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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 24 (1928) Richter und Narr · p. Seite 98

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
24 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Romaiibeiiage des „Jüdischen Echos’ Nr. 24 Unerwarteten Erfolg, sogar auf seiten der Philister, erntete Nechuschtan. Man hatte ihm einen Gegner gleichen Alters geben wollen, doch lehnte er mit einer komischen Gebärde ab und deutete mit dem Finger auf einen riesengroßen Philister, der an dem Tage schon zwei Mann spielend niedergerungen hatte. Das widersprach zwar den Kampfregeln, erschien aber so spaßig, daß die Spielordner einwilligten. Gleich beim ersten Gang wurde es klar, daß Nechuschtan unbesiegbar war. Er wand sich in den unglaublichsten Richtungen, entschlüpfte jedem beliebigen Griff; zweimal warf er sich dem auf ihn zugehenden Gegner vor die Füße, daß dieser beide Male stolperte und der Länge nach hinfiel, indes Nechuschtan ihm auf den Rücken sprang; schließlich schlüpfte er dem Philister zwischen den Beinen durch, saß plötzlich auf dessen Schultern, preßte ihm den Hals mit den Beinen zusammen und klatschte noch dazu in die Hände. Das dauerte ziemlich lange und wurde so kunstvoll ausgeführt, daß sogar die philistäischen Zuschauer staunten und ihrem Beifall Ausdruck gaben. Auffällig war diesmal das Verhalten der Eingeborenen. Bei den Versammlungen in Zora pflegten sie sich auch etwas abseits /u halten; hier in Timnata aber wurde eine bedeutend schärfere Scheidung eingehalten. Die zahlenmäßig geringe philistäische Rasse wahrte auch da ihre Reinheit. Während des Wettlaufes standen die Philister am Südtor, die Eingeborenen am Nordtor; bei den übrigen Wettkämpfen nahmen die Eingeborenen die andere Seite des Feldes ein. Die philistäischen Frauen und Mädchen saßen gesondert, und es befand sich unter ihnen keine einzige fremdstämmige: auch Elinoars Mutter war nicht gekommen. Der eingeborene Pöbel am anderen Ende des Feldes paßte seine Stimmung ganz offenkundig der Stimmung der Herrschenden an: er frohlockte, wenn jene in die Hände klatschten, und verspottete die Daniten, wenn sie es taten. Aber ein heimlicher Groll gegen ihre Unterdrücker, ein letztes Fünkchen von Auflehnung war offenbar unter der Asche ihrer Abgestumpftheit noch nicht verglommen; und so fielen Nechuschtans Streiche bei ihnen auf fruchtbaren Boden. Anfangs schwiegen sie; als sie aber hörten, daß auch auf seiten der Philister einige dem jungen Schakal Beifall klatschten, ermutigten sie sich und begannen freudig zu schreien und zu kreischen. Und als Nechuschtan sich dem Gegner auf die Schultern setzte und sich selbst Beifall klatschte, geriet die eingeborene Bevölkerung in Begeisterung, heulte auf, sprang in die Höhe, winkte mit den Händen und brüllte so etwas wie: „Recht so, Danite!“ Achtur wechselte Blicke mit den Würdenträgern der Stadt; eine Minute später wurde ein Dutzend Wächter mit Peitschen im Laufschritt auf die andere Seite entsandt, und es wurde wieder still. Als das Gesicht des Philisters puterrot ge- | worden war und er Nechuschtan an den | Knöcheln packte, mit der offenkundigen Ab- I sicht, ihm die Beine zu brechen, erklärten I Simson und Achtur den Kampf als mit un- I entschiedenem Ausgang abgeschlossen. Da- I mit war der letzte Tag der Wettkämpfe be- | endet. I I £ Dreizehntes Kapitel Streit i; Bei dem Gelage, das an diesem Tage stattfand, fühlten sich die Daniten etwas wohler. Zwar hatten sie keine Siege davon getragen, aber Gusch, Nechuschtan und der Zwischenfall mit der eingeborenen Bevölkerung hatte j; den Philistern doch wenigstens Unannehmj lichkeiten bereitet. Die Schakale saßen alle ] an einem Tisch und unterhielten sich, wenn auch nicht sehr laut, so doch lebhaft und ohne! die andern zu beachten. Simson war wieder; auf seinen früheren Ehrenplatz zurückgekehrt! und war ebenfalls guter Stimmung: diesmal hatte er die Mütze nicht abgelegt und den Wein nicht zurückgewiesen. [. Dagegen machte sich ein gewisser fester jl Zusammenhalt in der Hauptgruppe der Phili-; ster bemerkbar. Achtur und seine nächsten Freunde schienen nicht zur Unterhaltung auf- | gelegt; aber auch die übrigen Gäste Bergams, für welche die Veränderung nicht so deutlich war, die in den Wechselbeziehungen Simsons | und Timnatas eingetreten war, schienen durch | das unverschämte Benehmen derEingeborenen I auffällig verstimmt zu sein. Es war nur eine 1 Kleinigkeit, aber eine unangenehme, insbe- 2 sondere in Anbetracht der anwesenden Frem- | den. Sie trösteten sich jedoch bei der Nach- I rieht, daß im Nordviertel bereits die einge- | borenen Aufseher verprügelt wurden; als I dann die Tänzerinnen auftraten, beruhigte I sich dieser Teil der Gäste vollständig. j Die Philister brachten gern Tischreden aus und verstanden sich auch gut darauf. So hielt Bergam gegen Ende des Mahles eine wohlans ständige, herzliche, gastfreundliche Rede. Er ] brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, daß er so vornehme Gäste bei sich sehe; lobte in gleicherweise Caphtor und Dan; er-

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