Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 25 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9158276-9158540-9158516--12847-9081856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
102 Romanbeilage des „Jüdischen Echos4 das wird nicht bei einem Festgelage und nicht durch Worte entschieden werden. Vorläufig wollen wir auseinandergehen zu beiden Seiten der Ackerfurche; das Eure ist euer, das Meine mein. Was mein ist, werde ich mir nehmen, wenn die Zeit gekommen sein wird ... wann ich Lust haben werde. Was euer ist, werdet ihr erhalten. Den Wetteinsatz werde ich zahlen. Zwar habe ich ihn nicht verspielt, mein Rätsel war ganz anderer Art. Doch ist das nicht wichtig — ihr habt mit meiner Kalbin gepflügt, so muß ich den Schaden bezahlen. Leb’ wohl, Timnata — und denk’ an die Ackerfurche: du wirst sie nicht überschreiten.“ Er wandte sich zum Schwiegervater: „Leb’ wohl vorläufig, Bergam“, sagte er. „Du bist ein guter Mensch, und nicht du bist hieran schuld. Mich trifft die Schuld: verzeih mir.“ Da kam Semadar zu ihm gelaufen, streckte die Hände aus und wollte etwas sagen. Er vertrieb sie durch eine Handbewegung, als wäre sie eine Hummel. „Geh fort von mir“, sagte er halblaut aber deutlich. Alle hörten es. Bergam wurde tiefrot und wollte etwas sagen. Aber Semadar warf sich ihm weinend an die Brust, und er widmete sich ihr. Simson ging, und die Schakale folgten ihm; Jahir als erster, Nechuschtan, an einer saftigen Leige saugend, als letzter. Achturs Haus befand sich ebenfalls vor der Stadtmauer, jedoch weiter westlich fort von der Stadt, an der nach Askalon führenden Straße. Etwa nach zehn Tagen fand sein Hofmeister am Morgen vor dem Hauseingang einen sorgfältig verpackten Ballen. Es befanden sich darin dreißig seidene Mäntel, wie sie die Philister bei feierlichen Gelegenheiten anzulegen pflegten. Sie waren nicht alle neu, jedoch alle gut gearbeitet. Achtur zweifelte nicht daran, daß es philistäische Mäntel waren und daß Simson irgendwo irgend jemanden beraubt hatte. Doch erfuhr er bis zu seinem Tode nicht, wen und wo. Dreizehntes Kapitel In den T agen der Richter Israels Nach der Ernte, als das Getreide bereits eingebracht war, begab sich Simson mit Jahir und Nechuschtan, wie versprochen, auf einen Rundgang durch die Ortschaften Dans, um Streitigkeiten zu schlichten. Nr. 2: In der Tat, Dans Land war klein und enp und darum voll Zwist. „Dan richtet und re « det“, spotteten die Nachbarstämme. In jef dem Dorfe gab es Streit, weil über Nacht dei I Nachbar dem Nachbarn die Feldgrenzsteint* verschoben hatte. Jede zehnte Kuh war beschuldigt, auf fremder Wiese geweidet zi haben. Überhaupt haßten die Ackerbauer du ■ Viehzüchter. Für eine kleine Herde, so klag-1 ten sie, braucht man soviel Land, daß, säteman darauf Weizen, man ein ganzes Dor . davon ernähren könnte. Es gab Bezirke, irf denen es für einen Menschen in Wollkleidun^ j gefährlich war, sich unter Ackerbauern zri zeigen, und für einen Menschen im Leinen-; hemd, sich unter Hirten sehen zu lassen Wenn aber ein Fremder zufällig dorthin ge-- kommen wäre, der nichts von dem gegen-; seitigen Haß der Bewohner gewußt und daher Kleidung angehabt hätte, gewebt aus einem Gemisch von Leinen und Wolle, so wäret; es ihm sowohl unter den einen als auch un-; ter den anderen schlimm ergangen. Die Vieh-1 Züchter waren noch nicht so grausam gejj sinnt, wohl deshalb, weil ihrer weniger waren? und sie seltener sich in Haufen ansiedelten. | Unter den Ackerbauern aber galt es nicht; als Sünde, insgeheim einen Hirten umzu-l bringen. Einen solchen Mörder führte man Simson; j in Ajalon vor. Als sich das Volk um den; Richter versammelte, drängten sich die Hirten auf der einen Seite zusammen, die Acker-1 bauern auf der andern, als wären es zwei^ feindliche Lager. Simson sah-die einen wie:: die andern an und sagte: | „Wenn ihr eine Rauferei anfangt, erschlage]1 ich euch alle ohne Ausnahme. Holt Zeugen : 1 herbei.“ ' „Es sind gar keine Zeugen notwendig“, ant- _ wortete der Mörder, ein stämmiger, sehr ruhiger Mann. „Ich habe ihn getötet, genau yj so, wie es dir diese Teufelsbrut erzählt hat“, |: und er deutete auf die Hirten. „Ich werde 1} auch noch einen zweiten töten, wenn ich auf |1 meinem Weinberg eine Ziege erwische. Gott J selbst hat befohlen, die Viehzüchter auszu-| rotten.“ Simson zweifelte dies an, doch nickten ihm aus dem Lager der Ackerbauern viele bestä- | tigend zu. Und der Beschuldigte erzählte dem g Nasiräer mit tiefster und unerschütterlichster § Überzeugung die Geschichte, wie einstmals § der Ackerbauer Kain den Schafhirten Abel | tötete und die andern Hirten ihn daraufhin fangen wollten. Aber da hatte Gott selbst einen Engel zu ihnen geschickt und ihnen ver- U künden lassen, daß für jeden getöteten Ackerp I -<*