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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 24 (1928) Richter und Narr · p. Seite 99

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
24 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' 99 wähnte Simsons Kraft, indem er seinen Schwiegersohn mit irgendeinem Helden aus der Mythologie des Ägäischen Archipels verglich, der mit unbewaffneter Hand Löwen und vielköpfige Drakonen tötete; er wünschte ihm und seiner Tochter eine ebensolche Nachkommenschaft, verneigte sich nach allen Seiten und setzte sich. Als zweiter mußte der Sitte gemäß Simson eine Rede halten. Er sagte: „Ich danke dir, hochedler Bergam, und euch allen, hochedle Gäste. Mein Glück ist groß, doch ist es nach den Sitten meines Volkes unschicklich, hierüber auch nur zu Freunden zu sprechen. Denn wenn ich mich auch freue, eure Kleidung zu tragen und mit euch Wein zu trinken, so gehe ich doch in den wichtigen Dingen des Lebens die Wege Dans und Zoras, und werde sie auch weiterhin gehen.“ Etwas scharf Gemünztes, fast Herausforderndes klirrte bei diesen Worten in seiner Stimme. Die Philister sahen sich an. Simson fuhr fort: „Das aber kann und muß ich euch sagen: ich danke euch für die zwei Lehren, die ihr in diesen Tagen mir und meinen Kameraden erteilt habt. Das erste, was sie hier lernten, wird für sie nützlich sein: früher waren sie der Meinung, beim Wettlauf seien das Wichtigste die Beine, beim Ringkampf und Steinstoßen die Arme; jetzt werden sie wissen, daß nicht in den Armen und Beinen die Kraft liegt, sondern im Kopf. Diese eure Schwerter, die wir — vorläufig! — noch nicht haben, schlagen nicht deshalb so tiefe Wunden, weil Eisen — Eisen ist, sondern deshalb, weil es vorher lange vom Schmied geschmiedet und lange vom Schleifer geschliffen wurde. Das wird Dan nicht vergessen, und ihr oder eure Kinder werdet noch einmal stolz sein auf eure Schüler.“ Der einfältige Bergam klaschte Beifall, nach ihm noch einige naive Gäste. Achtur aber und seine Gruppe schwiegen. Achtur stützte die Ellenbogen auf und starrte Simson an. Die Schakale rückten vergnügt auf ihren Plätzen umher und versetzten sich Rippenstöße. Simson fuhr fort: „Das zweite, was ich hier in diesen Tagen lernte, ist die Weisheit des Feldgrenzsteines. Der Eingeborene hat viele Idole, das heiligste von ihnen aber ist für ihn der Stein der Furche, die sein Feld vom Feld des Nachbarn trennt. Er hat recht. Nie darf die Furche überschritten werden. Die Ackerfurche ist das Pfand des Friedens. Es herrscht gutes Einvernehmen zwischen den Nachbarn, solange ein jeder bei sich zu Hause sitzt; sobald sie sich aber zu besuchen beginnen, kommt Unglück, Die Götter haben die Menschen verschieden geschaffen und ihnen anbefohlen, die Ackerfurche zu achten; es ist Sünde für den Menschen, jene zu vermischen, die von den Göttern getrennt wurden.“ „Wozu braucht dann der Danite ein philistäisches Weib? murmelte jemand mit halber Stimme, doch Simson hörte es. „Bei dem Tempel Baal-Sebubs in Ekron befindet sich ein Bienenfeld“, antwortete er. „Es gehen nur jene Priester dorthin zum Beten, die durch Geburt bitteres Blut haben: weder Biene, noch Wespe oder Hummel tut ihnen etwas. Solcher aber sind wenige; für andre dagegen bedeutet das Betreten des Bienenfeldes den Tod. Ich, Tajisch-Simson, Sohn des Manoa aus dem danitischen Zora, bin mit bitterem Blute geboren. Ich bin mitten unter euch aufgewachsen; ich liebe euch, und auch ihr liebtet mich; wir waren Freunde, und wenn ihr es wollt, so werden wir auch Freunde bleiben. Ich bin gleichsam die Hand, die Dan über die Ackerfurche hinweg Caphtor hinstreckt; doch ist das nur eine Hand — und auch die muß man nach dem Händedruck zur rechten Zeit wieder hinter die Furche zurückziehen. Völker aber mögen die Feldgrenzen nicht überschreiten; dann wird Frieden sein. Friede euch, ihr Philister, meine Freunde!“ Es lag diesmal keine Herausforderung in seinen Worten; es war darin eher ernste Trauer, die vielen der Philister in die Seele drang. Letzten Endes waren sie empfindsame Menschen und nicht böse von Natur; sie verstanden auch den unausgesprochenen Vorwurf, die Gastfreundschaft und die Wettkampfregeln verletzt zu haben, und konnten den Gedanken nicht los werden, daß der Vorwurf ein wohlverdienter war. Sogar Achturs Freunde senkten die Köpfe; doch wurden sie wieder muntrer, als sie sahen, daß Achtur selbst die Ruhe bewahrt hatte und seinen hochmütigen, nichts Gutes verheißenden Blick von Simsons Gesicht nicht abwandte. Sie schrien: „Achtur! Achtur möge reden!“ Achtur erhob sich. Noch ehe er begann, fühlte Simson plötzlich: jetzt, im nächsten Augenblick, wird etwas kommen, was nicht wieder gutzumachen ist: das Ende seiner Freundschaft mit dieser schönen, gepflegten, heiteren Jugend Timnatas; ja, noch mehr — das Ende seiner eigenen sorglosen Jugend. Sonderbar erschien ihm Achturs neue Art, obwohl er schon wußte, daß die Bande zwi-

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