Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 23 (1928) Richter und Narr · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
23 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9158276-9158540-9158514--12838-9081849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 95 Nr. 23 hm gilt die [ achlieB, be. zt brauchte -ngt zu füh- Machbonai 'chzeit nach toten hatte ^°h 1 er es i 1 Hause zu che Jugend 1 ten, Ringen Alles, was tae zu frafürchtig als . ter in Zora trinken und « Auch sie sangen auf :n übrigens [ dann hörten . in war von * Veränderung , daß seine ir Reihe mit * i der Tafel i, möglichst * :en. itan: dieser die Schuhiorgter Ansen, ob die \ und Be- I ersten Taf;ie sind sehr tete er nur ' is Tages zu r den Philii Nachbarn; wird es unichaft mehr \ venig“, ant- *;m Schweik i mehr von S [as anders.“ ’auner Hund :r von ihnen sie aber zui nur so.“ aufmerksam # etwas fra- ie aus dem ft gaß es. Eines Tages, um die Mittagsstunde, rief ihn sein Schwiegervater zu sich zu irgendwelchen geschäftlichen Besprechungen. Nach philistäischem Recht blieb das Vermögen der Braut im Falle der Verwitwung oder Scheidung ihr Eigentum — vielleicht aber war es auch umgekehrt: Simson hörte zerstreut zu, es zog ihn zu Semadar zurück. Eine geschlagene Stunde erklärte ihm Bergam irgend etwas, und Simson nickte und war einverstanden. Bergam las ihm ein ganzes Traktat über allerhand Klauseln vor, mit deren Zuhilfenahme der Mann nach dem Gesetz der Fünf Städte die Ehe scheiden könne; die Klauseln waren zum größten Teil einfach und kurz; Simson sagte lächelnd: „Das alles werde ich nicht brauchen.“ „Wissen, mein Sohn, gleicht dem Reichtum“, erwiderte der Schwiegervater beleh< rend. „Der Reiche ißt nicht mehr als der Arme; doch ist es angenehm und ehrbar, Vorräte zu haben, selbst wenn man sie niemals benötigen sollte.“ Dieser Gedanke gefiel Simson als neue Lektion aus den Geheimnissen eines hochentwickelten Lebens; trotzdem aber wäre er gern bald zu seiner Frau zurückgekehrt. Als er schließlich entlassen wurde und in den Garten ging, um sie zu suchen, begegnete ihm auf der Schwelle Elinoar. Bei der Frage, wo Semadar sei, geriet sie aus irgendeinem Grunde in große Verwirrung, wurde verlegen, blickte zur Laube hinüber, die hinter dem ausgetrockneten Teich in einem Kranz von Palmen stand, und antwortete schließlich: „Ich ... ich weiß es nicht.“ Er ging auf die Laube zu und erblickte schon aus der Ferne Semadar und Achtur. Sie saßen nebeneinander auf einer Bank; Semadar winkte ihm mit einem Band, sprang auf und lief ihm entgegen. Simson lachte, denn er begriff Elinoars Verwirrung: das dumme Mädchen hatte gemeint, er sei eifersüchtig. Er liebte Achtur nach wie vor, obwohl sie einander jetzt selbstverständlich fast gar nicht mehr allein begegneten; Achtur mußte sein Freund und der Freund seiner Frau bleiben. Er hob Semadar auf seine Schulter — sie nahm nur die Hälfte davon ein —■ und ging so zur Laube. Achtur erwartete sie stehend. „Wie geht es dir, Freund?“ rief Simson vergnügt. „Über dem Saitenklang ihrer Laute habe ich scheinbar deine Stimme vergessen.“ Er hatte erwartet, daß Achtur, wie gewöhnlich, mit irgendeinem freundlichen Scherz antworten würde: hatte er doch sonst auf alles eine angenehme Erwiderung bereit. Aber Achtur antwortete ganz sonderbar, gar nicht seiner gewohnten Art entsprechend: „Hast du nur meine Stimme vergessen, Nasiräer Simson?“ „Nasiräer? Simson? Was sind das für Namen? Du nanntest mich doch sonst Tajisch?“ „Vergeßlichkeit ist eine ansteckende Krankheit“, sagte Achtur. „Aber ich will mich nicht in eure Geheimnisse einmischen; wir werden uns noch später sehen, beim Wettkampf ... wo deine Jünglinge uns verzärtelten Nachkommen eines einst mächtigen Volkes Musterbeispiele wahren Mannestums zeigen werden.“ Er verneigte sich und ging. „Was hat er nur heute?“ fragte Simson und ließ Semadar auf die Erde herabgleiten. „Auch zu mir war er so sonderbar“, zwitscherte sie lachend. „Er fragte mich aus ...“ Sie sprach nicht zu Ende und unterbrach sich selbst: „Er beneidet dich um dein Glück, daß du so eine Perle bekommen hast: nämlich mich: Nein, noch besser: weißt du, was ,Semadar* bedeutet? Das ist ein grüner Brillant, der seltenste von allen Edelsteinen: so eine bin ich also!“ „Selbst die Götter beneiden mich“, antwortete Simson mit tiefster Überzeugung. „Alle Götter — die deinen, die meinen, die Götter Sidons, Moabs und Ägyptens.“ „Aber sie beneiden schweigend, sie kommen nicht zu mir und langweilen mich nicht“, antwortete sie mit aufgeblasenen Lippen. „Ich hasse ihn. Oder nein: er ist doch ein guter Bursche, ich liebe ihn. Ich liebe ihn zehnmal mehr als dich; er hätte mich nicht wegen eines Gespräches mit meinem Vater einen ganzen Tag allein gelassen.“ „Dein Vater belehrt mich,“ sagte Simson lachend, „was wir tun müßten, wenn wir uns einmal scheiden lassen wollten. Das ist sehr einfach: ich glaube, es genügt, wenn ich vor Zeugen das gleiche sage, was du soeben sagtest: ,Ich hasse sie.* Wäre das einige Tage früher gewesen, ich wäre mitten im Gespräch von ihm fortgegangen. Doch wer lehrte mich höfliches Benehmen? Wer? Errate einmal!“ Sie setzte sich ihm auf die Arme, fast nicht zu sehen war sie zwischen seiner Riesenbrust und den Knien, löste seine Zöpfe auf und flocht sie von neuem. „Ich verstehe mich nicht aufs Raten“, sagte sie, „Ach ja: was hast du ihnen allen eigentlich für ein schwieriges Rätsel an unserem Hochzeitstag aufgegeben?“ „Wirst du mich auch nicht verraten?“ „Ich werde dich nicht verraten...“ antwortete sie listig, „wenn ich dich bis jetzt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.