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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 26 (1928) Richter und Narr · p. Seite 106

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
26 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 2* nach Zora zurückgekehrt war: „Ich werde nicht mehr zu ihnen gehn; wenn sie mich brauchen, so mögen sie ihre Diebe und Streitenden hierher, vor die Tore Zoras, bringen.“ Später, allerdings erst nach einiger Zeit, kam das auch so. Es verging kein Monat, daß man nicht einen gefesselten Verbrecher von weit her vor die Tore Zoras brachte, oder daß nicht Kläger und Beklagter mit einer Schar staubbedeckter Zeugen zu ihm kamen. Und Simson richtete über sie nach den Gesetzen seiner wilden Weisheit und lehrte Dan das rauhe Leben eines Wolfes unter Wölfen. Doch geschahen bis dahin noch viele andere Dinge. Fünfzehntes Kapitel Die S c h e i d u n g s k 1 a u s e 1 Simson verbrachte einige Tage zu Hause. Diesmal sprach er nicht einmal mit dem Vater. Er zeigte sich nicht auf der Straße und irrte gewöhnlich vom Morgen bis in die Nacht, das Haus durch das Pförtchen in der Stadtmauer verlassend, vor der Stadt herum. Er ging nach Norden, in die Timnata entgegengesetzte Richtung. Eines Tages kamen Kami und deren Dienerin unweit der Viehweide an ihm vorüber, er aber bemerkte sie nicht. Noch nie im Leben hatte er gewußt, was Hunger ist, Jetzt aber lechzte er nach Semadar. All seine Muskeln und Nerven vom Nacken bis zu den Zehen vergingen vor Verlangen und flehten nach Berührung mit ihr. Noch mehr aber quälte sich seine Seele in Sehnsucht nach ihren Nixenstreichen, nach ihrer zehnsaitigen Harfenstimme; all jenes Fremde, Herrliche an ihr, das unentbehrlich war wie Wasser an einem heißen Tag, bohrte ununterbrochen in seiner Erinnerung. Simson war in diesen Tagen sehr unglücklich. Hazlelponi fragte ihn nach nichts. Eines Tages aber befahl sie den Knechten, einen neuen Seitenflügel ans Haus anzubauen. Eine ganze Woche lang wurden sie von ihr geschimpft und geschlagen, dann war der Anbau fertig. Die blassen Lippen zusammenpressend, machte sie sich daran, die neue Wohnung einzurichten. Sie hängte die besten Seidenstücke an die Wände, breitete Matten und jene Felle auf döm Boden aus, die ihr der Sohn früher von der Jagd mitbrachte, und stellte ein Bett auf, wie es hier nie jemand vorher gesehen hatte, ein Bett mit Füßen: so hatte sie es im Hause Amtarmagais gesehen. Als alles fertig war, sagte sie nichts zu Simson; auch er sagte nichts, doch nahm er sie für einen Augenblick bei der Hand und sah ihr in die Augen mit dem Blick eines kleinen Kindes, das sich im Walde verirr hatte, Schrecken, Kälte und Hunger über stehen mußte — und nun hat seine Mutte: es gefunden, hat es gewaschen, führt es ii die warme Stube und wird ihm gleich zi essen geben. In der gleichen Nacht ging er wieder fort diesmal auf der Südstraße. Er hatte zwar ge schworen, daß er nicht mehr als Gast nach Timnata kommen würde, aber Bergams Hau: lag ja vor den Stadtmauern. Er machte einer großen Bogen um die Stadt. Zwischen der: Anhöhen lief ihm noch vor Sonnenaufgang eine Gemse mit ihrem Jungen in den Weg Beide flohen vor ihm. Das kleine Gemsleir erschien ihm hilflos und schmal wie — ja wie ein Mädchen, dem ein Riese von Bräutigam zum erstenmal die Hand hingestreck* hatte. Er brachte die alte Gemse mit einerr Stein zu Fall, holte das Junge ein, nahm es auf den Arm und trug es behutsam mit sicL fort, ihm in die kindlichen, scheu-zutraulicher Augen blickend. Es war besser so: wenn mar zur Versöhnung geht, nimmt man ein Geschenk mit, und Semadar liebte ja doch junge Tiere so sehr. Es war bereits hell, als er an Bergarm Tür klopfte. Er hatte keinen bestimmten Plan, was er sagen und tun sollte. „Wecke meine Frau“, befahl er dem verdutzten Sklaven. Der bebte und suchte nach Worten. „Ich ... ich werde den Herrn rufen“, sagte er schließlich. „Ich brauche deinen Herrn nicht“, antwortete Simson. An dem zurücktaumelnden Sklaven vorbei trat er in den Vorraum und begab sich nach ihrem Zimmer. An der Schwelle schlug er den Vorhang zurück und blickte hinein. Auf dem Bett schlief ein Mädchen mit schwarzem Haar; es war nicht Semadar. Sonst war dort niemand. „Wo befindet sich jetzt Semadars Zimmer?“ fragte er ungeduldig. „Frau Semadar... Frau Semadar ist nicht da,“ stammelte der Sklave, „ich will es dem Herrn sagen.“ Und er stürzte irgendwohin in die Innengemächer fort. Simson stand mitten in dem weiten Vorraum, und stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf den Fliesen herum; er merkte selbst nicht, wie er die kleine Gemse drückte, daß sie jämmerlich schrie. Da bewegte sich der Vorhang an der Tür: Elinoar schaute dahinter hervor und ließ das schwere Gewebe wieder fallen. Er merkte es nicht und wandte sich erst bei dem klatschenden Geräusch der unbeschuhten Füße Bergams um.

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