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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 29 (1928) Richter und Narr · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
29 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 29 Erst einen Monat nach der Feuersbrunst schickten sie eine Gesandtschaft nach Zora, welche die Auslieferung Simsons forderte. Die Zoriten antworteten, daß Simson sich nicht in ihrem Lande befinde — er habe sich weit nach Süden, über Juda und Simeon hinaus, in die felsige Wüste der Amoriter und Amalekiter begeben. „Wenn ihr ihn dort fangt,“ fügten die Ältesten hinzu, unter denen sich Manoa nicht befand, „werden wir nur froh sein. Auch wir sind seiner überdrüssig.“ Die Gesandten erwiderten hierauf: „So liefert uns seine Kameraden aus, die Schakale.“ Die Ältesten sahen sich an. Sie wußten, daß Simson, als er fortging, seinen jungen Anhängern befohlen hatte, sich über das ganze Land zu zerstreuen, bis er sie wieder rufen werde. Nur Nechuschtan hatte er mitgenommen; und nur Jahir war nach zehn Tagen Abwesenheit nach Zora zurückgekehrt, und etwas früher der breitschultrige Gusch. Und so lautete die Antwort der Ältesten: „Ein großer Baum läßt sich leicht finden; wi€ aber soll man einen einzigen Grashalm auf einer Wiese finden? Sie sind auseinandergelaufen, auch sind sie wenig bekannte Leute.“ Die Gesandten runzelten die Stirn und gingen beiseite, um sich zu beraten. In dieser Versammlung war auch der Levit Machbonai ben-Schuni zugegen. Obwohl er kein Hausbesitzer und auch nicht stadtgebürtig war, so hatte er es doch auf irgendeine Weise verstanden, sich in der Verwaltung unentbehrlich zu machen: er wußte alles, war überall schon einmal gewesen und machte alles klüger und schneller als die anderen. Mit halber Stimme sagte er: „Es ist nicht gut, wenn wir die Gesandten unverrichteter Dinge entlassen. Ein zorniger Mensch gleicht einem hungrigen Wolf: findet er keinen Hasen im Felde, so fällt er über den Menschen her.“ Alle begriffen, was für einen Rat er erteilen wollte. Einer der Ältesten antwortete ihm kopfschüttelnd: „Der Zorn gleicht dem Feuer; du aber sagst: Gebt dem Feuer ein Bündel Stroh.“ — „Nein,“ erwiderte Machbonai, „ich sage: Gebt ihm Wasser.“ Sie blickten sich nach den Gesandten um: die hatten düstere, gereizte Gesichter. Da seufzten die Ältesten und beschlossen, Jahir und Gusch auszuliefern. Als man sie holen ging, setzten sie sich nicht zur Wehr. Die Daniten hielten damals, in jenen frühen Zeiten, noch fest, zusammen wie die Bienen und waren sich dessen bewußt, daß es im Notfälle besser sei, wenn einer zugrunde ging als alle. Auch redete schon lange ganz Zora davon, daß für Simsons Streich würde Buße : gezahlt werden müssen; die Namen Simsons \ und der Schakale wurden mit Haß ausgespro- I chen. Als Jahir die Wache erblickte, sagte J er: „Es ist mir einerlei“, und folgte ihr nach;; Gusch sagte nichts und ging mit. i Die Gesandten sahen sie an und sagten: j „Sie sind nicht gefesselt.“ — „Fesselt sie 'f selbst“, antworteten mürrisch die Ältesten. | „Fesseln,“ sagte Jahir, „mir ist es einerlei.“ j Gusch sagte nichts. Kami stürzte schluchzend : zu ihrem Bruder Jahir. „Wenn du Simson je-!. mals sehen solltest,“ befahl er ihr, „so sag’ j ihm, daß ich es nicht bedaure. Es ist in jener l Nacht in Timnata lustig gewesen; was für ein j Vergnügen aber sollte es sein, inmitten dieses } Ungeziefers im Sumpfe Dans zu leben?“ | Gusch hatte keine Angehörigen, niemand umarmte ihn. Als sie abgeführt wurden, bef deckten die Ältesten und das Volk vor Scham \ die Gesichter mit den Mänteln, und die Frauen [ schluchzten. f Bald verbreitete sich die Nachricht auch im j . Lande Juda, und Kaufleute brachten die Kunde j bis an die Ufer des Salzmeeres. Eines Tages { stieg Nechuschtan hinab nach En-Gedi, teils \ um Vorräte zu holen, teils aus Wanderlust; j und von dort brachte er die Neuigkeit vom Schicksal Guschs und Jahirs in die zwischen den Felsen von Etam gelegene Höhle, wo Simson auf ihn wartete. Aber Simson wun- derte sich nicht: das alles stimmte ja voll- - ständig mit der Weisheit des Schelach benj Jubal überein und entsprach vollkommen dem \ Wesen Dans. j * i Sieben Tage und Nächte verbrachte er an , der Südküste des Toten Meeres im Zelt eines Rehabiters. Dieser hieß Eiion. Mit Eiion zusammen lebten seine sechs Söhne, alle verheiratet und kinderreich, und zwei unverhei- ] ratete Töchter. Das war das ganze Lager. j Sie hüteten ihre Ziegen, gewannen Salz und; stellten Tongeschirr her: Teller, Öllämpchen,; alles außer Weinkrügen; diese letzteren machj ten sie nicht, um die Sünde nicht zu vermeh-; ren, die durch ihren Propheten Jonadab ver- I boten war. . j; Simson hatte noch nie von den Rehabitern \ gehört, und so fragte er Eiion: „Bist du vom Stamme Simeon oder Juda?“; „Weder von dem einen noch vom andern j; erklärte Eiion. „Wir sind keine Söhne Israels, | aber wir haben den gleichen Gott. Wir sind | Kinder Kains, welcher der erste Ackerbauer | auf Erden war. Er hat gesündigt, und wir | büßen für ihn.“ |

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