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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 26 (1928) Richter und Narr · p. Seite 107

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
26 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 107 , ^a'de verirr ,d Hunger über nat seine Mutte S?en’ es i, r(l ihm gleich Z) er wieder fort, fr hatte zwar geals Gast nach ber Bergams Haus n Er machte einen »dt. Zwischen den °f Sonnenaufgang n?en in den Weg. s kleine Gemslein schmal wie — ja, Riese von Bräuti- Hand hingestreckt Gemse mit einem jnge ein, nahm es behutsam mit sich scheu-zutraulichen sser so: wenn man nmt man ein Geiebte ja doch junge s er an Bergams n bestimmten Plan, fahl er dem ver- $ und suchte nach den Herrn rufen“, rrn nicht“, antworden Sklaven vorm und begab sich er Schwelle schlug jnd blickte hinein, idchen mit schwaremadar. Sonst war emadars Zimmer?“ Semadar ist nicht „ich will es dem ürzte irgendwohin dem weiten Vor* ildig mit dem Fuß merkte selbst nicht, drückte, daß sie -egte sich der Vorr schaute dahinter;re Gewebe wieder [ Und wandte sich Geräusch der un-; um. Bergam hatte keine Zeit gehabt, Schuhe anzulegen, doch war das die einzige Unvollkommenheit seines Äußeren. Sein Bart sah so ordentlich aus, als hätte er auch im Schlaf fortwährend über ihn hingestrichen, ebenso das Haar; sein Bademantel, über die Nachtkleidung geworfen, fiel in gleichmäßigen Falten herab. Er war genau so gekleidet, wie es sich für einen Schwiegervater bei Sonnenaufgang gehört, wenn der Schwiegersohn etwas über einen Monat nach einem Streit ins Haus einbricht; offenbar besaß er in seinem ungeschriebenen tausendjährigen Kodex auch für diesen Fall eine Vorschrift, wie überhaupt für alle möglichen Fälle. Auch sein Verhalten war derartig, wie es sich unter ähnlichen Umständen gehört: er war nicht im geringsten erstaunt, auch nicht erzürnt, doch könnte man auch nicht behaupten, daß er erfreut gewesen wäre; er war freundlich, etwas zurückhaltend und überhaupt ruhig. Simson merkte nur das eine, daß der Schwiegervater ihm nicht böse war. Bis über die Ohren lächelnd, sagte er einfach: „Guten Tag, Bergam? Wo ist Semadar? Ich bin gekommen, um sie nach Zora mitzunehmen. Meine Mutter hat ein Haus für sie gebaut; es ist zwar klein, sieht aber dem deinen genau gleich.“ Bergam drückte ihm die Hand, was wegen der kleinen Gemse etwas unbequem war, und antwortete: „Ich bin sehr erfreut, dich bei guter Gesundheit zu sehen, Simson. Willst du deine Bürde nicht Peleg übergeben? Nimm das Gemslein auf den Hof mit, Peleg, und gib ihm Milch; Gras gib ihm keins, es ist noch zu klein dazu. Auch laß Wein, Met und Lebkuchen in mein Schlafgemach bringen. Komm in mein Gemach, teurer Gast.“4 Gast? dachte Simson, sprach aber den Gedanken nicht aus. Der vollendete Schliff der Umgangsformen hatte ihn wie immer besiegt; außerdem war es ihm nicht um solche Kleinigkeiten zu tun. „Wo ist Semadar? fragte er, Bergam nachfolgend. „Vor allem“, antwortete Bergam, „tu mir die Ehre und setze dich. Der Wein wird gleich gebracht werden. Willst du dich nicht waschen? Du warst doch offenbar die ganze Nacht unterwegs.“ Simson verlor die Geduld; er zuckte mit den Achseln, um den Bann der fremden Sitten von sich abzuschütteln, und sagte schroff: „Das alles kommt erst nachher dran. Ich frage, wo ist Semadar? Antworte also, wo sie ist.“ Bergam erwies sich auch auf diesen Gesprächston vorbereitet. Er ließ sich durch nichts anmerken, daß die Schroffheit ihm nicht gefiel. Auf die sachliche Frage antwortete er ganz sachlich: „Sie befindet sich nicht in meinem Hause.44 „Wo ist sie? Ich werde gehen und sie holen. Ist sie hier oder in Ekron oder wieder bei deinen Verwandten in Gaza? Ich werde sie holen. Meine Mutter hat ein Haus für sie gebaut; sie wird es dort ebenso gut haben wie bei euch.“ Sie sahen sich unverwandt an; Simson merkte, daß in Bergams Gesicht ein gewisser Grad mäßigen Erstaunens zum Ausdruck kam. Ihm wurde plötzlich unheimlich; es mußte jetzt gleich etwas Unbegreifliches, Unglaubliches, Unmögliches geschehen. „Ich muß dich nicht richtig verstanden haben,44 sagte Bergam und breitete erstaunt die Arme aus, „aber mir scheint, daß du schon zum zweitenmal deine Absicht erwähnst, meine ältere Tochter nach Zora, ins Haus deiner Mutter einzuladen.“ Simson beugte sich vor, faßte sich mit beiden Händen fest an die Knie und sagte nicht sehr laut, aber deutlich: „Hör’ auf zu scherzen, Alter. Nicht ins Hans meiner Mutter, sondern in das meine; nicht deine ältere Tochter, sondern meine Frau.“ Bei dem Wort „Alter“ verfinsterte sich Bergam sichtlich. Unhöflichkeit ist unzulässig; wenn es aber schon einmal zu Unhöflichkeiten gekommen war, so mußte das Gespräch nach Bergams Umgangsregeln weiterhin — falls es unvermeidlich war — ohne jene Umschweife fortgeführt werden, wie sie im Gespräch zwischen gleich wohlerzogenen Leuten üblich sind. Er antwortete also mit der gleichen Deutlichkeit: „Vor etwa einem Monat hast du in diesem selben Hause, in Gegenwart von etwa hundert vollberechtigten Zeugen zu meiner Tochter gesagt: Geh fort!“ Simson schwoll auf der Stirn eine dunkelblaue Ader, seine Augen verschwanden tief unter den Brauen, und das Kinn spannte sich; aber er sagte nichts, denn in dem gleichen Augenblick trat der Sklave mit einem Tablett ein. Als jener wieder gegangen war, wollte Bergam Simson den Becher reichen, doch rührte sich Simson nicht und wartete. Bergam fuhr fort: „Einige Tage vorher hatte ich es für meine Pflicht gehalten, dich mit den Grundsätzen bekannt zu machen, auf denen die Rechte und Wechselbeziehungen der Ehegatten in

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