Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 25 (1928) Richter und Narr
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer & Jessen, München) 13. Fortsetzung Und noch eines: schon unsere Anwesenheit hier ist eine Bürgschaft dafür, daß wir nichts gegen die Ehe einer unserer Fürstinnen mit einem der Herrscher des benachbarten Zora haben. Das ist auch im Altertum vorgekommen: auch der König von Kereth oder von Troja gab zuweilen seine Tochter dem Fürsten eines ihm untertänigen Gebietes zur Frau. Das ist nützlich; das festigt die Vasallenbeziehungen, vergrößert die Ergebenheit des Vasallen gegen den Herrscher. In diesem Sinne mögen denn die Götter deine Ehe segnen, Simson, Richter Dans, eines der künftigen Erbländer Philistäas!“ Er setzte sich. Die teuflische Geschicklichkeit dieser Rede bestand darin, daß ihr Schluß jegliche Gefahr eines Wutausbruches auf seiten der Philister wie mit einer Handbewegung beseitigte. Noch vor einer Minute waren sie nahe daran gewesen, sich auf Simson zu stürzen, aber Achturs Schlußhieb versetzte sie in derartige Begeisterung, daß ihr Zorn in Frohlocken und Gelächter zerrann; sie sprangen von ihren Plätzen auf, umringten Achtur, drückten ihm die Hand, klopften ihm auf die Schulter. Simson hatte die Zähne fest zusammengebissen und dachte angestrengt und schnell nach. Irgend etwas mußte er jetzt tun, und zwar sofort. Was aber? Ja — er mußte sagen, daß das nicht wahr sei, daß er nicht dies Rätsel aufgegeben habe; er hatte ja ein Rätsel über ganz unwichtige Dinge aufgegeben — über Honig, Bienen und einen toten Panther ... Handelte es sich aber jetzt darum? Das war ja schon alles unwesentlich. Man mußte .., Wie Bergam, hatte auch er jetzt zum erstenmal im Leben die Herrschaft über seinen Willen verloren. Seine Gedanken wurden gleichsam von einem Wirbel mitgerissen. Woher hatte Achtur dies Gleichnis vom Süßen und Grausamen genommen? Simson erinnerte sich jetzt, daß er etwas Ähnliches an jenem Morgen in Elinoars Anwesenheit gesagt hatte ... Instinktiv erhob er die Augen und sah die beiden Schwestern vor sich stehen; sie standen hinter den Gästen, mit Krügen in der Hand; beide sahen ihn an. Elinoar strahlte triumphierend; als sie Simsons Blick begegnete, lachte sie und rief: „Nicht ich habe es Achtur erzählt. Ich erzählte es nur Semadar — frage sie nur: nicht wahr, Semadar, ich habe es nur dir gesagt, und du erzähltest es Achtur?“ Da heftete er seine Augen auf Semadar und sah, wie ihr Ausdruck unter seinem Blick sich allmählich änderte. Zuerst sah sie ihn mit scherzhaftem Schuldbekenntnis an; sie allein in der ganzen Menge hatte offenbar nicht verstanden, was geschehen war, meinte, das alles wäre nur Scherz. Plötzlich aber wurde ihr klar, daß Simson zürnte. Sie erbleichte, öffnete die Lippen, ließ den Krug fallen und hob die Hände wie zu einer Bitte oder zur Abwehr. Im nächsten Augenblick begriff sie, daß Simson nicht nur zürnte, sondern tief erschüttert war, daß etwas Großes, Furchtbares, nicht wieder Gutzumachendes geschehen war ... Simson aber wurde das alles plötzlich gleichgültig und widerwärtig. Schmutz, Lüge, Verrat — wozu darüber streiten? Worüber sollte er mit ihnen allen reden? Fort von hier! Er erhob sich und rief aus Leibeskräften: „Has!“ Das ist ein grobes Wort, es bedeutet: Maul halten! Nur selten entfaltete er seine übermenschliche Stimme in ihrem vollen Umfange wie diesmal; die Mehrzahl der Anwesenden hatte diese Stimme noch nie gehört und ahnten nicht, daß es eine solche Lautfülle überhaupt geben könne. Nicht nur' das Überraschende eines Donnerschlages lag in diesem Schrei, sondern auch noch etwas anderes. Simsons ganze Erscheinung war in diesem Brüllen enthalten, es war eine Erinnerung an die übermenschliche, phantastische Kraft, gegen welche die Hand zu erheben ein Wahnsinn gewesen wäre. „Leb’ wohl, Timnata,“ sagte Simson ruhig inmitten der Stille. „Ihr werdet mich nicht mehr als Gast dieser Stadt sehen; von euch hängt es ab, daß ihr mich nicht als Feind zu sehen bekommt. Wer Kanaan regieren soll —