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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 21 (1928) Richter und Narr · p. Seite 87

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
21 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' 87 „Verstehst du dich aufs Ausräuchern von Bienen?“ fragte er unvermittelt. „Wohl verstehe ich mich darauf,“ antwortete Nechuschtan, „doch brauche ich das nicht. Mir tun weder Mücken, noch Bienen, noch Schlangen etwas.“ Simson wunderte sich nicht. In Ekron, im Tempel des dortigen Götzenbildes, wurden alle Priester und Diener aus solchen Leuten mit bitterem Blut ausgewählt, vor dem sich sowohl Reptil als auch Insekt fürchtet. „Komm“, sagte er, und sie gingen über die Felder auf jenen Weg zu, der am Hause Semadars vorbei in die Berge führte. — Am Ufer des bereits ausgetrockneten Teiches stand, mit dem Rücken ihnen zugekehrt, ein Mädchen. Simson erkannte sie an dem goldenen Schimmer ihres Haares und an ihrer Gestalt. Obwohl er während des ganzen Tages der Trauung und auch nicht vorher mit ihr sprechen durfte, rief er sie leise an: „Semadar!“ Das Mädchen wandte sich schnell um, aber es war Elinoar. Wieder merkte Simson, daß sie in den letzten Wochen gewachsen und in Gesicht und Gestalt Ähnlichkeit mit der Schwester bekommen hatte, sogar das schwarze Haar hatte jetzt an den Rändern einen Kupferton. „Das bin nur ich,“ sagte sie traurig und kurz, „Semadar schläft noch.“ In ihrer Stimme und im Gesichtsausdruck lag heute etwas Liebes, Unterwürfiges. Simson tat es jetzt leid, daß er sie damals im Olivenhain geschlagen hatte. „Wohin so früh?“ fragte Elinoar, näherkommend. Ihr Gang war wie jener Nechuschtans, gleichmäßig und federnd. „Ein Brautgeschenk zu holen.“ „Was kann es in den Bergen für Geschenke geben?“ „Du wirst schon sehen. Auch du sollst etwas bekommen.“ „Tajisch,“ bat sie kindlich, „darf ich mit euch gehn? Seit Mitternacht kann ich nicht schlafen, ich langweile mich. Ich werde nicht stören. Darf ich?“ Ihr ganzes Gesicht leuchtete vor kindlicher Neugier. Sie ließ den Schleier auf die Schultern herabgleiten und sah plötzlich wie ein Knabe aus. Simson lachte, klopfte sie auf die Schulter und sagte: „Du darfst.“ Die erste Zeit über gingen sie schweigend, nur Nechuschtan pfiff, die Lerchen nachahmend, vor sich hin. Von Zeit zu Zeit blieb er zurück oder bog vom Wege ab, durchsuchte irgendwelche Erdhöhlen oder schaute unter nasse Steine. „Dein Schakal Jahir konnte vor Eifersucht lange nicht einschlafen“, sagte Elinoar gelegentlich eines seiner Abstecher. „Woher weißt du es?“ fragte Simson. „Ich habe gestern mit ihm gesprochen. Ich habe ihnen allen das Abendessen gereicht und erkannte ihn — er war es, der dich an der Straße zu mir rief, worauf du... worauf du dich so erzürntest.“ Sie sprach hiervon schlicht, ohne Kränkung, wie ein Kind mit dem Vater, der es am Tage vorher wohlverdienterweise an den Ohren gezogen hat, während heute schon alles wieder vergessen ist. „Ich tröstete ihn, gab ihm mehr süße Kuchen als den anderen, und er erzählte mir den ganzen Abend lang, wie kühn und mächtig du seiest.“ Fast hätte sie hinzugefügt: „Und wie du zugunsten Semadars auf seine Schwester verzichtet hast“, beherrschte sich jedoch. Doch dachten sie beide an ein und dasselbe. Auch kam es für Simson nicht überraschend, als sie plötzlich, den Kopf eigensinnig hin- und herwiegend, sagte: „Ich wäre gern eine Zoritin. Ich kann die Philister nicht leiden.“ „Sie sind dein Volk.“ „Nein. Meine Mutter ist ja eine Avvitin, eine Fremde im Hause. Sie fürchtet sich vor allen; niemand spricht mit ihr; seit man mich in Spiel und Tanz unterweist, ist sie sogar schüchtern mir gegenüber. Als ich aber noch klein war, erzählte sie mir häufig aus den alten Zeiten. Die Avviter waren einmal das freieste Volk von ganz Kanaan. Sie hatten nicht einmal eigene Fürsten und Älteste. Eine jede Familie lebte nach ihrem eigenen Gesetz. Die Philister unterwarfen sich leicht alle übrigen Eingeborenen; aber die Avviter wollten ihnen lange nicht als Sklaven dienen, meuterten und liefen davon. In Askalon und Gaza hielt man sie wie Hunde an der Kette. Der Großvater meiner Mutter trug noch einen Eisenring im Ohr, mit dem er für jede Nacht an einen Pfahl geschmiedet wurde. Und auf der Stirn hatte man ihm ein Mal eingebrannt.“ Sie holte tief Atem — der Weg ging an dieser Stelle steil bergauf — und fügte mit tiefem Haß hinzu: „Die Philister sind das grausamste Volk der Welt.“ „Das alles war einmal“, sagte Simson. „Auch ich habe unsere Seeleute das gleiche erzählen hören. Aber jetzt sind die Kriege längst beendet. Jetzt haben sie ihre Wagen nur noch für die Rennen, die Schwerter für Wettkämpfe — ihr ganzes Leben ist ein Spiel: sie singen Lieder, trinken Wein und überessen sich an süßem Gebäck.“ „Aus dem Süßen kommt zuweilen Bitteres“, antwortete Elinoar. Simson sah sie aufmerksam an: es fiel ihm ein, daß die gleichen Worte

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