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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 24 (1928) Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
24 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHO’S“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigth by Meyer & Jessen, München 12. Fortsetzung Simson sprang auf, riß seine Philistermütze vom Kopf, schwenkte sie durch die Luft und brüllte mit bereits nicht mehr zu verhehlendem Zorn: „Was ist denn — seid ihr etwa stumm geworden vor Neid? Auch Achtur hatte sich erhoben, klatschte in die Hände und schüttelte den Kopf vorwurfsvoll; da ertönte schließlich hier und da ein dünnes Klatschen. Aber auch dieser Eindruck verwischte sich im zweiten Teil — beim Schleudern der leichten Kupferdiskusse auf weite Entfernung. Hier war wiederum nicht allein Kraft, sondern auch Geschicklichkeit erforderlich; die Schakale verloren einer nach dem andern. Mehrmals wollte Simson das Kampffeld betraten und sowohl den Seinen als auch den andern zeigen, wie man Steine stoßen müsse; aber das ging nicht an — beteiligte sich doch an dem Wettkampf laut Verabredung nur die grüne Jugend. Als alle sich auf den Heimweg machten nach dem Garten Bergams, wo ihrer gedeckte Tafeln harrten — es war der vorletzte Tag des Festes —, trat Jahir zu Simson. „Kann ich dich allein sprechen?“ fragte er, Simson nicht ansehend. — Sie gingen zur Seite. „Morgen ist Ringkampf“, sagte Jahir. „Ja.“ „Erlaß mir die Teilnahme, Simson. Ich... ich kann nicht mehr.“ „Hast du Angst?“ „Du hast selbst mehr als einmal gesehen, daß ich kein Feigling bin.“ „Ein Feigling ist nicht jener, der Wunden oder den Tod fürchtet, sondern jener, der vor dem Spott Angst hat.“ Da konnte Jahir nicht länger an sich halten; zusammenhanglos, bald Worte, bald Tränen verschluckend, sprach er: „Du weißt nicht, was hier vorgeht. In deiner Gegenwart wagen sie es nicht... Uns aber verspotten sie auf Schritt und Tritt. Alles kommt ihnen lächerlich vor: die Worte sprächen wir aus wie die Eingeborenen, gekleidet seien wir nicht ordentlich, auch nicht richtig gewaschen. Und... und es wäre Zeit, Zora an Ekron anzugliedern, um dem Bauernpack dort — das sind also wir! — beizubringen, wo sein Platz ist. Wir sind unsrer wenige, und wir sind hier Gäste, so können wir nichts anderes tun, als mit Schweigen antworten, aber... Kurz und gut, ich kann nicht mehr! Erlaß es mir, ich will nach Hause.“ „Wenn du morgen das Kampffeld nicht betrittst,“ sagte Simson langsam, „so ist dein Platz nicht mehr unter den Schakalen. Geh jetzt!“ Gesenkten Hauptes kehrte Jahir zu seinen Kameraden zurück. Simson ging lange allein seines Weges und dachte über die Hirtenweisheit Nechuschtans nach. Ein schwarzer Hund und ein brauner Hund... Vielleicht? Finster und schweigsam saß er an jenem Tage an der Tafel, aß wenig und dachte nach; die Mütze hatte er unter den Tisch geworfen und den Wein zurückgewiesen. Am nächsten Tage trat Jahir zum Ringkampf vor, doch streckte ihn der geschickte Philister in wenigen Minuten nieder. Überhaupt fühlten sich die Schakale an diesem Tage noch unbehaglicher als vorher. Sie mußten sich in Gegenwart der Frauen bis zu den Hüften entkleiden, sie schämten sich. Und wenn sie dann den Versuch machten, den Gegner fest zu umschlingen, ihn kräftig an sich zu drücken, daß die Rippen krachten, um ihn dann wie einen Lappen fortzuwerfen — so trafen sie bald auf Ellbogen, bald auf einen Kopf, bald auf leere Luft. Der Gegner aber hüpfte um sie herum und umfaßte plötzlich wie mit einem Schraubstock Hals und Beine — und alles war aus. Und die Menge ringsum lachte, pfiff, wieherte und munterte die Ihren auf. Nur Gusch streifte den Philister, der ihn von hinten umschlungen hatte, wie ein Hemd ab, umfaßte ihn, konnte ihn zwar nicht auf den Rücken legen, richtete ihn jedoch derartig zu, daß Simson ihnen befahl, auseinanderzugehen; der arme Kerl mußte mit Wasser wieder zu sich gebracht werden. Auch während dieses Kampfes schwieg die Menge mürrisch, dafür schrien sich die Schakale heiser.

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