Simson nahm den Sack mit! setzte sich auf das Pferd und galoppierte! nach Lud, das zweite Pferd am Zaum hinte:] sich herlaufen lassend. — Es war schon nacl 1 Mitternacht, als er beim Befehlshaber derl dortigen Heeresabteilung erschien. 1 „Ich komme aus Ekron“, sagte er, „und habe! den Befehl, noch vor Sonnenaufgang dieser! Geldsack dem Hauptmann unserer Wache irl Gimso zu übergeben. Doch ist das dort frem-1 des Land, und man könnte mich berauben:] auch bei uns im Lande haben schon unter-] wegs Räuber meinen Soldaten erschlagen;] gib mir eine Abteilung Reiter als Begleitung mit.“ „Ich kenne dich nicht“, sagte der Hauptmann, sich über Simsons kräftige Gestalt wundernd. „Wer bist du?“ 1 Simson erklärte ihm, daß man ihn vor einigen Tagen von der ägyptischen Grenze hierher versetzt habe und daß er aus der südlichen Wüste gebürtig sei. (An der Aussprache des Befehlshabers erkannte er, daß jener aus Jaffa war.) Im Süden lebten tatsächlich Überreste des Volkes der Anakiten, die durch ihren ungeheuer großen Wuchs bekannt waren; die Philister betrachteten sie, ebenso wie die Amalekiter, fast als Menschen und stellten sie gern als Soldaten ein, obwohl sie ihre eigenen Eingeborenen aus der Ebene Saron nicht zum Heere zuließen. — Außerdem erwähnte Simson so nebenher einige Namen von Ekroner Edlen und stellte unter anderem den ältesten Militärschreiber aus Ekron mit solcher Ähnlichkeit dar, daß der Hauptmann ihm nicht nur Glauben schenkte, sondern ihn auch lieb gewann. Auch der Sack mit seinen Siegeln, seinem Gewicht und Klingen tat seine Wirkung. Deshalb erschien Simson in Gimso bereits an der Spitze einer reitenden Abteilung und wurde von dem dortigen Befehlshaber mit Ehren empfangen. Seiner Aussprache nach stammte dieser aus Gaza, und darum sprach Simson — nachdem er seine Abteilung dreißig Schritte hinter sich hatte halt machen lassen — mit ihm lispelnd wie ein aus Jaffa Gebürtiger. „Du hast Befehl, mit deiner Abteilung nach Baal-Salissa zu gehen. Unverzüglich; und hier hast du einen Sack mit Geld.“ „Baal-Schalischa?“ fragte der Hauptmann. „Haben wir denn Krieg mit Dor?“ Simson schwieg nachdrücklich: war es doch nicht Sache eines Boten aus der Hauptstadt, einem Untergebenen Staatsgeheimnisse zu erzählen, obwohl sie ihm selbst natürlich bekannt waren.

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